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„IM Basket“ Die Stasi und das ZDF

01.05.2005 ·  Der WDR darf wieder über den Fall „IM Basket“ berichten. Das Berliner Landgericht hat eine einstweilige Verfügung aufgehoben, die der ehemalige Israel-Korrespondent des ZDF Dietmar Schumann im Oktober 2004 gegen den Sender erwirkt hatte.

Von Michael Hanfeld
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Das Berliner Landgericht hat, wie beim Westdeutschen Rundfunk auf Anfrage zu erfahren ist, eine einstweilige Verfügung aufgehoben, die der ehemalige Israel-Korrespondent des ZDF Dietmar Schumann im Oktober 2004 gegen den Sender erwirkt hatte.

Der WDR hatte gemeinsam mit dem NDR und dem MDR in der dreiteiligen Dokumentation „Operation Fernsehen“ detailliert darüber berichtet, wie und mit welchem Erfolg die Stasi seinerzeit Einfluß auf Radio und Fernsehen im Osten wie im Westen Deutschlands genommen hatte. Dabei ging es unter anderem um den heutigen ZDF-Redakteur Dietmar Schumann, der bei der Stasi unter dem Decknamen „IM Basket“ erfaßt war.

Kein abstrakter Vorgang

37 Einträge zu „IM Basket“ fänden sich in der sogenannten Sira-Datei, in welcher die Stasi bedeutsame operative Vorgänge zusammentrug. Schumann bestritt, auch im Gespräch mit dieser Zeitung (F.A.Z. vom 17. Juli und 8. Oktober 2004), für die Stasi tätig geworden zu sein: „Ich war zu keinem Zeitpunkt Mitarbeiter der Stasi, weder offiziell noch inoffiziell“, sagte er.

Er habe in seiner Zeit als Korrespondent des DDR-Fernsehens (in Budapest, Moskau und Wien) Berichte über seine Tätigkeit lediglich an den Chefredakteur geschrieben. Es könne nur sein, daß diese Berichte in Kopie von jemandem an die Stasi weitergegeben und dort als Vorgänge registriert worden seien. Dieser Darstellung widersprach in der WDR-Dokumentation der frühere DDR-Fernsehchef Heinz Adameck. Er sagte, eine Weisung an Korrespondenten, solche Berichte zu verfassen, habe es nicht gegeben. Die Rechercheure des WDR hatten zudem herausgefunden, daß an „IM Basket“ zwei Orden verliehen werden sollten, was dafür spreche, daß unter dem fraglichen Kürzel eine Person und nicht ein abstrakter Vorgang zu verstehen sei.

„Operation Fernsehen“ wird „aktualisiert“ wiederholt

Die Erkenntnisse der WDR-Autoren fußten auf einer im Auftrag der ARD erstellten zeitgeschichtlichen Studie über die Tätigkeit des DDR-Staatssicherheitsdienstes in den elektronischen Medien der Bundesrepublik und der DDR durch den Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin. Diese Studie wiederum fußte auf Angaben der Birthler-Behörde zu „IM Basket“, die auch dem ZDF vorliegen,

Das Landgericht Berlin hatte zunächst auf Antrag der Gysi-Kanzlei in Berlin gegen den WDR eine einstweilige Verfügung erlassen, derzufolge die Dokumentation „Operation Fernsehen“ nicht wiederholt werden durfte. Diese, so ein WDR-Sprecher, sei nun aber aufgehoben worden, nachdem Schumann der Aufforderung des Landgerichts zur Erhebung der Hauptsacheklage gegen den WDR nicht nachgekommen sei. Der WDR habe auf Klärung in einem Hauptsacheverfahren gedrungen. Das Stück „Operation Fernsehen - Die Stasi in Adlershof“ werde nun in Kürze „in einer aktualisierten Fassung“ erneut gezeigt. Es hätten sich inzwischen noch weitere Angaben in dem Fall gefunden.

Brender „Irritationen unter Zuschauern vermeiden“

Für das ZDF hat sich indes „die Sachlage nicht geändert“, wie der Chefredakteur Nikolaus Brender auf Anfrage sagte. Zwar seien in Sachen „IM Basket“ neue Elemente hinzugekommen, doch seien diese Schumann nicht eindeutig zuzurechnen.

Es gebe keinen Beweis, hatte der ZDF-Chefredakteur zu Beginn der Affäre dieser Zeitung gegenüber gesagt, der Dietmar Schumanns Aussage, nicht für die Stasi gearbeitet zu haben, außer Kraft setze. Das ZDF hatte Schumann 1990 eingestellt, von seinem Posten als Korrespondent in Tel Aviv wurde er im vergangenen Herbst gleichwohl abberufen (F.A.Z. vom 29. September 2004), um, wie der Chefredakteur Brender sagte, „mögliche Irritationen bei den Zuschauern zu vermeiden“.

Schumann ist heute Redakteur und arbeitet als Autor von Dokumentationen in der ZDF-Chefredaktion. Das ZDF will sich nun seinerseits in diesem Herbst in einem Zweiteiler mit den Medien in der Zeit des Kalten Krieges befassen, sagte Nikolaus Brender, dabei werde es auch um den Sender und den Fall „IM Basket“ gehen.

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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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