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Im Gespräch: Julie Delpy : Ich weiß nicht mal, was niedlich ist

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Sie wurde aus Versehen Schauspielerin, debütierte in einem Film Godards und behauptet, „nichts lieber als blöde Tussis“ zu spielen. In ihrem neuen Film allerdings, bei dem sie auch Regie geführt hat, spielt Julie Delpy eine blutrünstige Gräfin. Ein Interview.

          „Die Gräfin“ heißt Julie Delpys zweite Regiearbeit, und die 39-jährige französische Schauspielerin hat auch die Hauptrolle übernommen. Ein Interview über den neuen Film, ihren Ruf in der Filmbranche und über Frankreich unter Sarkozy.

          „Die Gräfin“ ist der zweite Film, bei dem Sie Regie geführt haben, es ist ein düsterer Film mit Horroranleihen und einer unglücklichen Liebesgeschichte. Welche Genrebezeichnung würden Sie ihm geben?

          Ein dunkles, zynisches Märchen. Es gibt Momente von Humor in dem Film, das ist mir sehr wichtig, auch wenn es nicht viele sind. Ich hatte mir die Geschichte ursprünglich mit mehr schwarzem Humor vorgestellt. Der hat sich aber nicht mit dem Ton des Films vertragen, deshalb habe ich dann alle sehr ironischen Stellen umgeschrieben.

          Mit ihrem ersten Opfer Bilderstrecke
          Im Gespräch: Julie Delpy : Ich weiß nicht mal, was niedlich ist

          Sie spielen auch die Hauptrolle, die ungarische Gräfin Erzsébet Báthory, die im 16. Jahrhundert wirklich gelebt hat und angeblich Jungfrauen töten ließ, um in deren Blut zu baden, wovon sie sich ewige Jugend versprach. Wahrheit oder Legende, was glauben Sie?

          Es ist bewiesen, dass es in früheren Zeiten eine erprobte Methode für Kirche und Politik war, unliebsamen Gegnern abscheuliche Greueltaten nachzusagen, um sich ihrer zu entledigen. Gilles de Rais zum Beispiel, die rechte Hand von Jeanne d'Arc, hat man einen Pädophilen genannt, einen Satanisten, einen Vergewaltiger. Er wurde gehängt. Und starke Frauen, die Männer nervös machten, wurden so zum Schweigen gebracht. Ich fand es sehr interessant, mich mit dieser Epoche zu beschäftigen. Auch der Mann, den William Hurt spielt, György Thurzó, hat wirklich gelebt. Seine Familie, die Thurzós, haben zusammen mit der Fugger-Familie die Idee des Kapitalismus erfunden. Es war eine kathartische Epoche für Europa.

          In Ihrem ersten Film, „2 Tage in Paris“, haben Sie vor allem Freunde und Familie inszeniert, diesmal hatten Sie so bekannte Schauspieler wie William Hurt mit dabei. Ist es schwer für eine Frau, so großen Egos Regieanweisungen zu geben?

          Es ist nicht immer leicht, aber William war sehr nett. Ich glaube sogar, dass es in seinem Fall geholfen hat, dass ich eine Frau bin, weil er großen Respekt vor Frauen hat. Er hat eine Sensibilität dafür, dass Frauen es schwerer haben, gerade in diesem Beruf. Manche Männer sind Machos am Set, manche Männer denken, wenn man sich auch mal verletzlich zeigt, sei man keine starke Frau. Ich finde das sehr dumm. Ich bin verletzlich, manchmal zerbrechlich, aber das heißt nicht, dass ich nicht stark bin. Stark sein bedeutet ja nicht, Lederstiefel zu tragen und ein Pferd zu reiten.

          Sie haben sich nie darauf ausgeruht, einfach eine schöne Schauspielerin zu sein - Sie haben früh an Ihren Dialogen mitgeschrieben, Sie führen Regie, sagen, was Sie denken. Gelten Sie in Ihrer Branche als schwierig?

          Das tat ich lange, vor allem in Amerika. Hollywood ist sehr macho, vielleicht mehr als das europäische Filmgeschäft. Und Leute wie ich wirken da beunruhigend, weil wir nicht zu kontrollieren sind. Ich lasse mir von niemandem sagen, was ich zu tun oder was ich zu sagen habe. Mein amerikanischer Agent, der sehr nett ist, versucht es trotzdem hin und wieder, für gewöhnlich halte ich mich nicht daran. Er weiß, er hat keine Kontrolle über mich, das ist bestimmt ein bisschen frustrierend für ihn.

          Lehnen Sie viele Rollen ab, weil Ihnen die Frauen, die Sie spielen sollen, zu doof sind?

          Im Gegenteil, ich spiele gerne doofe Frauen. Das macht Spaß. Auch Opfer. Ich spiele nichts lieber als blöde Tussis. Ich bin gefestigt genug in meiner Weiblichkeit, um keine Angst zu haben, etwas zu spielen, was ich nicht bin. Ehrlich, ich träume davon, eine total unterwürfige Frau zu spielen.

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