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Im Kino: „Twilight“ : Eckzähne in Ekstase

  • -Aktualisiert am

So ist das doch irgendwie griffiger als dieses Online-Dating: Kellan Lutz und Kirsten Stewart kommen einander näher Bild: dapd

Totales Vampirfinale: Edward und Bella sind wieder da - aber zum letzten Mal. Die „Twilight“-Saga ist mit „Breaking Dawn 2“ endlich auch im Kino vorbei.

          Der Preis für den dämlichsten Kindervornamen geht dieses Jahr mal nicht an zugereiste Schwaben in Prenzlauer Berg, sondern an die Familie Cullen. Renesmee heißt der Neuzugang, das klingt wie eine Pflegeserie aus dem Bioladen und passt insofern, als die Cullens die korrektesten Vampire seit Menschengedenken sind.

          Den Werdegang von Edward Cullen (Robert Pattinson) und seiner mittlerweile angetrauten Bella (Kristen Stewart) haben Millionen Teenager mitverfolgt. Die „Twilight“-Reihe erlebt nun, unter der Regie von Bill Condon, ihr wohlverdientes Kinofinale, wobei „verdient“ erst mal finanziell zu verstehen ist: Die vier Filme spielten 1,2 Milliarden Dollar ein.

          Gesteigertes Dämonenselbst

          Renesmee (Mackenzie Foy) ist das Töchterchen von Bella, die mittlerweile auch Vampir geworden ist. Der ennui des Mädchendaseins in einem Kaff irgendwo in der Nähe von Vancouver war einfach unerträglich geworden, der Übertritt in den ontologisch paradoxen Zustand quicklebendigen Verstorbenseins der schlüssige Ausweg. Das neugeborene Kind steht nun im Zentrum eines Kulturkampfs, der wirklich epochal zu nennen ist. Nicht weil das Blockbusterkino sich hier zu irgendwelchen Innovationen aufgeschwungen hätte, sondern weil a) Renesmee extrem schnell wächst und b) die Gestalt nach Reklamemaßstäben digital veredelt wurde.

          Ein zweifacher Clou: erstens, weil ein Balg, das im Monat durchschnittlich drei Lebensjahre altert, in demographisch schwachen Volkswirtschaften eine Traumvorstellung ist. Wie schnell wird so eine Rentenbeiträge zahlen können! Zweitens ist die Idee auch zeitdiagnostisch vollkommen stimmig: Geno- und Phänotyp kommender Generationen werden nur noch mit digitalen Mitteln zu erfassen sein, ihren Look und Habitus beziehen sie aus Algorithmen. Das ist umso erstaunlicher, als die Eltern noch der tierisch-kreatürlichen Sphäre angehören. Wie diese Vampire hasten und hecheln, sausen und schnüffeln! Bella, baff über ihr gesteigertes Dämonenselbst, springt über Baumwipfel und in Canyonschluchten, stellt Extremkletterern nach (die sie verschont) und schnappt sich einen Puma (die Katze muss dran glauben).

          Vampire unter sich: Edward (Robert Pattinson) und seine Bella (Kirsten Stewart)
          Vampire unter sich: Edward (Robert Pattinson) und seine Bella (Kirsten Stewart) : Bild: dpa

          Herannahende Feinde werden grundsätzlich gewittert, und auch der Beischlaf, nach gefühlt ewiger Abstinenz nun endlich gestattet, ist von animalischer Maßlosigkeit. „Wir müssen weder essen noch ausruhen - wann sollen wir jemals aufhören?“, fragt Bella im Negligé, und man versteht sofort: Jahrelanges Vegetieren vor dem Rechner mit Studi VZ, Facebook und Twitter müssen wiedergutgemacht werden.

          Aber Bella und Edward, das ist alte Welt, Vormoderne. Renesmee (nein, nicht die Lotion) gehört die Zukunft, und dass dieses Mädchen nicht mehr via Sprache kommuniziert, versteht sich von selbst. Sie berührt ihr Gegenüber, und schon teilen sich diesem Empfindungen, Gedanken, Bilder mit. Der Mensch als wandelndes Internet und lebender Touchscreen, wer hätte gedacht, dass ausgerechnet in dieser Schmonzette solche Allegorien lauern.

          Auf Seiten der Bösen - das sind die Volturi, sozusagen die CEOs der Vampirwelt, allerdings mit der Ausstattung einer stark der napoleonischen Mode nachhängenden Goth-Band - gibt es auch so eine metasprachliche Zauberfigur: Jane, gespielt von der wunderbaren Dakota Fanning, die vor allem im Finale des Films ein unglaublich attraktives Migränegesicht beisteuert. Jane, beauftragt mit der Vernichtung der Cullens und ihrer Anhänger, kann anderen per Gedankenkraft Schmerz zufügen: Das ist die Inversion der Einsicht, dass in den Datenunfuggewittern der überinformierten Gegenwart das Hirn auch der Sitz der Entfremdung ist.

          Am Ende siegt freilich das Gute. Renesmee morpht sich glücklich in die Pubertät, beschützt wird sie dabei von Werwölfen. Wie die Anstandswauwaus ihr artifizielles Frauchen finden, bleibt offen. Vermutlich zum Heulen.

          Quelle: F.A.Z.

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