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Im Kino: „Plug and Pray“ Kill Robot!

 ·  Der verstorbene Technikpionier Joseph Weizenbaum warnt postum: Hütet euch vor dem Größenwahn der Maschinenutopisten und Menschenkopierer! Mit seinem Dokumentarfilm „Plug and Pray“ hat ihm der Regisseur Jens Schanze ein Denkmal gesetzt.

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„Man steckt es rein, und es funktioniert - oder manchmal eben auch nicht.“ Ein Computerpionier am Laptop, der König stolpert die Treppe runter. Joseph Weizenbaum wusste wahrscheinlich auch in seinen letzten Lebensmonaten in Berlin nicht, wie tiefgründig und telegen er war, wie schlagfertig und charismatisch er wirkte, wenn er die Kamera für eine Botschaft nutzte, die sein Nachlass an die digitalisierte Welt werden sollte: Hütet euch vor dem Größenwahn der Maschinenutopisten und Menschenkopierer.

Jetzt gibt es das Vermächtnis des Joseph Weizenbaum als Dokumentarfilm, gedreht von Jens Schanze. Dem Bonner Regisseur, der von sich sagt, alles andere als ein Computerfreak zu sein, und der als Forstwissenschaftler bisher vor allem mit ökosozialen Themen reüssiert hat, genügten eine Hör-CD und ein Anruf bei Weizenbaum, um von dieser Idee gefangen zu sein: den kulturpessimistisch gewendeten Technikpionier gegen die gesamte, von fragwürdigen Visionen und nicht zuletzt von Kriegsphantasien getriebene Hightechbranche in Stellung zu bringen.

Die Überwindung des Todes ist noch harmlos

Nacheinander klappern Schanze und sein Team die Forschungsstätten dieser Futuristen in Amerika, Asien und Europa ab. Zuerst allerdings befragen sie Ray Kurzweil, den mit höchsten Auszeichnungen ausgestatteten Unternehmer aus Boston, der wie Weizenbaum am Massachusetts Institute of Technology tätig war. Kurzweils Ideen, den Tod zu überwinden, indem er die Maschinenhaftigkeit des Gehirns auf unvergängliche Apparate überträgt, wirken für sich harmlos. Aber hätte jemand vor ein paar Jahren daran gedacht, dass Google heute autonome Fahrzeuge durch die Welt schickt und intelligente Maschinen die Lebensbausteine zusammenbasteln?

Solche Zukunftsgedanken radikal weiterzudenken, erlaubt Schanze in dem Film allerdings kaum. Das verhindert nicht zuletzt Joseph Weizenbaum. Nach den Einspielungen aus den Hightechlabors wird die Hybris der Futuristen jedes Mal von der Rhetorik des alten Mannes chirurgisch zerlegt. Die Sympathien sind klar verteilt. Bei dem Japaner Hiroshi Ishiguro, der früher Ölbilder malte und sich jetzt als humanoider Roboter haargleich kopiert hat, wird der Narzissmus fast unerträglich. In Giorgio Mettas italienischer Truppe springt bei aller technischer Versiertheit das Infantile der Technikphantasien ins Auge. Und Robocup-Gründer Minoru Asada aus Osaka philosophiert über ein menschengleiches Robotervolk, als müsste der schwächliche Mensch lieber heute als morgen vom Planeten verschwinden.

Der von Krankheit gezeichnete Joseph Weizenbaum aber holt uns immer wieder auf den Boden zurück. Er lässt Wärme spüren, wo scheinbar kalte Innovationswut waltet. Seine letzten Lebensmonate, die mit diesem sorgfältig komponierten Film dokumentiert sind, werden zur Allegorie unerfüllter Technikträume: Weizenbaum war zuletzt von einer Laptop-Sammelwut erfasst. Die Digitaltechnik sollte ihm die Musik Bachs in höchster Vollendung schenken. Doch bevor seine Leidenschaft erfüllt war, musste er jedes Mal quälend lange warten, bis der Apparat hochgefahren war. „Plug and Play“, gar nicht so einfach.

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