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Im Gespräch: Steven Soderbergh Wie erklärt sich ein Kinoflop, Mr Soderbergh?

Am Spätnachmittag in einem Berliner Luxushotel strahlt Steven Soderbergh die gleiche professionelle Ruhe aus wie alle seine Filme seit seinem Debüt „Sex, Lügen und Video“. Aber das täuscht. Steven Soderbergh über seine Tops und Flops in Hollywood.

© Burkhard Neie Vergrößern Steven Soderbergh: „Ich bin allerdings frustriert, wenn ich Filme von Leuten sehe, die überhaupt nichts wissen und gesehen haben“

Wir haben uns ganz am Anfang Ihrer Karriere schon einmal zu einem Gespräch getroffen...

Andreas  Kilb Folgen:    

Das Vier-Stunden-Interview? Das war lustig.

Damals wollten Sie so etwas wie der Jean-Luc Godard von Hollywood werden. Mittlerweile sind Sie eher das, was Howard Hawks in den vierziger und fünfziger Jahren war: ein Hollywood-Routinier.

Ich glaube nicht, dass mich die Leute in Hollywood so sehen. Sie sehen mich als eine Art Godard. Und das ist das Problem.

Von Deutschland aus betrachtet, wirken Sie wie ein Insider der Filmindustrie, einer, der genau weiß, wie man mit den Möglichkeiten des Systems spielt.

Natürlich muss man dieses Spiel beherrschen, wenn man sich eine gewisse Freiheit bewahren will. Aber es gibt immer noch Leute, die ich nervös mache. Andauernd sagen Leute „nein“ zu mir. Bei „Moneyball“ wurde ich gefeuert, bei meinem nächsten Projekt „The Man from U.N.C.L.E.“ freundlich zur Seite gedrängt. Scheinbar ging es um eine Frage des Budgets, aber ich glaube, was die Studioleute an mir nervös macht, ist, dass mich Geld nicht interessiert. Sie geben lieber Unsummen aus, um dich kontrollieren zu können.

Wenn man sich den kommerziellen Erfolg Ihrer drei „Ocean“-Filme anschaut, müssten Sie doch für die Studios eine sichere Bank sein?

„Contagion“ hat sechzig Millionen Dollar gekostet, in Amerika 75 und international 65 Millionen Dollar eingespielt. Das sind 140 Millionen, davon bekommt das Studio siebzig. Aber es hat fünfzig Millionen für die Werbekampagne ausgegeben. Das macht vierzig Millionen Verlust. Es gab eine Zeit, vor zehn Jahren ungefähr, als man das mit DVD- und Fernsehverkäufen ausgleichen konnte. Heute nicht mehr. Immerhin wirft mir niemand vor, dass „Contagion“ in den Miesen ist, schließlich war es kein Flop. Ganz im Gegensatz zu „Haywire“, dem Film, wegen dessen wir hier sitzen.

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„Haywire“ war in Amerika ein Misserfolg?

Ein Flop. Die Reaktionen der Zuschauer kann man letztlich so zusammenfassen: Was immer ihr da gemacht habt, Leute, mögen wir nicht. Wir mögen etwas anderes. Das ist die Botschaft. Und dann fängst du wirklich an, dich zu fragen: Liege ich vielleicht völlig daneben mit dem, was ich mache? Wollen die Leute etwas ganz anderes sehen? Ich denke, in Europa wird der Film besser laufen, in England hat er schon ganz gute Zahlen gehabt.

Betrachten Sie sich immer noch als ein Bollwerk des unabhängigen Kinos in Hollywood?

Das kommt darauf an, wie man „unabhängig“ definiert. Steven Spielberg ist seit 1975 unabhängiger Filmemacher. Es geht um Kontrolle, nicht darum, woher das Geld stammt.

Geht es nicht auch um Geschmack und Intelligenz?

Na ja, wenn ich mir ansehe, was gerade so gedreht wird, sage ich mir nicht: Das will ich auch machen. Ich frage mich: Wenn ich das machen würde, was würde ich ändern? Bei „Haywire“ wollte ich das übliche Rezept für Spionage-Actionfilme ein bisschen variieren. In Amerika hat das nicht funktioniert. Bei den Zuschauerbefragungen kriegte der Film ein „D“, die schlechteste Note. Dafür bekam ich ein paar der besten Kritiken meiner Karriere. Das bedeutet, dass Leute, die sich mit Kino auskennen, den Stil und den Ton des Films mochten und die anderen ihn hassten.

Es gibt zwei ungewöhnliche Kampfszenen in „Haywire“, besonders das Duell kurz vor Schluss, das am Strand bei einbrechender Flut spielt. Da ist eine Zärtlichkeit in der Gewalt, die man selten sieht.

Mallory, die Heldin, will das ja nicht tun, sie will nicht töten. Das mag ich an der Szene. Andererseits ist es großartig, ihr dabei zuzuschauen, wie sie sich bewegt und zuschlägt. Wie ein Mann! Ich könnte ihr den ganzen Tag dabei zusehen, wie sie alle verprügelt (lacht). Deshalb kann ich mir auch so schwer vorstellen, dass sich jemand den Film anschaut und anschließend zu einem Freund sagt: Den kannst du vergessen, der lohnt sich nicht. Ich weiß einfach nicht, was ich damit anfangen soll.

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Veröffentlicht: 02.03.2012, 14:30 Uhr

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Von Sandra Kegel

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