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Im Kino: „Sieben Leben“ Eine bedrohliche Dosis Tiefsinn

09.01.2009 ·  „Sieben Leben“ von Gabriele Muccino erzählt ein Sühneprojekt: Ben Thomas (Will Smith) versucht als verbissener Außenseiter, den Tod von sieben Menschen wiedergutzumachen - und gerät in eine tendenziell perverse Liebesgeschichte. Eine schwierige Rolle für Will Smith.

Von Bert Rebhandl
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Schuld und Sühne stehen häufig in einem Missverhältnis. Für die Schuld reicht ein Moment der Unbedachtheit, eine Anwandlung, eine falsche Bewegung. Für die Sühne reicht oft ein ganzes Leben nicht. In Gabriele Muccinos Drama „Sieben Leben“ wird deswegen eine Rechnung aufgemacht, deren Teile irgendwo zwischen Transplantationsmedizin und Theologie der Stellvertretung, Helfersyndrom und Zwangsneurose verschwimmen. Ein Haus und eine halbe Leber hat Ben Thomas (Will Smith) schon verschenkt. Nun sucht er nach weiteren Kandidaten für eine gute Tat.

In seinem früheren Leben, dessen Bilder noch gelegentlich durch seinen Kopf geistern, war Ben ein hochbegabter Ingenieur. Er hatte das M.I.T. absolviert, lebte mit seiner Frau in einem schönen Haus am Meer und konnte sich glücklicher nicht schätzen. Von diesem Leben ist Ben Thomas durch einen unbedachten Moment, durch eine falsche Bewegung getrennt (so viel kann man verraten: es ist ein Blackberry im Spiel). Nun ist er ein verbissener Außenseiter, der den Tod von sieben Menschen wiedergutmachen will. Das geht, weil er keine Auferstehung erwirken kann, nur durch eine Verschiebung. So zufällig, wie es die Leute getroffen hat, deren Tod er auf dem Gewissen hat, will er nun auch das Wunder seiner Hilfestellung wirken.

Die grimmige Pointe eines B-Movies

Er gibt sich deswegen als Mann von der Steuerfahndung aus, so kann er sich ein Bild von den Menschen machen, denen er Teile seines Körpers und - wie der Film gleich zu Beginn mit einem starken Effekt mehr als nur andeutet - sich selbst opfern kann. Er kümmert sich dabei nicht um das Gesetz und nicht um den guten Ton, er ist aufdringlich und indiskret, eine wahre Zumutung der Benevolenz. „Sieben Leben“ erzählt leicht verschachtelt, aber ohne großen Suspense davon, wie Ben Thomas dieses Sühneprojekt durchzieht. Er lernt einen blinden Barpianisten (Woody Harrelson) kennen, vor allem aber eine junge, herzkranke Frau namens Emily (Rosario Dawson). In dieser Figur laufen die beiden Fäden der Erzählung zusammen: Organspende und Lebensgewinn gehen hier körperlich und metaphorisch ineinander über. Die Liebesgeschichte geht dabei aber noch weit über die bittersüße Qualität einer befristeten Lovestory hinaus, denn sie wird im Grunde sakramental, dadurch aber auch ein wenig pervers.

„Sieben Leben“ ist die zweite Zusammenarbeit von Will Smith mit Gabriele Muccino nach „Das Streben nach Glück“ (siehe auch Muccinos Film „Das Streben nach Glück“: Generation Praktikum), und wieder versuchen sie sich gemeinsam in sozialem Superheldentum. Die grimmige Pointe, auf die Ben Thomas' persönlicher Kreuzweg hinausläuft, gehört filmgeschichtlich eigentlich in eine andere Kategorie, nämlich in die wilde Phantasie der B-Movies, in der Körperteile sich verselbständigen konnten und jene somatische Plastizität herrschte, die Gabriele Muccino hier unter viel Idealismus mühsam versteckt.

Wie werde ich ein ernsthafter Darsteller?

Es ist, als hätte jemand versucht, in aller Unschuld das erotische Imaginäre des Sadomasochismus mit reiner christlicher Demutsliebe zu versöhnen und auf das alte Talionsprinzip („Auge um Auge, Organ um Organ“) draufzunageln. Mit Darstellern wie Peter Lorre („Mad Love“, 1935) war das noch irgendwie denkbar, mit einem Superstar wie Will Smith bekommt die Sache aber eine angestrengte Note.

Der afroamerikanische Entertainer, der 1991 als „Fresh Prince“ in der Serie „Blossom“ auftauchte und später als der „Prinz von Bel-Air“ für gute Laune sorgte, hat sich schon in vielen Fächern des Schauspiels versucht. Er lebt, wenn man so will, auch als Star mehrere Leben - vielleicht nicht gleich sieben, aber doch drei oder vier. Das leichte Fach liegt ihm eindeutig besser, davon zeugen die beiden Ausgaben von „Men in Black“ oder die erste Hälfte von „Hancock“ (siehe auch Kino: „Hancock“ mit Will Smith). Auch im Science-Fiction-Kino („I, Robot“ siehe Im Kino: „I, Robot“ oder „I am Legend“ siehe Video-Filmkritik: „I Am Legend“ mit Will Smith) hat Will Smith sich inzwischen ein Profil erarbeitet. Das alles erlöst ihn aber nicht aus der typischen Hollywood-Profilneurose, bei deren öffentlicher Therapie wir auch Tom Cruise seit vielen Jahren zusehen müssen: Wie werde ich ein ernsthafter Darsteller? Eher nicht durch einen Film wie „Sieben Leben“, der eine bedrohliche Dosis Tiefsinn enthält.

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