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Im Kino: Ben Afflecks „Argo“ : Hollywood macht Geschichte

Unter den Augen des Ajatollahs: Wenn man diesem Amerikaner glaubt, er sei ein kanadischer Filmproduzent, wird die Flucht gelingen. Ben Affleck als C.I.A.-Agent Bild: Warner

Seit fast zwanzig Jahren lag dieser unglaubliche Stoff, unbeachtet von Hollywood, auf der Straße. Jetzt hat ihn sich Ben Affleck geschnappt. „Argo“ erzählt, wie die C.I.A. einmal einen falschen Film drehte.

          Hat Groucho Marx tatsächlich gesagt, Geschichte wiederhole sich, erst als Farce, dann als Tragödie? Und was heißt das, wenn es darum geht, sechs in der Wohnung des kanadischen Botschafters gestrandete Angestellte des amerikanischen Außenministeriums aus Teheran nach Hause zu bringen, im Winter 1979?

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Das Zitat stammt vom anderen Marx und geht andersherum, aber der Hollywood-Produzent (herrlich lässig, abgeklärt und spielverliebt: Alan Arkin), dem es einfällt, weiß dennoch, wovon er spricht. Und Ben Affleck, in dessen Film „Argo“ all dies stattfindet, hat aus einer Farce, die inmitten einer Tragödie Geschichte schrieb, einen Politthriller gemacht - in den besten Augenblicken erinnert er daran, dass dies einmal eines der spannendsten Genres der Siebziger war, und er verneigt sich deutlich vor Sydney Pollack und dessen „Die Tage des Condors“.

          Zuflucht in kanadischer Botschaft

          Es ist eine wahre Geschichte, die „Argo“ erzählt, unglaublich, schrill, aus den Archiven der C.I.A. schon vor fast zwanzig Jahren freigegeben. Aber erst jetzt griff Hollywood zu. Das ist verblüffend, denn die Geschichte hat alles, was der Mainstream liebt: Spannung im Großen und Gefühlsverwirrungen im Kleinen, Tempo, Witz und jenes Maß an Unglaublichkeit, das aus einer wahren Geschichte erst einen vernünftigen Kinofilm macht.

          Am Anfang sehen wir Szenen, die keine Dokumentaraufnahmen sind, aber täuschend wie solche aussehen. Eine wütende Menge stürmt die amerikanische Botschaft in Teheran, Schilder mit Chomeini-Bildern werden in die Luft gestoßen, der Schah und seine amerikanischen Freunde verflucht. Es ist der 4. November 1979, und was folgt, ist unter dem Titel „Iranische Geiselkrise“ in die Geschichte eingegangen. Zweiundfünfzig Amerikaner wurden für 444 Tage in der Botschaft in Geiselhaft gehalten. Doch fünf Angestellte des Außenministeriums (ein sechster kam später hinzu) konnten sich aus der Botschaft schleichen und im Haus des kanadischen Botschafters Unterschlupf finden.

          Selbstironie und tiefe Wahrheit

          Wie bringt man sie von dort nach Hause? Das ist die Frage, die der Mann der C.I.A. für solche Fälle, Tony Mendez (zurückgenommen bis zum Verblassen: Ben Affleck), lösen muss. Nachdem der Vorschlag seines Vorgesetzten, die Leute als Lehrer zu verkleiden oder auf dem Fahrrad durch die verschneiten Berge in die Türkei radeln zu lassen, verworfen wurden, blieb von den unbrauchbaren Ideen die verrückteste übrig: die sechs Amerikaner als kanadisches Filmteam auszugeben, das in Iran einen Film vorbereitet.

          Wie der C.I.A.-Mann in Hollywood Verbündete findet, nämlich jenen Produzenten, der alles schon gesehen und gemacht hat, außer die Produktion eines Films vorzutäuschen, und einen Make-up-Spezialisten (umwerfend: John Goodman), der für eine Art persisches Science-Fiction- „Tron“ die Figuren modellieren soll, wie der falsche Film besetzt wird, die ganze Preproduction in Gang kommt, wie öffentliche Drehbuchlesungen veranstaltet werden, das ist von hoher Komik, Selbstironie und tiefer Wahrheit. Lügen ist ihr Geschäft, das wissen der Produzent, der Make-up-Künstler, der C.I.A.-Mann.

          Das ist eine gute Voraussetzung für diese geheime Befreiungsaktion, bei der, auch dies erstaunlich, damals niemand zu Schaden kam. Das Ganze muss derartig wie am Schnürchen geklappt haben, dass Affleck am Ende den Boden der Tatsachen verlässt und noch mal Spannung ins Spiel bringt, wozu die Karikatur-Iraner, die revolutionär die Zähne fletschen, eigentlich gar nicht nötig gewesen wären. Wenn man nicht höllisch aufpasst, landet man in Hollywood schnell wieder bei den Klischees.

          Affleck jedenfalls, dessen dritter Film als Regisseur dies ist, weiß, wie Hollywood funktioniert. Er wusste es immer schon. Sein erster Kurzfilm von 1993 hieß: „I Killed My Lesbian Wife, Hung Her on a Meat Hook, and Now I Have a Three-Picture Deal at Disney“.

          Quelle: F.A.Z.

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