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Montag, 13. Februar 2012
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Im Kino: „Twilight“ Bella und der schöne Vampir

16.01.2009 ·  Catherine Hardwicke verfilmt Stephenie Meyers Vampirroman „Twilight“. Die Romanze zwischen dem blässlichen Vampir und der jungen Schönheit kann unfreiwillige Komik nicht ganz vermeiden. Sie bleibt jedoch an Stellen konsequent, an denen das Erfolgsbuch wegschaut.

Von Tilman Spreckelsen
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Muss das sein - der junge Mann mit dem bleichen Gesicht und den wilden Haaren, der im Halbdunkel Kitschphrasen in den Flügel hämmert, die Schöne daneben kauernd und leidenschaftlich zu ihm aufsehend, dann der Blick aus dem Fenster der Villa, wo sich am Himmel buchstäblich etwas zusammenbraut? Natürlich muss das sein, schließlich ist „Twilight - Biss zum Morgengrauen“, Catherine Hardwickes Adaption von Stephenie Meyers Vampirroman, in jeder Einstellung zur Ästhetisierung entschlossen, mag sie auch noch so trivial daherkommen wie in dieser Szene.

Denn so wie Meyer nicht müde wird, den Ursprung ihres millionenfach verkauften Debüts aus einer Art Vision zu erklären, so liest sich auch ihr Buch wie ein kräftig visualisierter Entwurf zur späteren Verfilmung. Wichtiger als die Dialoge ist die immer wieder gleichlautend beschriebene Blässe, durch die Edward, der schöne Vampir, dem Mädchen Bella sofort ins Auge sticht, oder - als Kontrast - das dekorativ miese Wetter in der Kleinstadt, die Autos, der Wald, die Schulcafeteria.

Unersättliche Liebe

Der Rest ist Genre, mal Highschool, mal Grusel, am besten beides, und die nacherzählbare Handlung schnurrt daneben einigermaßen zusammen: Bella, neu in der Stadt, verliebt sich in Edward und entdeckt, dass er ein Vampir ist, allerdings einer, der lieber Tier- als Menschenblut zu sich nimmt. Weil auch er sich in sie verliebt, muss er sie beschützen - nicht nur vor der eigenen, ebenfalls geläuterten, aber darin keineswegs völlig gefestigten Vampirfamilie, sondern auch vor den Nachstellungen der traditionell lebenden auswärtigen Blutsauger.

Was diesem Dracula-Aufguss seinen eigenen Reiz verleiht, ist die Konsequenz, mit der die alte Verbindung von Vampirismus und Erotik nun ausgerechnet als Chiffre für sexuelle Enthaltsamkeit benutzt wird. Edward ist der verantwortungsbewusste Vampir, der nach Bellas Körper dürstet, sich aber doch zurückhält, auch wenn es ihm noch so schwerfällt und Bella ihm den Schwanenhals noch so bereitwillig entgegenreckt. Immerhin ist er der Ältere (innerlich etwa 102, äußerlich ewig siebzehn) und weiß, wie weit die beiden gehen dürfen: „Edward hatte für die körperliche Seite unserer Beziehung sorgfältige Regeln aufgestellt, die mein Überleben gewährleisten sollten. Zwar sah ich ein, dass ein Sicherheitsabstand zwischen meiner Haut und seinen messerscharfen Giftzähnen gewahrt werden musste, doch wenn er mich küsste, vergaß ich solche Nebensächlichkeiten leicht.“ Einmal sagt Bella zu Edward nach einem zarten Kuss: „Ich fände es schön, wenn du mich noch mal küssen würdest“, immerhin sei doch heute ihr Geburtstag. „Du bist heute ja unersättlich“, antwortet er, vermutlich unter dem kichernden Beifall aller „Wahre Liebe wartet“-Aktivisten.

Im Scheitern mutig

Bella, gespielt von Kristen Stewart (Jodie Fosters Filmtochter in „Panic Room“), lässt gern die Wimpern flattern oder schaut, den Mund halb geöffnet, grimmig in die Runde. Man möchte keinen Streit mit ihr haben, und weil sie, einmal entschlossen, ganz sicher durchsetzt, was sie sich vorgenommen hat (also: von Edward gebissen zu werden, damit dem Vampirpärchen eine lange gemeinsame Zukunft beschert sei), hat ihr enthaltsamer Freund ganz schlechte Karten. Tatsächlich - das ist das größte Manko des Films - kann man den von Robert Pattinson gespielten anständigen jungen Mann nicht so recht ernst nehmen, da er in seiner herbeigeschminkten Blässe, mit dem betont roten Mund, den dunklen Augen und haarigen Brauen wie ein Stummfilmdarsteller wirkt, wie überhaupt die Vampire dieses Films unfreiwillig komisch sind. Umgekehrt wird man Hardwickes Werk zugutehalten, dass sie am Ball bleibt, wo Meyer vornehm wegschaut, dass sie den Showdown der verfeindeten Vampire gradlinig zelebriert und auch vor der Vernichtung des erzbösen Blutsaugers die Augen nicht zukneift.

Das Sequel, nach dem zweiten Band von Meyers vierteiliger Saga, wird Hardwicke allerdings nicht mehr inszenieren, trotz des immensen kommerziellen Erfolgs ihres Films in den Vereinigten Staaten. Und das ist schade. Denn der Geschichte, so scheint es, steht Hardwickes konsequenter und auch im Scheitern mutiger Stil besser an als eine noch so werkgetreue Umsetzung des Romans. Dass sich das spannungsvolle Verhältnis zwischen Edward und Bella irgendwann lösen muss, so oder so, liegt auf der Hand. Schließlich wartet auch unter Vampiren wahre Liebe nicht bis in alle Ewigkeit.

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