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Im Kino: „LOL - Laughing out loud“ Die Fete geht weiter

14.09.2009 ·  Als Schülerin in Liebesnöten gab Sophie Marceau 1980 ihr fulminantes Spielfilm-Debüt. Fast drei Jahrzehnte später wandelt sie in „LOL“ auf den Spuren ihrer eigenen Rollengeschichte. Das Ergebnis ist spritzig, lebensnah - und durch und durch französisch.

Von Christian Heger
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Wenn der europäische Teenager-Film der achtziger Jahre ein Gesicht hat, dann ist es das von Sophie Marceau. Dreizehn Jahre war sie alt, als sie mit ihrer ersten Filmrolle in Claude Pinoteaus „La Boum“ (1980) für Begeisterungsstürme bei ihren Altersgenossen sorgte - ein Kult-Phänomen, das man heute wohl nur noch nachvollziehen kann, wenn man damals live dabei war: Jenseits der nostalgischen Verklärung wirkt die Geschichte der Schülerin Vic, die sich mit denkwürdiger Topflappenfrisur durch die Wirrungen des pubertären Liebesschmerzes kämpft, tatsächlich reichlich kitschig bis sentimental. Am Status des Films als Klassiker des Genres, der gleichfalls auch der Fortsetzung „La Boum 2“ und dem inoffiziellen Ableger „Die Studentin“ (1988) zuteil wurde, hat das Befremden der Nachgeborenen freilich nur wenig ändern können. Richard Sandersons Titelsong „Reality“ wurde zur Hymne der Stehblues-Tänzer, der Walkman zum jugendlichen Statussymbol - und Sophie Marceau zum vielversprechenden schauspielerischen Nachwuchsstar.

Das alles ist inzwischen lange her. Die Jugend hat sich gewandelt und aus ihrem einst frenetisch umjubelten Leinwand-Idol ist im Laufe der Jahre eine international gefeierte grande dame des französischen Kinos geworden. Trotz „Braveheart“ (1996) und „Die Welt ist nicht genug“ (1999) hat Marceau das Image ihres Debüt nie ganz losgelassen - wie könnte es auch, in einem Berufsstand, der den Wert des einzelnen nach der Zugkraft seiner großen Erfolge bemisst. Der Film, der sich diesen Umstand nun zunutze machen will, heißt „LOL - Laughing out loud“, inszeniert von Lisa Azuelos, und knüpft nahtlos an die alte Geschichte an. Sicher: Marceau heißt jetzt nicht mehr Vic, sondern Ann, aber ansonsten ist das Szenario denkbar vertraut, passfertig zugeschnitten auf das kollektive cineastische Gedächtnis. Das Rezept ist bekannt: So wie schon Harrison Ford, eine andere Ikone der achtziger Jahre, jüngst noch einmal als Indiana Jones reaktiviert wurde, spielt auch Marceau nun eine gealterte, reifere Variante ihres alten Selbst. Und wie der Held mit der Peitsche hat auch sie diesmal den Nachwuchs an der Seite, der sie an die unumstößliche Tatsache erinnert, dass auch Ikonen nicht auf ewig vom Alter verschont bleiben.

Eine entwaffnend unbefangene Sinnlichkeit

Die Abkürzung „LOL“ steht im jugendlichen Chat-Jargon bekanntlich für lautstarkes Gelächter, doch im Film ist er auch der Spitzname von Anns Tochter Lola (Christa Theret), die den Staffelstab des Teen-Protests in die nächste Generation hinüber rettet. Statt der Walkmen und Wahlscheiben-Telefone der achtziger Jahre dominieren nun Laptops und Handys die mediale Welt des Coming-of-Age, ansonsten aber sind die Probleme im Grunde die gleichen: Lola ist fünfzehn Jahre alt und hat Streit mit ihrem Freund Arthur (Félix Moati), der sie mit einer anderen betrogen hat, kurz darauf verliebt sie sich in den sensiblen Musiker Maëll (Jérémy Kapone), es kommt zu Missverständnissen, Zoff, einer amourenreichen Klassenfahrt nach England und der unvermeidlichen Wiederversöhnung. Das übliche Programm einer Mädchenromanze, könnte man also meinen, wäre da nicht der amüsante dramaturgische Kniff der Verdopplung, der die Eltern-Fraktion wie schon in „La Boum“ zum Spiegelbild der Sorgen, Wünsche und Nöte ihrer Kinder macht.

Lolas Mutter ist geschieden und mit der Erziehung ihrer Tochter zuweilen überfordert, von ihrem Ex-Mann Alain (Alexandre Astier) kommt die Joint rauchende Architektin nicht los und zu allem Überdruss verliert sie ihr Herz dann auch noch ausgerechnet an einen Rauschgiftfahnder (Jocelyn Quivrin). Selbst mit allerhand emotionalem Ballast befrachtet, ist Anne für Lola weniger Mutter denn Freundin, wobei sich beider Ebenbürtigkeit vor allem darin zeigt, dass sie einander nach jedem Streit SMS-Einladungen zum Kuscheln senden. Marceau ist wie geschaffen für ihren Part, sie meistert ihn mit bezaubernder Verletzlichkeit. Etwas Unsicheres, Verspieltes und Unerwachsenes liegt in ihren Bewegungen und Gesichtszügen - und gleichzeitig jene entwaffnend unbefangene Sinnlichkeit, auf die das französische Kino ein Monopol zu haben scheint: Mutter und pubertierende Tochter gemeinsam in der Badewanne, im Disput über die weibliche Intimrasur - eine solche Szene sucht man anderswo wohl vergebens.

Nah am Zeitgeist

Tatsächlich liegt der große Charme von Lisa Azuelos Komödie im völlig unverkrampften Umgang mit der jugendlichen Themenagenda, der sich von der lebensfernen Märchenromantik des moralischen Zeigefingers ebenso wohltuend abhebt wie vom prüden Fäkal- und Sexualhumor vieler amerikanischen Genre-Vorläufer. Angesichts dessen lässt sich der Rückfall ins Klischee, der sich innerhalb von Lolas Freundeskreis bemerkbar macht, leicht verschmerzen: Gewiss - auch hier gibt es sie wieder, die Archetypen des Teenie-Films, von der Zynikerin bis zur nymphomanischen Blondine und vom sensiblen Beau bis zum Macho, doch man sieht wohlgesonnen darüber hinweg. Die Dialoge sind spritzig, die Handlung nah am Zeitgeist und der Humor treffsicher, wenn auch nicht immer politisch korrekt.

Alles in allem ist „LOL“ eine bunte Mischung aus „Die wilden Hühner“ und „American Pie“ - ein vergnüglicher Schauspielerfilm, getragen von überzeugenden Jungdarsteller-Riege und einer hinreißenden Sophie Marceau. Dank ihr ist man schließlich geneigt zu glauben, dass „La Boum“ doch gar kein so schlechter Film gewesen sein kann.

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