19.01.2010 · Mit einer Begegnung zweier junger Menschen in Kambodscha, die noch Prostitution und schon Schicksal ist, beginnt Detlev Bucks neuer Film nach einem Tatsachenbericht. Die beiden verlieben sich. Dann kommt heraus, dass die junge Frau Aids hat. Die Probleme beginnen, auch für Bucks Film.
Von Bert RebhandlIn einem Club in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh sind alle high. Sie sind zugedröhnt von Drogen, Blicken, Rhythmen, Körpern. Alles ist ein einziges Angebot zur Transgression, nur der junge Ben trinkt Wasser. Er hält sich auf Distanz, ein Beobachter unter Weggetretenen. Während er so an der Bar lehnt und in die Menge starrt, tritt ein Mädchen an ihn heran und legt den Kopf auf seine Schulter. Eine zarte Geste mitten im Lärm und doch ein eindeutiges Angebot. Ben, der Deutsche, und Sreykeo, die Kambodschanerin, verbringen die Nacht miteinander. Am nächsten Morgen borgt sie sich sein Hemd aus, weil sie nicht im leichten Kleid nach Hause gehen möchte. Und sie bittet Ben um Geld für ihre Familie.
So beginnt in Detlev Bucks Film „Same Same But Different“ die Geschichte zwischen Ben (David Kross) und Sreykeo (Apinya Sakuljaroensuk) - mit einer Begegnung, die noch Prostitution und schon Schicksal ist, mit käuflicher Liebe, die sich gleich in ewigliche verwandelt. Ben und Sreykeo werden ein Paar, anfangs noch ganz nach den Konventionen, die zwischen europäischen Männern und asiatischen Frauen oft gelten. Er gibt Geld, sie gibt sich anschmiegsam. Er fliegt nach Hause, sie wartet auf sein Geld. Sie bleiben über das Internettelefon in Verbindung, und eines Tages wird die Freude auf das nächste Wiedersehen entscheidend getrübt. Denn Sreykeo war beim Arzt: Sie hat das Aids-Virus, sie ist HIV-positiv.
Betont leuchtende Szenen
Das ändert natürlich alles, vor allem deswegen, weil sich dadurch nichts ändern soll: Liebe ist Liebe, Umstände sind Umstände, und in der Moderne siegen nicht mehr automatisch die Umstände. „Same Same But Different“ beruht auf dem Bericht, den der junge Journalist Benjamin Prüfer von seinen Erlebnissen gegeben hat: „Wohin du auch gehst - Die Geschichte einer fast unmöglichen Liebe“ trägt diesen Untertitel zu Recht, denn tatsächlich sprach fast alles gegen ein glückliches Ende für dieses Paar, das inzwischen trotz der Infektion der Mutter sogar ein gesundes Kind hat.
Detlev Buck und seine Koautoren Ruth Toma und Michael Ostrowski aber müssen bei ihrer Adaption eine ganze Menge Probleme lösen, die das Buch mit der Unbefangenheit eines subjektiven Texts wie von selbst löst: Das innere Leben muss im Kino immer eine Außenseite haben, Entscheidungen müssen stärker aus einem Kontext heraus getroffen werden, die Verzauberung der Liebe muss sich im Bild erst durchsetzen. Und so zerfällt „Same Same But Different“ sehr schnell in Momentaufnahmen, die immer wieder an den Rand der Karikatur geraten - vor allem die Szenen in Deutschland, wohin Ben zwischendurch mehrmals zurückkehren muss, wirken seltsam entstellt im Gegensatz zu den betont leuchtenden Szenen von einem Landbesuch Bens bei Sreykeos Familie in Kambodscha.
Die eindringlichen Gegensätze, mit denen Buck arbeitet, laufen auf einen Zustand hinaus, der die Liebe zwischen Ben und Sreykeo aus allen Kontexten löst: Sie ist „lost in translation“, ein Wunder, das sich gegen die allgemeine Zudröhnung durchsetzt. Sie ist ein Stück Glück in einem Film ohne eigentliche Welt. Sie ist damit selbst ein wenig leer.