07.12.2009 · Nach dem großen Erfolg von „Keinohrhasen“ ärgerte sich Til Schweiger zu Recht darüber, dass sein Werk beim Deutschen Filmpreis komplett übergangen wurde. Bei der Fortsetzung, „Zweiohrküken“, ist das anders. Sie wird vollkommen zu Recht ignoriert werden.
Von Johanna AdorjánFür alle 76 Millionen Deutschen, die den großen Kassenerfolg des Kinojahrs 2008, Til Schweigers romantische Komödie „Keinohrhasen“, nicht gesehen haben, hier eine kurze Zusammenfassung: Mann trifft Frau, die beiden kommen nach allerlei Irrwegen zusammen. Das Ganze war mit viel Herz und Witz erzählt, und Til Schweiger ärgerte sich zu Recht darüber, dass sein Werk beim Deutschen Filmpreis, der mit Komödien bekanntermaßen nicht umzugehen weiß, komplett übergangen wurde.
Vor wenigen Tagen startete nun die Fortsetzung, „Zweiohrküken“, deren Handlung zwei Jahre später ansetzt: Mann und Frau sind immer noch zusammen, wieder gibt es allerlei Irrwege, es geht aber wieder gut aus. Leider wird dieser Film beim nächsten Filmpreis vollkommen zu Recht übergangen werden, ganz gleich, ob erneut über sechs Millionen Deutsche ins Kinos gehen, um zu sehen, wie die Geschichte zwischen Ludo (Til Schweiger) und Anna (Nora Tschirner) weitergeht. Die Handlung ist holprig, wenn sie nicht gerade stillsteht, die Charaktere sind so flach gezeichnet, dass es selbst Nora Tschirner mit ihrer bezaubernden Natürlichkeit nicht retten kann, und die besseren unter den anzüglichen Witzen stammen noch aus Lebzeiten von Mae West: „Ist das ein Bleirohr in deiner Hose, oder freust du dich einfach nur so, mich zu sehen?“
Deprimierend schnuffelig
Bisweilen werden einfach nur Blondinenwitze recycelt (Unterhalten sich zwei Frauen: „Von neuen Schuhen bekomme ich Blasen.“ - „Echt? Bei mir ist es genau andersherum.“). Und eine Episode, in der ein Frischverliebter (Matthias Schweighöfer) in der Wohnung seiner neuen Flamme eine Tüte vergisst, deren Inhalt er zuvor wieder aus dem Klo herausgefischt hatte, nachdem er merkte, dass die Spülung nicht ging, macht seit mindestens zehn Jahren die Runde. Vielleicht hätte man sich mit dem Schreiben des Drehbuchs mehr Zeit lassen sollen - und stattdessen an der Ausstattung sparen: Die nämlich ist das eigentlich Unerträgliche an diesem Film.
Es ist eine Welt, wie man sie aus Gruner&Jahr-Frauenmagazinen hasst: Menschen sitzen in dicken Wohlfühlpullis mit extralangen Ärmeln auf weißen Holzstühlen und pusten in ihren Biokräutertee, den sie aus großen Schalen trinken; im Hintergrund stehen Kräutertöpfe dekorativ in der offenen Küche herum. Und wenn Ludo dann zu Anna sagt: „Ich liebe dich von der Erde zum Mond und zurück“, möchte man schreien, weil alles so deprimierend schnuffelig ist. Ein Film für alle, die zum Einschlafen „La-Le-Lu“ vorgesungen bekommen.
Johanna Adorján Jahrgang 1971, Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.