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Hilfe bekommt Meg unter anderem von der quirligen Mrs. Soundso (Reese Witherspoon). Bild: Atsushi Nishijima

Filmkritik: „Das Zeiträtsel“ : Kosmos Kinokäse

In „Das Zeiträtsel“ nach dem populären Jugendroman „A Wrinkle in Time“ predigt Oprah Winfrey esoterischen Mindersinn – assistiert von Reese Witherspoon. Dabei vergessen all die wohlmeinenden Feen jedoch etwas Entscheidendes.

          Als Reese Witherspoon sich als Mrs. Soundso in eine Kreuzung aus fliegendem Teppich und mangoldblättriger Flugflunder verwandelt und die drei Erdenkinder in ihrer Obhut auf rasende Luftfahrt durch die Atmosphäre eines phantastischen Planeten entführt, ist der nächste Absturz schon absehbar. In Farben sprechende Blumen flattern zu anschwellender Musik daher, doch wie ein Knacks im Himmelsgewölbe breitet sich dunkle Bösartigkeit am digitalblauen Firmament aus, streckt seine fiesen Tentakeln nach den Menschlein aus und – plumps, liegt das Trio schon wieder am Boden.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Auftritt der Hohepriesterin spiritueller Allkunde: Turmhoch überragt die auf Riesenformat hochgepixelte Medienmogulin und Selfmade-Milliardärin Oprah Winfrey die Kleinen, gewandet in etwas, das als Starlight-Express-Kostüm dienen könnte oder zur Karnevals-Verkleidung als Supersilberfisch. Voller Hall in der Stimme verkündet sie Weisheiten: Konzentriere dich auf das Helle, nicht auf die Dunkelheit. Finde dein inneres Gleichgewicht. Sei eins mit dem Universum, das eins ist mit dir, dann kannst du „Es“ bekämpfen, das universelle Böse.

          Zweiter Anlauf für Verfilmung

          „You can do it“, du kannst es, du schaffst es, bläut Winfrey als Oberfee Mrs. Welche besonders der jugendlichen Heldin im Werden ein. Diese heißt Meg Murry und wird von Storm Reid gespielt (dem kleinen Mädchen aus „12 Years a Slave“). Meg sucht ihren Vater, einen Physiker, der auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Im Selbstversuch ist Alexander Murry (Chris Pine) gelungen, worüber er zuvor mit seiner brillanten Physiker-Gattin Kate (Gugu Mbatha-Raw) theorisiert hatte: Er ist in einen Tesserakt gesprungen, eine vieldimensionale Raum-Zeit-Falte, und weg war er.

          Nun folgen ihm Meg, ihre naseweiser Dreikäsehoch von Bruder Charles Wallace (Deric McCabe) und ihr Freund Calvin (Levi Miller) unter Anleitung dreier überirdischer Frauen – eben jener Mrs. Soundso, Mrs Welche und der in Kalendersprüchen redenden Mrs. Wer (Mindy Kaling). Denn dem Vater droht Gefahr.

          In „Das Zeiträtsel“ will die junge Meg Murry (Storm Reid) ihren Vater retten.

          Ein bisschen Science-Fiction, ein bisschen Fantasy, episkopale Predigt, Märchen und Comimg-of-Age-Story: Der Roman „Die Zeitfalte“ („A Wrinkle in Time“) von Madeleine L’Engle aus dem Jahr 1962 gehört in Amerika zu den populärsten Jugendbüchern überhaupt – obwohl der synkretistische Umgang der Autorin mit naturwissenschaftlichen, phantastischen und christlichen Elementen auch kontroverse Kritik auslöste. Schon einmal hat Disney versucht, das Buch zu adaptieren, damals mit mäßigem Erfolg für das Fernsehen. Jetzt folgt der zweite Aufschlag: mit Staraufgebot, hochgerüsteter Spezialeffekt-Abteilung, aus dem Drehbuch gestrichener Christlichkeit und gesellschaftspolitisch besten Absichten.

          Lieblos aufgemotzte Halbheiten

          Als Regisseurin wurde Ava DuVernay verpflichtet, die sich in „Selma“ dem Leben Martin Luther Kings gewidmet hatte; als Drehbuchautorin die Mädchentraum-Spezialistin Jennifer Lee von „Frozen“. Meg ist nun ein dunkelhäutiges Mädchen aus einer ethnisch gemischten Familie. Eine Amerikanerin mit afroamerikanischen, eine mit europäischen und eine mit südasiatischen Wurzeln treten als weise Frauen auf. Megs Freund ist hellhäutig.

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