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Im Gespräch: John Boorman : Sind alle Schauspielstars zickig, Herr Regisseur?

  • -Aktualisiert am

Er drehte „Excalibur“ und „Der Schneider von Panama“, arbeitete mit Mastroianni, Marvin und Mifune, mit Sean Connery und Pierce Brosnan. Ein Interview mit dem britischen Regisseur John Boorman über die Sorgen mit den Stars - und eine traurige kleine Insel vor der europäischen Küste.

          Wir treffen John Boorman an einem ungewöhnlichen Ort: auf dem Rio Negro an Deck eines Holzschiffes auf dem Weg nach Manaus, wo der Regisseur beim Amazonas-Filmfestival als Jurypräsident fungiert. Seine weißen Haare flattern im Fahrtwind, seine Augen blitzen hellwach, verschmitzt und herausfordernd.

          Vor gut zwanzig Jahren haben Sie hier in der Amazonas-Region Ihr Leinwanddrama „Der Smaragdwald“ gedreht. Was kommt Ihnen nun bei Ihrer Rückkehr als Erstes in den Sinn?

          Die Gegensätze. Ich denke einerseits an den Indianerstamm, mit dem ich damals eine Zeitlang lebte, um die Bräuche der indigenen brasilianischen Bevölkerung zu studieren - eine profunde Erfahrung für mich. Andererseits muss ich an die Auswüchse der Korruption denken, mit denen wir seinerzeit konfrontiert wurden. An unseren ersten Drehtagen hatten wir zum Beispiel keine Ausrüstung: Der Zoll wollte sie partout nicht rausrücken. Und als das gecharterte Flugzeug von Rio nach Tucurui für unser Team bereitstand, wurde ich festgenommen und eingesperrt - mit der Begründung, mein Visum sei fehlerhaft. Erst nach vielen Stunden fand unser Produktionsleiter heraus, wen er bestechen musste. In Mexiko verlangen die zuständigen Menschen einfach eiskalt das Geld von dir - aber dafür sind die Brasilianer viel zu charmant. Oft haben wir die falschen Leute geschmiert: Sie bedankten sich höflich, verschwiegen aber, dass sie mit der Sache gar nichts zu tun hatten.

          Der Konflikt zwischen Natur und Zivilisation ist ein stetig wiederkehrendes Thema in Ihren Filmen ...

          Ja. Es war mir schon immer ein Anliegen, zu zeigen, dass es zu einer Massenneurose führt, wenn der Mensch sich nicht mehr als Teil der Natur sieht, sondern sich ihr überlegen fühlt. Langsam erkennen wir, dass sich die Natur nicht kontrollieren lässt - und dass dieser Planet uns locker abschütteln kann. Seit meiner Kindheit hat mich die Natur fasziniert. Vor allem mit Bäumen habe ich mich mein ganzes Leben lang intensiv beschäftigt. In Irland, wo ich lebe, habe ich in den vergangenen vierzig Jahren mit meinen eigenen Händen mehr als fünfzehntausend Bäume gepflanzt, um die ich mich auch persönlich kümmere.

          Sie haben sich zudem in „Beim Sterben ist jeder der Erste“ mit der Zerstörung eines Flusses beschäftigt, in „Rangoon“ mit der Freiheitsbewegung gegen die burmesische Militärjunta und in „Country of My Skull“ mit der südafrikanischen Apartheid. Glauben Sie, dass Filme etwas bewirken können?

          Wenn ich das nicht glauben würde, dann müsste ich mich glatt erschießen. Filme können zwar nicht die Welt verändern, aber sie können uns emotional packen und so zum Nachdenken anregen. Statistiken über die Zerstörung des Regenwaldes lassen uns kalt - doch wenn wir in „Der Smaragdwald“ konkret sehen, was das für verheerende Folgen für die Indianer hat, dann widmen wir uns in Zukunft den entsprechenden Nachrichten mit größerer Aufmerksamkeit. Übrigens waren die Umweltschutzgruppen, die für die Erhaltung des Regenwaldes kämpfen, bis Mitte der achtziger Jahre in Brasilien strikt verboten - erst als „Der Smaragdwald“ ins Kino kam, wurden sie aufgrund des starken öffentlichen Drucks legalisiert. So hatte der Film damals zumindest einen kleinen positiven Effekt.

          Welchen Ihrer Filme mögen Sie am liebsten?

          Billy Wilder sagte einmal in Cannes zu mir: „Ach, John, mit unseren Filmen ist es wie mit unseren Kindern - wir hoffen, sie würden sich zu Einsteins entwickeln, aber manchmal entpuppen sie sich doch als Idioten!“ Er hatte recht, und mir sind seltsamerweise meine angeblichen „Idioten“ besonders ans Herz gewachsen: die Filme, die es nie so richtig geschafft haben. „Leo, der Letzte“ zum Beispiel.

          Für diese Komödie haben Sie immerhin 1970 den Regiepreis in Cannes gewonnen. Wie kamen Sie mit Ihrem Hauptdarsteller Marcello Mastroianni zurecht?

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