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Im Kino: „Skyfall“ Die Kälte, die aus dem Spion kam

 ·  Dieses Mal wird’s persönlich: James Bond, langlebiger Weltretter Ihrer Majestät, bekommt nach all den Aufträgen den schwersten. Er soll das Letzte aus sich herausholen - sein Leben.

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© Sony Vergrößern Manches Beweisstück geht unter die Haut: Daniel Craig als James Bond bei der Morgentoilette. Der Film „Skyfall“ startet am 1. November in den deutschen Kinos

Bond rettet die Welt nicht mehr. Er räumt nur noch zu Hause auf. MI6, der Geheimdienst Ihrer Majestät, für den er seit fünfzig Jahren im Kino die Kartoffeln aus dem Feuer holt, mit M. an der Spitze und einer kleinen Armee von Spionen, die fremde Mächte infiltrieren, um tickende Zeitbomben zu entschärfen, bevor uns allen der Globus um die Ohren fliegt, ist heute eine altmodische Institution.

„Ich kann im Pyjama an meinem Laptop noch vor der ersten Tasse Tee mehr Unheil anrichten, als Sie je verhindert haben“, sagt Q., der Quartiermeister des Dienstes (in „Skyfall“ gespielt von Ben Wishaw, der hier aussieht, als wäre er höchstens zwanzig), als er Bond zum ersten Mal trifft. Wenn er recht hat, und einiges spricht dafür, wohin gehört dann Bond? „Skyfall“ gibt darauf keine präzise, eher eine verträumte Antwort, die für einige weitere Filme reichen wird. Daniel Craig hat, heißt es, noch mindestens zwei in der Rolle von James Bond vor sich.

Hier jedenfalls ist er am Anfang einfach da, unscharf, aber gefährlich, ohne Getöse, und dann doch zu spät. Ein Agent ist übel angeschossen worden; vielleicht könnte er ihn noch retten, aber M. entscheidet anders. Bond soll den Täter verfolgen, für Samariterdienst ist keine Zeit. Jeder Agent weiß, darauf läuft es hinaus, und jeder hofft, M. möge in seinem Fall anders entscheiden. Aber Judi Dench, die in „Skyfall“ zum siebten Mal die Rolle von M. spielt, ist allen Gerüchten zum Trotz dann doch nicht die Mutter der Kompanie. Sie hat ein Herz, natürlich, und wahrscheinlich schlägt es für England.

Spektakulär, witzig und brutal

Vor allem aber schlägt es für diesen altmodischen Verein, dem sie vorsteht und der nach dem Tod des Agenten, den Bond nicht verhindern konnte, und einigen weiteren Pannen bei den Ministern in London schwer in Verruf geraten ist. „Zur Hölle mit der Würde“, sagt M. einmal. „Ich habe einen Job zu erledigen.“ Auch darum geht es: dass es für den MI6 in Zukunft noch Jobs zu erledigen geben wird.

Die Verfolgungsjagd, die Bond mit dem Täter aus der ersten Szene aufnimmt, dauert fast eine Viertelstunde - durch Istanbul, den Markt und den großen Basar, im Auto und auf dem Motorrad und schließlich auf dem Dach eines fahrenden Zuges, der einen Bagger und viele Kleinwagen geladen hat und durch einige sehr niedrige Tunnel rast. Es sind spektakuläre Szenen, wie könnte es anders sein, witzig im Detail, brutal im Umgang mit organischem und anorganischem Material, und mit einem Bond-Girl (Naomi Harris), nach dessen Auftritt diese abgeschmackte Gattungsbezeichnung endgültig auf dem Müll landen müsste. Umso mehr, als sie es ist, die Bond schließlich erschießt.

Man kann das verraten, weil der Trailer es zeigt. Der Titelsong, den Adele erfunden hat, heißt „This Is the End“, und wie er klingt, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Bond wird wiederkehren, sonst gäbe es keinen Film, aber in welcher Verfassung? Der Bond, den wir nach seinem vermeintlichen Ableben dann im Vorspann sehen, findet keine Orientierung mehr. Er schießt nach rechts, nach vorne, hinten und nach links, er hat vier Schatten, sein Spiegelbild vervielfacht sich, sein ruheloser Blick findet keinen Halt. Nach Prolog und Titeln verschwindet er erst mal für eine Weile. Und als er wieder auftaucht, offenbar nach einer Zeit voller Sex and Drugs und ein wenig Rock’n’Roll, müssen wir feststellen, der Tod geht selbst an Bond nicht spurlos vorbei.

„Last rat standing“

Was folgt, ist eine Geschichte von Rache, Vertrauen und Verrat. Eine Geschichte, die den gesamten MI6 auslöschen könnte - aber eben nicht Nationen oder die ganze Welt. In „Quantum of Solace“, dem letzten Bond-Film, ging es immerhin noch um die Trinkwasserreserven in Brasilien. In „Skyfall“ geht es um Persönliches. Büroknatsch, aber mit Glamour und den beteiligten Angestellten Daniel Craig, Judi Dench und Javier Bardem in der Rolle des Drahtziehers allen Übels.

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