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Im Kino: „Mullewapp“ Fahrrad fahr'n mit Franz von Hahn

22.07.2009 ·  Seit siebenundzwanzig Jahren schon begeistert Helme Heines Bilderbuch-Klassiker „Mullewapp“ seine kleinen Fans. Jetzt kommt die Geschichte des kultigen Tier-Trios endlich auch ins Kino - trotz graphischer Abstriche ein charmantes Vergnügen.

Von Tilman Spreckelsen
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Ein altes Fahrrad, ein Hahn auf dem Lenker, ein Schwein auf dem einen Pedal, eine Maus auf dem anderen - diese Szene hat in vielen Kinderzimmern eine ikonenhafte Bedeutung. Franz von Hahn, Johnny Mauser und das dicke Schwein Waldemar stammen aus der Zeichenfeder von Helme Heine, und seit sie vor siebenundzwanzig Jahren zum erstenmal in Heines Bestseller „Freunde“ auftraten, gehören sie zu den bekanntesten deutschen Kinderbuchprotagonisten. Sie leben gemeinsam auf dem winzigen Hof Mullewapp, wo die Menschen hinter die Kulissen verbannt sind, kleine Dramen wie vertauschte Hühnereier oder Flohbefall mit großer Ernsthaftigkeit ausgestanden werden und die Freundschaft der drei zu den gefährdeten, nie aber ernstlich bedrohten Konstanten gehört.

Die Szene auf dem Fahrrad ist in diesem Kosmos nicht irgendeine, sondern sie verdichtet, worum es Heine mit diesem Buch geht: Allein könnte keines der Tiere das Fahrrad steuern, gemeinsam schon, auch wenn man sich fragt, wie sich das Schwein auf dem einen Pedal und die leichtgewichtige Maus auf dem anderen ausbalancieren.

Fortsetzung statt Neuauflage

Nun startet ein Trickfilm nach dem Buch, und klugerweise hat sich Regisseur Tony Loeser gehütet, eine oder mehrere der bekannten Episoden in einem Film von immerhin siebenundsiebzig Minuten auszuwalzen. Entstanden ist stattdessen eine Fortsetzung, die von der Ankunft Johnny Mausers auf dem Hof berichtet: Dass sich die Tiere am Anfang gar nicht grün sind, liegt der Dramaturgie halber auf der Hand; Johnny Mauser ist am Anfang ganz Einzelgänger. Wie sehr Mullewapp aber schon jetzt der spätere Mikrokosmos ist, betont der Film sehr schön, indem er das eingezäunte Gelände als steilen Buckel in die Landschaft setzt.

Im Film, der sich an Zuschauer im fortgeschrittenen Kindergarten- und frühen Grundschulalter richtet, finden sich nette Ideen: Franz von Hahn kaschiert erfolglose Flugversuche für die flugbegierigen Küken hinter ausgedehnten Schulstunden zur Theorie des Fliegens und schafft diese Kunst später doch noch und sogar unter buchstäblich erschwerten Bedingungen - das ist eine schöne Pointe des Films. Da ist ferner ein kleines Schaf namens Wolke als Kinder-Identifikationsfigur; der alte Schattentrick aus Axel Schefflers „Grüffelo-Kind“ kommt ebenso zu neuen Ehren wie das später so berühmte Fahrrad, das hier noch kopfüber stehend als Lichtquelle beim Schattenrisskinoabend genutzt wird, bei dem Johnny Mauser das Piratenstück „Long John Mauser“ vorführt - die vier Küken jedenfalls spielen das Abenteuer sofort nach.

Geschichten mit Eigenleben

Nicht zuletzt davon handelt der Film: wie eine Geschichte, wird sie nur lebhaft genug erzählt, ein Eigenleben entfalten kann, wie die Vorstellung vom Fliegen einen irgendwann tatsächlich in die Lüfte hebt, und wie sich aus dem allmählichen Umgang mit einem Mal echtes Heldentum entwickelt. Am Ende werden die Freunde gelernt haben, wie man das Fahrrad benutzt, sie wissen auch, dass man in einem löcherigen Kahn immer ein Schwein mit sich führen sollte, das durch seine Physis das Loch verstopft, sie werden ihrem Begräbnis beigewohnt und nebenbei den bösen Wolf aus ihrer Welt vertrieben haben.

Verschmerzen lässt sich, dass die Figuren allesamt etwas knolliger, klarer konturiert und weniger schimmernd geworden sind als im Buch. Immerhin sind die Hintergründe so schön verwaschen wie in der Vorlage. Und selten kam eine deutsche Bilderbuchverfilmung dem Geist des Vorbilds so nahe wie diese.

Mullewapp - Das große Kinoabeteuer der Freunde, ab 23. Juli 2009 im Kino

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1967, Redakteur im Wissenschaftsressort der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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