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Im Kino: „Killshot“ : Die Killer kommen zweimal

  • -Aktualisiert am

Mit den Drehbuchvorlagen zu „Get Shorty“ oder „Jackie Brown“ feierte Hollywood-Veteran Elmore Leonard in den Neunzigern ein grandioses Comeback. Im seinem neuen Film „Killshot“ spielt Mickey Rourke einen alternden Auftragskiller, der Jagd auf unliebsame Zeugen macht.

          Elmore Leonard, den seine Freunde Dutch nennen, ist mittlerweile vierundachtzig Jahre alt und hat schon Mitte der Fünfziger die Vorlagen für die Western „The Tall T“ und „3:10 to Yuma“ geliefert. Richtig populär wurde er dann in den Neunzigern, als Barry Sonnenfelds „Get Shorty“, Steven Soderberghs „Out of Sight“ und Quentin Tarantinos „Jackie Brown“ ins Kino kamen. Und Letzterer war es auch, der den Weinstein-Brüdern den Roman „Killshot“ ans Herz legte: die Geschichte eines Mafia-Killers und eines Ehepaars, deren Wege sich durch einen dummen Zufall kreuzen.

          Das allein klingt noch nicht sonderlich originell, doch bei Leonard fußen die gewalttätigen Verwicklungen auf eine Art im wirklichen Leben, dass man tatsächlich nie den Eindruck hat, es würden nur Genremuster bedient, sondern als würde endlich mal überprüft, was eigentlich passiert, wenn das, was man tausendfach aus dem Kino kennt, auf das trifft, was man Leben nennt. Idealerweise wird dieses Gefühl dann auch in die Verfilmungen hinübergerettet, wenn man in „Jackie Brown“ erlebt, wie Pam Grier als Amateurin einen Waffenschmuggler und die Bullen gegeneinander ausspielt, oder in „Get Shorty“ dem Kleinganoven-Großmaul Travolta dabei zusieht, wie er versucht, in der Filmwelt groß herauszukommen.

          Gespür für Landschaften und Räume

          John Travolta war auch ursprünglich für „Killshot“ vorgesehen, aber nach einigem Hin und Her besetzte man Mickey Rourke als indianisches Halbblut, das für die Toronto-Mafia Aufträge ausführt. Das war allerdings schon im Jahr 2005, also lange vor Rourkes Comeback in „The Wrestler“ – aber was eigentlich dazu geführt hat, dass dieser Film fast vier Jahre auf Eis lag, ehe er im Januar mit ein paar Kopien in Arizona und nun bei uns gestartet wurde, gehört zu den Sonderheiten der Filmbranche im Allgemeinen und der Weinstein-Brüder im Besonderen. Die Testvorführungen sollen katastrophal gewesen sein, es wurde nachgedreht und umgeschnitten, und die Rolle von Johnny Knoxville als korrupter Polizist fiel ganz der Schere zum Opfer.

          Skurriles Killer-Gespann: Blackbird (Mickey Rourke, r.) und Richie Nix (Joseph Gordon-Levitt) stecken im Schlamassel
          Skurriles Killer-Gespann: Blackbird (Mickey Rourke, r.) und Richie Nix (Joseph Gordon-Levitt) stecken im Schlamassel : Bild: ddp

          Nun könnte man sagen, dass womöglich ein englischer Regisseur wie John Madden, der „Shakespeare in Love“ und „Captain Corellis Mandoline“ gemacht hat, nicht unbedingt der geeignete Mann für einen Elmore-Leonard-Stoff ist, aber der Verfilmung sieht man das nicht an. Im Gegenteil, sie hat ein unheimliches Gespür für die Landschaften und Räume, in denen sich die Figuren bewegen, und für die spezielle Lakonie der Dialoge, die immer ein bisschen besser als im wirklichen Leben, aber nie gedrechselt klingen. Einer der Höhepunkte ist dabei schon die erste Szene, in der Mickey Rourke, der den schönen Namen Blackbird trägt, auf sein Opfer Hal Holbrook trifft, der sein Schicksal stoisch akzeptiert. Wie der alte Haudegen Holbrook und der vom Leben mindestens genauso gezeichnete jüngere Rourke diese Situation auskosten, wenn plötzlich jedes Augenzwinkern zählt, ist schon die Schau.

          Trennung im Zeugenschutzprogramm

          In der Folge entwickelt Rourke wider besseres Wissen brüderliche Gefühle für einen jungen Psychopathen (Joseph Gordon-Levitt), der sich partout als Verbrecher beweisen und einen Immobilienmakler erpressen will. In dessen Agentur begegnen die beiden jedoch einer Maklerin (Diane Lane) und ihrem Mann (Thomas Jane) – und alles geht fürchterlich schief. Dass das Paar, das eigentlich gerade in Trennung lebt, in der Folge im Zeugenschutzprogramm eine glückliche Beziehung mimen muss, gehört zu jenen Feinheiten, die Elmore Leonard schon immer ausgezeichnet haben. Und John Madden erweist sich dafür durchaus als der richtige Mann.

          Quelle: F.A.Z.

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