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Im Gespräch: Helen Mirren : Ich war nie sehr wild

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Helen Mirren hat in ihrer langen Karriere Königinnen, Huren, Mütter, Chefredakteurinnen gespielt. Jetzt spielt sie unter der Regie von Michael Hoffman die Ehefrau des russischen Großschriftstellers Leo Tolstoi. Ein Gespräch über Männer, die Monarchie und die Kunst der Beständigkeit.

          Helen Mirren hat in ihrer langen Karriere vieles gespielt: Shakespeare-Heldinnen auf der Bühne, Königinnen, Huren, Mütter, Chefredakteurinnen. Jetzt spielt sie unter der Regie von Michael Hoffman die Ehefrau des russischen Großschriftstellers Leo Tolstoi. Der Film „Ein russischer Sommer“ erzählt, leicht elegisch, von den Intrigen der Jünger in Tolstois letzten Tagen und vom Versuch seiner Frau, Erbe und Familie zusammenzuhalten. Zum Interview erscheint Helen Mirren, 64, als elegante Britin im schwarzen Kleid mit passender gelber Strickjacke aus Kaschmir, wodurch das kleine, verwischte Tattoo zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand umso mehr auffällt.

          Die Queen hat Sie 2003 geadelt. Möchten Sie als Dame Helen angesprochen werden?

          (lacht) Nein, ich bin einfach Helen! Die meisten legen keinen Wert darauf, nur Ben Kingsley lässt sich gerne als Sir titulieren.

          Sie sind nicht gerade als Anhängerin der Monarchie bekannt!

          Ich bin bestimmt keine geborene Monarchistin, weil ich nicht religiös bin. Mir erschließt sich die Logik nicht, denn der Glaube an die Monarchie geht Hand in Hand mit dem Glauben an Gott. Vor allem, wenn man selber ein Monarch ist, muss man doch glauben, dass Gott einem dieses Amt verliehen hat, ansonsten fehlte die absolute Begründung dafür, dass man anders lebt als die übrigen Menschen. Allerdings bin ich der Ansicht, dass Menschen, die dieses Amt haben, es sehr sinnvoll ausfüllen können. König Carlos von Spanien ist ein Beispiel, als er von Franco die Macht übernahm. Kein Politiker hätte diesen Brückenschlag zu einem modernen Spanien erreichen können; nicht weil die Politiker nicht clever oder willens gewesen wären, sondern weil der König bei den Menschen ein besonderes Ansehen hatte. Als König war er ein apolitisches Wesen, und genau deshalb konnte er einen politischen Konsens erreichen.

          Und wie sieht es mit Queen Elizabeth I. aus?

          Die Königin von England hat eine ganz andere Rolle, auch, weil es dieses Bedürfnis in unserer Gesellschaft nicht gibt wie damals in Spanien. Träte jedoch der Fall ein, dass man sich aus einer faschistischen Diktatur befreien müsste, wäre es vermutlich die königliche Familie, die diesen Schritt machen würde. In dieser Hinsicht hat die Monarchie ihren Sinn. Und manchmal ängstigen mich die schrecklichen und bedrohlichen Kräfte in der Welt, nach den beiden Weltkriegen, nach Jugoslawien. In meinen dunklen Momenten frage ich mich, welche Konflikte unter der Oberfläche schwelen, die man glaubt, überwunden zu haben. Wenn man in einem Land mit vielen Einwanderern lebt, mehr noch als bei Ihnen, wenn man sieht, dass es sowohl Akzeptanz gibt als auch wachsende Feindseligkeit, denkt man darüber nach, wie das wohl ausgehen wird. Und dann glaube ich, dass eine kluge und starke Monarchie eine Art Stimme der Vernunft sein kann, eine Stimme des Anstands. Aber vielleicht ist das nur eine versponnene Theorie von mir. Politiker jedenfalls werden nie anständig sein, niemals. (lacht)

          Sie haben als Monarchin auf der Leinwand oder im Fernsehen immer eine gute Figur gemacht! Sie haben Elizabeth I. und II. gespielt, Sie waren die Königin in „King George – Ein Königreich für mehr Verstand“. Die Rolle steht Ihnen ganz offensichtlich!

          Ich bin Schauspielerin, und jede Schauspielerin hat eine Menge Königinnen gespielt.

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