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Im Kino: „Nebraska“ : Papa, du bist mein Lieblingsmonster

Seltsam durchs Leben irrend: Bruce Dern als Hauptfigur Woody Grant in Alexander Paynes „Nebraska“ Bild: Paramount Pictures

Die Hoffnung auf eine Million Dollar ist schon eine Reise Wert: Der neue Film von Alexander Payne handelt von der skurrilen Fahrt eines alten Mannes in die ödeste amerikanische Provinz.

          Ein Schwarzweißfilm mit einem alten Mann in der Hauptrolle, der dabei ist, sein Gedächtnis zu verlieren, der sein Leben lang zu viel getrunken und seine Murmeln, wie man so sagt, nicht alle beisammen hat, sein unwilliger Sohn, der als Chauffeur dient, eine Autofahrt mit Unterbrechungen bei buckliger Verwandtschaft und neidischen Bekannten, denn der Alte wird bald Millionär – das ist der neue Film von Alexander Payne, der mit „The Descendants“ so überraschende Erfolge feierte. „Nebraska“ heißt der Film auch noch, wie der Staat in der Mitte der Vereinigten Staaten, der Sehnsuchtsort nur für jene ist, die dorther kommen. Wie Payne. Was wir hier sehen, nachdem wir mit den Figuren eine lange Reise über die Straßen Amerikas und durch Land- und Ortschaften äußerster Kargheit hinter uns gebracht haben, sind Gegenden, wie sie auch Jack Nicholson in Paynes Louis-Begley-Verfilmung „About Schmidt“ durchfahren hat – leer, inzwischen verarmt, depressiv.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Woody Grant, Paynes Hauptfigur in „Nebraska“, hat einen guten Grund, sich auf den Weg dorthin zu machen: Er will sich eine Million Dollar abholen, die er in einer Lotterie gewonnen hat. So denkt er jedenfalls und ist nicht davon abzuhalten, dass ein Zettel in seinem Briefkasten, mit seinem Namen an entsprechender Stelle und dem Summer groß in der Mitte, bereits die Gewinnbenachrichtigung ist. Jeder weiß, dies ist Betrug, aber Woody glaubt an sein Glück. Seine Frau (June Squibb) eher nicht. „Ich wusste gar nicht, dass du Millionär werden willst“, das ist ihr Kommentar zu dem bevorstehenden Reichtum, den ihr Mann herbeiphantasiert. Ein prächtiger Satz.

          Bruce Dern und Will Fort als Vater und Sohn

          Bruce Dern spielt diesen Woody Grant fast traumverloren und völlig mit der Rolle verschmolzen. Damit erschafft er eine Figur, die ein wenig rätselhaft bleibt, in ihrem Inneren allein und ohne uns, wie es dem Verlust von Gedächtnis angemessen ist. Auch Will Forte, der seinen Sohn spielt, verärgert, ungeduldig am Anfang, stoisch, als er merkt, er wird seinen Vater nicht von seinem Vorhaben abbringen können, blickt ihn manchmal an mit diesem flehenden Blick, als wollte er den Vater darüber hinwegtrösten, dass dieser im Leben vollkommen versagt hat. Aber er findet keinen Weg zu ihm, was traurig ist, manchmal komisch, fast immer skurril.

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