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Im Gespräch: Isabelle Huppert Lieben Sie die Abwechslung, Madame Huppert?

 ·  Regisseure interessieren sie mehr als Figuren oder Plots, und doch trägt sie alle ihre Rollen noch in sich: ein Gespräch mit der französischen Schauspielerin Isabelle Huppert.

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Filmstars wahren fast immer die Distanz. Isabelle Huppert setzt sich dagegen sehr nahe vor den Fragesteller - so nahe, dass wir sie beim Filmfestival von Locarno riechen können.

Es ist noch gut in Erinnerung, wie Sie vor einigen Jahren beim Europäischen Filmpreis eine sehr warmherzige, auch witzige Laudatio auf Claude Chabrol gehalten haben. Man hat den Respekt und auch die Liebe gespürt, die Sie für Chabrol empfunden haben. Gibt es noch einen Regisseur, für den Sie gern eine solche Laudatio halten würden?

O ja, sogar mehrere. Ich würde sofort eine halten für Michael Haneke. Auch für Claude Goretta. Für Benoît Jacquot. Für Godard. Und die anderen müssen einfach noch mehr Filme mit mir machen...

Was war Ihre wichtigste Erfahrung als Schauspielerin?

„Die Spitzenklöpplerin“. Weil es der erste Film war, in dem ich eine echte Hauptrolle gespielt habe. Ich musste mir alles erst erarbeiten, die Mittel kennenlernen. Die Begegnung mit der Kamera ist eine sehr spezielle Sache. Man muss lernen, angeblickt zu werden. Im Kino dreht sich alles um den Blick. Als ich anfing, wusste ich nicht viel, ich war keine große Kinogängerin.

Einer Ihrer letzten Filme, „I’m Not a F**king Princess“ von Eva Ionesco, handelt von einem Kind im Showgeschäft...

Ich habe es noch nie erlebt, dass eine Regisseurin derart unmittelbar ihr eigenes Schicksal erzählt hat, wie es hier geschah. Eva Ionesco wurde von ihrer Mutter, einer Fotografin, bereits als kaum Zehnjährige zum Model gemacht, zunehmend gegen ihren eigenen Willen. Ich habe diese Mutter gespielt, eine starke, herrische, aber auch verwundbare Frau, war am Set also quasi die Mutter der Regisseurin - eine merkwürdige Erfahrung. Aber solche Dinge machen das Leben einer Schauspielerin aus.

Ich komme eben erst aus Korea zurück. Dort habe ich einen Film mit Hong Sang-soo abgedreht. Das war wunderbar, aber auch etwas völlig Neues. Davor habe ich im Januar auf den Philippinen gefilmt, mit Brillante Mendoza. Das waren großartige, erstaunliche Erfahrungen. Mit beiden. Und völlig unterschiedlich. Brillante Mendoza arbeitet mit einem sehr großen Team. Es ist ein einziges Chaos, und man ist Teil dieses Chaos. Der Film hat das auch verlangt: Ich habe ein Entführungsopfer gespielt, das von einer Terroristenbande durch den Dschungel geschleppt wird. In Korea mit Hong Sang-soo war es das Gegenteil: Eine ganz kleine Crew, nur acht oder neun Leute, es war erstaunlich.

Hong Sang-soo gilt ja unter den asiatischen Filmemachern als der französischste.

Das ist er auch. Der erste Film, den ich von ihm sah, war „Women Is the Future of Men“ - das ist ein Film wie von Rohmer. Ich empfand sofort eine tiefe Verbindung, der Film kam mir sehr, sehr französisch vor. Und das gilt, glaube ich, für alle seine Filme.

Wie kam es zum Dreh mit Mendoza? Haben Sie den entdeckt, als Sie 2009 Jurypräsidentin von Cannes waren und seinem Film „Kinatay“ den Regiepreis gaben - übrigens eine ganz hervorragende Entscheidung?

Herzlichen Dank, das waren harte Debatten. Tatsächlich habe ich Mendoza da entdeckt. Und dann haben wir uns bei einem Filmfestival in São Paulo wiedergetroffen. Wir haben uns bei einem Kaffee unterhalten, und er fragte mich: „Möchtest du in meinem nächsten Film mitspielen?“ Ich bin gespannt, wie die Leute darauf reagieren. Die Dreharbeiten waren überschaubar. Mit Brillante waren es gerade vier Wochen, mit Hong Sang-soo sogar nur zwei. Bei ihm habe ich drei verschiedene Figuren gespielt. Die Dreharbeiten waren unglaublich: Er schrieb das Drehbuch, während wir gedreht haben, immer über Nacht. Also gab es täglich am Morgen den Moment, an dem sich alle versammelten und auf das Script warteten, wie Moses am Sinai auf die Gesetzestafeln. Und tatsächlich war dann alles sehr elaboriert, sehr genau ausgearbeitet, jeder Dialog festgelegt. Brillante dagegen hatte immerhin ein Drehbuch, auch wenn er das, was drin steht, nicht streng verfolgt. Von dieser Herangehensweise könnten wir in Europa eine Menge lernen.

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