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Im Kino: „Paranormal Activity“ Im Bett, da sind die Geister

21.11.2009 ·  Wer schläft, ist schutzlos: Nach den Festival-Triumphen der Low-Budget-Produktion „Paranormal Activity“ riet Steven Spielberg zu einem neuen Ende, das nun den Kreis der Ängste in diesem Horrorfilm so richtig schließt.

Von Bert Rebhandl
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Katie und Micah gehen selten vor Mitternacht ins Bett. Zwei junge weiße Amerikaner, sie studiert, er vermehrt sein Geld als Daytrader. Das Haus in San Diego ist geräumig, es gibt einen Garten mit Pool, unten dicke Ledersofas und einen Flachbildschirm, das Bett steht im Obergeschoss. Gewöhnlicher könnte ein Leben nicht sein, aber Katie und Micah haben ein Problem, das sich nicht leicht definieren lässt.

Sie werden verfolgt. Im Haus scheint es zu spuken, nachts schlägt eine Tür, dann ist ein Flüstern zu hören. Katie kennt diese Phänomene noch aus der Zeit, als sie ein kleines Mädchen war, als das Haus ihrer Eltern abbrannte, als sie zum ersten Mal begriff, dass ihr eine unheimliche Macht auf der Spur ist. Diese Macht ist ihr gefolgt, bis ins Leben mit ihrem Freund Micah. Katie ist eigentlich ganz vernünftig, aber sie weiß, dass sie etwas auf sich zieht: paranormale Aktivität. So werden all die Phänomene bezeichnet, für die es keine vernünftige Erklärung zu geben scheint.

Interessanterweise werden viele dieser Phänomene erst erkennbar, wenn technische Medien zum Einsatz kommen: Die Stimmen aus dem Jenseits, die Geister im Dunkel, die Spannung in der Luft werden erst in der Aufzeichnung deutlich, live lassen sie einem entweder die Haare zu Berge stehen, oder sie werden gar nicht bemerkt. Dass das Fürchten grundsätzlich eine Medienerfahrung geworden ist, hat der junge Regisseur Oren Peli nun mit bemerkenswerter Konsequenz zu Ende gedacht. Sein Gruselfilm „Paranormal Activity“ spielt ganz allein im - Schlafzimmer. Natürlich kennen wir zahlreiche Szenen, in denen Menschen im Schlafzimmer lesen, sich abschminken, streiten oder Sex haben. Aber wir sehen kaum einmal, was sie im Schlafzimmer meistens tun: Sie schlafen. So aber hier.

Spielberg als Schirmherr

Wer schläft, ist schutzlos. Dies macht „Paranormal Activity“ in einer Weise bewusst, die den ungewöhnlichen Erfolg dieser Low-Budget-Produktion erklärt, die erst nach einem Triumphzug durch einschlägige Festivals von einem Studio bemerkt wurde. Nun wird Oren Pelis Debüt in großem Stil vermarktet, Steven Spielberg hat die Schirmherrschaft übernommen, und er hat auch sonst geholfen: Auf seinen Rat hin wurde am Ende noch eine Szene drangehängt, die erst so richtig den Kreis der Ängste schließt.

Der Coup des Films beruht darauf, dass Katie und Micah sich entschließen, ihren Schlaf zu überwachen. Sie stellen eine Videokamera auf, lassen ein kleines Licht brennen und haben von nun an jeden Morgen ein paar Stunden Material auf der Festplatte. Einundzwanzig Nächte dauert diese Erkundung, am Ende bleiben die Bilder, während über das Geschick von Katie und Micah von Beginn an Klarheit herrscht: Sie können zu der Sache nicht mehr befragt werden. Sie hinterlassen, wie in dem in vielerlei Hinsicht verwandten zehn Jahre alten „Blair Witch Project“, nur das Dokument eines Schreckens, dem sie zum Opfer gefallen sein müssen.

Die Generation Youtube

Interessant ist, mit welcher Konsequenz Oren Peli diese Geschichte in sich selbst verschließt. Nur zwei weitere Protagonisten treten in Erscheinung, ein Geisterseher zieht sich bei der zweiten Konsultation mit allen Anzeichen der Panik sofort wieder zurück. Katie und Micah sind auf sich gestellt, und es wirkt schon bald wie eine Überlebensstrategie vor allem des jungen Mannes, dass er ständig, auch während des Tages, die Kamera laufen lässt. Das Leben, das hier noch zu retten wäre, ist nur noch ein „home movie“. So lässt sich „Paranormal Activity“ auch als einer der ersten prägenden Filme der Generation Youtube lesen, nur mit dem Unterschied, dass die privaten Filmchen von Katie und Micah nirgends hochgeladen werden, sondern bei der Polizei landen.

Es spricht vieles dafür, dass Katie das Objekt eines Begehrens ist, das hier nur deswegen als paranormal (und subjektlos) erscheint, weil es in den Konventionen des Horrorfilms ein tatsächliches Begehren vertritt, für das die Elektronisierung des Medialen viele Kanäle geöffnet hat. Der Blick auf fremde Intimität ist zu einem eigenen Genre geworden. „Paranormal Activity“ wäre dann auch so etwas wie eine spielerische Bearbeitung des Verhältnisses von Youtube zu Porntube, und das Grauen käme durch die riesige Bresche, die die digitale Kultur in den Grenzbereich zum privaten Leben geschlagen hat, das nun nicht einmal im Schlaf mehr bei sich sein kann.

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