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Im Kino: Disneys „Bolt“ Der knabbert Eisenträger wie Keks

26.01.2009 ·  Das neueste Animationswerk des Disney-Studios erzählt von dem Superhund „Bolt“, der ohne sein Wissen Star einer Fernsehserie ist - und plötzlich in der realen Welt sein Auskommen suchen muss. Der Film macht Spaß, sieht toll aus und trägt ganz die Handschrift der Pixar-Animationsstudios.

Von Andreas Platthaus
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Das soll ein Disney-Film sein? Dieses perfekt im Computer animierte Werk mit der subtilen Ironie und den medienkritischen Seitenhieben? Wenn das Walt Disney noch erlebt hätte, wäre er aus dem Staunen über die technische Qualität nicht herausgekommen. Über die Selbstbezüglichkeit hätte er den Kopf geschüttelt.

Es sind andere Zeiten. Das neueste Animationswerk des Disney-Studios erzählt von einem Hund, der ohne sein Wissen Star einer Fernsehserie ist. Bolt hält alles, was ihm widerfährt, für echt, und ihm dräut so manches. Denn sein junges Fernsehfrauchen Penny hat einen bedeutenden Wissenschaftler zum Vater, den ein grünäugiger Verbrecher entführt hat, um mit seiner Hilfe die Weltherrschaft zu erringen. Und dieser Bösewicht hat Mittel und Wege, die Rettungsmission des Mädchens und ihres Haustiers zu erschweren. Doch der kleine Bolt verfügt über ungewöhnliche Kräfte: Laseraugen, Turbobeller, Zähne, mit denen er Eisenträger knabbert wie Kekse, und nicht zuletzt einen Körperbau, der ihn durch Wände gehen lässt, als wären sie aus Papier. Mit einem Wort: Bolt ist ein Superhund.

Action und Elegie

So weit also die Handlung der fiktiven Fernsehserie „Bolt“. Der Film „Bolt“ erzählt nun davon, wie der tierische Hauptdarsteller eines Tages aus Versehen vom Studiogelände in Los Angeles nach New York verschickt wird. Dort auf der Straße sorgt keine Special-Effects-Abteilung mehr dafür, dass ihm alles gelingt. Plötzlich ist Bolt ein Durchschnittshund, doch das will er selbst nicht wahrhaben. Um nach Kalifornien zurückzukehren, versichert er sich der unfreiwilligen Hilfe einer Straßenkatze namens Mittens und der durchaus freiwilligen Unterstützung des fetten und verweichlichten Hamsters Dino. Der glaubt als eifriger Fernsehzuschauer an Bolts überhündische Fähigkeiten, Mittens dagegen durchschaut die Illusion sofort.

Bis sich aus dieser Trio-Konstellation und der Reise quer durch die Vereinigten Staaten etliche Glanzlichter des Slapsticks entwickeln, beginnt „Bolt“ erst einmal als Film im Film mit einer Episode der Fernsehserie. Da greifen die beiden vierzigjährigen Regiedebütanten Byron Howard und Chris Williams tief in die Trickkiste und zaubern ein Actionspektakel auf die Leinwand, das ganz auf Tempo setzt. Es ist pures Klischee von Computeranimation, was hier vorgeführt wird, und natürlich wird später, wenn sich die Handlung ins wahre Leben verlagert, alles viel ruhiger, bisweilen gar elegisch. Dafür gewinnen dann die Figuren an Profil.

Die Handschrift von Pixar

Und da kommt die Handschrift von John Lasseter ins Spiel, einem Genie der Persönlichkeitsanimation, das sogar Autos zu Akteuren machen kann, deren Gefühle wir teilen. Lasseter ist der Kopf des vor drei Jahren von Disney gekauften Pixar-Animationsstudios und mittlerweile auch verantwortlich für die gesamte Trickfilmproduktion des Konzerns und für die Vergnügungsparks. Seine erste Amtshandlung bestand darin, die erst kurz zuvor mit vielen Krokodilstränen beerdigte Abteilung für klassische zweidimensionale Animation bei Disney wieder neu zu gründen. Schließlich beherrscht niemand Computertrickfilme so virtuos wie Pixar, warum also sollte man sich im eigenen Haus Konkurrenz machen?

„Bolt“ war aber 2006 schon in Produktion, als Computeranimation, und Lasseters Meinung nach lief einiges falsch. Doch ändern ließ sich am Konzept nichts mehr, und so machte Lasseter einen Film nach Pixar-Rezept daraus. Er macht Spaß, sieht toll aus, aber was ist daran noch Disney? Außer dem neuen Vorspann natürlich, der einen Pinsel zeigt, der die frühesten Bilder der Micky Maus hintuscht - die berühmteste Szene des Trickfilms überhaupt. Ein Anspruch auf Tradition aber, den „Bolt“ nicht einlöst.

Dafür ist er der erste Disney-Film, der für dreidimensionale Projektion konzipiert ist. In Deutschland gibt es aber nur ein rundes Dutzend Kinos, die ihn so zeigen können. Zweidimensional ist das Ganze zwar auch virtuos gestaltet, aber den vollen Zauber müsste man doch am Original überprüfen.

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Jahrgang 1966, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Bilder und Zeiten“.

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