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Im Gespräch: Arnold Schwarzenegger Ich kann jeden beleidigen

 ·  Bodybuilder, Schauspieler, Gouverneur, Autor - und wieder Schauspieler. Mit dem Western „The Last Stand“ kehrt Arnie zurück ins Filmgeschäft. Wie war es in der Politik?

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© dpa Vergrößern Schwarzenegger bei der London-Premiere seines neuen Films

Köln im Schnee, das Hotel voller Journalisten, denn Arnold Schwarzenegger ist in der Stadt, um seinen neuen Film vorzustellen, „The Last Stand“, die erste Hauptrolle nach seiner Amtszeit als Gouverneur von Kalifornien, lustiger Quatsch über einen Sträfling auf der Flucht in einer Corvette ZR 1, mit der er die Grenze nach Mexiko durchbrechen will, aber dort stellt sich ihm Ray Owens in den Weg, der Sheriff von Sommerton. Arnold Schwarzenegger, Cowboystiefel, schwere Ringe, größer als erwartet, will das Interview auf Englisch führen. Zwanzig Minuten Zeit, ein Agent passt auf. Schwarzeneggers Steiermark-Twang ist einfach so wunderbar.

Müsste ich Sie nicht eigentlich mit Governor anreden?

Schon, aber Sie können auch einfach bei Arnold bleiben.

Mir wäre Sheriff noch lieber.

Sheriff?

Ja, weil es Ihnen großen Spaß macht im neuen Film, sich ständig so zu nennen. War das der erste Sheriff, den Sie gespielt haben?

Ich habe schon eine Menge Gesetzeshüter gespielt.

Klar, aber der Film ist ja eine Mischung aus „Too Fast Too Furious“ und „Zwölf Uhr mittags“, und ich habe mich gefragt, ob Western für Sie etwas Besonderes sind.

Der Sheriff war eine tolle Rolle, vor allem weil ich ihn verletzlich spielen wollte, nicht als Typ, der reinkommt und anderen in den Arsch tritt. Er fängt als Underdog an, das hat mir gefallen.

Und haben Sie sich dann zur Vorbereitung alte Filme mit Gary Cooper angeschaut?

Die habe ich so oft gesehen, das musste ich nicht mehr. John Wayne war ein großes Idol für mich, Clint Eastwood auch. Ich habe Western geliebt.

Sie haben zehn Jahre lang keinen Film mehr gemacht. Waren Sie da am ersten Drehtag nervös?

Ich war ja auch schon bei den „Expendables“ dabei. Sly Stallone und seine Crew hatten seit Wochen gedreht, ich platzte da rein, und die sagten zu mir: „Arnold, hier sind die Waffen, da wird geschossen, du rennst erst hier hin, dann wirfst du dich da auf die Knie, alles klar, Achtung, Klappe!“ Das war aber meine Rettung, ich hatte keine andere Wahl, sonst hätte ich die Produktion aufgehalten. Da waren Typen dabei, die älter sind als ich und besser in Form, Chuck Norris zum Beispiel ist 77! Danach bin ich direkt nach New Mexico zum Set von „The Last Stand“ geflogen, es war wie Aufwärmtraining.

Hat Ihnen das Filmen gefehlt, als Sie in der Politik waren?

Dazu hatte ich gar keine Zeit. Ich war so überwältigt von der Arbeit. Als Schauspieler hat man ein Drehbuch, das gibt es für Politiker nicht, jeder Tag war eine neue Überraschung, Stunde um Stunde, es ist irre, wie viele Probleme da auf einen zukommen, Sozialhilfe, Armut, überfüllte Gefängnisse - man wacht morgens mit 2.000 Waldbränden in Kalifornien auf, oder jemand sitzt in der Todeszelle und soll um Mitternacht hingerichtet werden, und man ruft Sie an und sagt: „Governor, Sie könnten das aufhalten.“ Plötzlich ist man verantwortlich für das Leben anderer Menschen.

Und da blieb keine Zeit, um an Filme zu denken.

Tatsächlich war ich froh, aus dem Business raus zu sein, weil das, was ich jetzt machte, viel aufregender war. Ich wollte dazulernen, ich wollte herausfinden, wie man mit Republikanern und Demokraten arbeitet, wenn beide Seiten so verfeindet sind. Und als meine Amtszeit vorbei war - es ist interessant, wie schnell es im Kopf dann geht. Ich bekam Drehbücher angeboten und sah mich plötzlich wieder als Schauspieler und nicht als Politiker, der für den Senat kandidiert oder für das Abgeordnetenhaus. Ich wollte zurück zum Film, wo ich viel Spaß hatte, wo ich auch sehr viel Geld verdient habe und ich machen konnte, was ich wollte.

Im Herbst ist Ihre Autobiographie erschienen. Alle Welt hat interessiert, was Sie aus Ihrem Privatleben erzählen. Das Buch ist aber seitenweise ein Aufruf, Ihre Partei zu reformieren, die Republikaner.

Stimmt genau.

Könnte es sein, dass Sie eines Tages noch mal die Seiten wechseln?

Deshalb haben wir ja das Schwarzenegger-Institut an der University of Southern California gegründet. Ich glaube fest daran, dass wir den Umweltschutz vorantreiben müssen und die Stammzellenforschung, dass wir von fossilen Brennstoffen wegkommen. Mit Universitäten kann man viel erreichen, Studenten sind ja die Elite von morgen. Wir können ihnen beibringen, nicht mehr in Lagern zu denken und wie man Entscheidungen trifft, die gut für die Menschen sind und nicht für Parteien.

In Ihrem neuen Film herrscht aber ein altmodisches Verständnis von Gut und Böse. Kompromisse werden in „The Last Stand“ nicht gemacht, Gefangene auch nicht.

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„The Last Stand“ kommt am Donnerstag, 31. Januar,  ins Kino.

Quelle: F.A.S.
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