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Im Kino: „The Loneliest Planet“ Globus, auf dem Hirn balanciert

 ·  Ein junges Paar verspricht sich von einer Georgienreise das sichere Abenteuer. In „The Loneliest Planet“ gibt Regisseurin Julia Loktev ihnen einen Bergführer auf den Weg und viel Unsicherheit.

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© Camino Filmverleih Vergrößern Wenn man das Gras auch mal nach unten wachsen sehen will: zwei Eckpunkte einer Dreiecksgeschichte bei der Durchblutungsübung

Nica und Alex, zwei junge Menschen aus dem Westen, sind in Georgien unterwegs. Sie sehen aus, als gehörten sie zu der Sorte globaler Hipster, die noch in den hintersten Winkeln der Erde genau wissen, wie man die Zugehörigkeit zu einer privilegierten Schicht, der die ganze Welt offensteht, sorgfältig herunterspielt.

Ihre Liebe ist zugleich zärtlich wie praktisch, sie sind ein eingespieltes Paar, und sie sind perfekt ausgerüstet für einen Trek durch einsame Gegenden, den sie sich vorgenommen haben, und von dem Julia Loktev in ihrem Film „The Loneliest Planet“ erzählt. Die Anspielung auf die berühmten Reiseführer für touristisch weniger erschlossene Gegenden ist dabei in mehrfacher Hinsicht Programm.

Denn bei aller Rücksichtnahme auf lokale Gegebenheiten lässt sich doch die prinzipielle Asymmetrie des Reisens niemals aufheben: was für die einen ein Ort des Abenteuers ist, ist für die anderen Alltag, darüber hilft keine noch so intensiv begossene Gastfreundschaft hinweg. Nica (Hani Fürstenberg) und Alex (Gabriel García Bernal) nehmen es mit der „Einsamkeit“ besonders ernst.

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© Camino Filmverleih Vergrößern Ein eingespieltes Paar: Nica (Hani Fürstenberg) und Alex (Gabriel García Bernal) ...

Sie wollen so weit wie möglich hinaus in die unberührte Natur, ein Wagnis, für das sie Dato als Führer gebucht haben, einen unauffällig athletischen Mann in mittleren Jahren, der gelegentlich in gebrochenem Englisch einen Witz erzählt (gespielt wird er von Bidzina Gujabidze, einem bekannten georgischen Bergsteiger, den die Filmemacherin mit exzellentem Sinn für die Nuancen dieser Rolle zum Mitmachen überreden konnte). Auf der Wanderung ist das Paar sich seiner Handlungen plötzlich nicht immer ganz so sicher: Welche Intimität ist möglich, wie viel Kontakt mit dem einheimischen Mann, wie viel sexuelle Spannung auch in einer so exponierten Dreierkonstellation?

Die Beziehung zwischen Nica und Alex wird durch einen Vorfall bei einer Begegnung mit Bergbewohnern, durch eine spontane Geste, die aber weitreichende Implikationen hat, in eine Krise gestürzt, für die aber eigentlich keine Zeit ist, denn das Wetter und die Berge verlangen ihnen alles ab.

Ein Rest von Unbehagen bleibt

Julia Loktev hat vor einigen Jahren mit „Day Night Day Night“ eine ambivalente Parabel über den Terrorismus gedreht, die auch schon durch eine deutliche Vorliebe für implizites Erzählen geprägt war. In „The Loneliest Planet“ entwickelt sie nun ein zivilisationskritisches Kammerspiel in freier Natur, und findet dabei zumeist die richtige Balance zwischen psychologischem (auch kulturellem) Konflikt und elementarer Erfahrung.

Trotzdem bleibt ein Rest von Unbehagen, der wesentlich mit der Rolle von Dato zu tun hat, den Loktev erst spät aus seiner professionellen Reserve kommen lässt, und von dem auch danach immer noch unklar ist, ob sie ihn nur als Katalysator für ein Beziehungsdrama gebraucht, oder ob sich hier tatsächlich etwas Neues ergibt, ein Moment von Authentizität, nach dem viele Menschen auf Reisen (oft vergeblich) suchen. Diese Spannung ist das eigentliche Thema von „The Loneliest Planet“.

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