26.05.2008 · Überraschung in Cannes: Der Film „Entre les murs“ des französischen Regisseurs Laurent Cantet ist mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden. Der Film über eine Schulklasse in Paris bringt Frankreich die erste Goldene Palme seit 1987 ein.
Goldene Palme für Frankreich: Der Film „Entre les murs“ von Laurent Cantet ist zum Abschluss des 61. Filmfestivals in Cannes am Sonntagabend mit dem Hauptpreis ausgezeichnet worden. Die Jury entschied sich einstimmig für den Film.
Der Film über den multikulturellen Alltag an einer Pariser Schule bringt Frankreich die erste Goldene Palme seit 1987 ein. Der Regisseur arbeitete mit vielen Laiendarstellern und erzählt in improvisiertem Stil die Dramen eines Schuljahres. Der Film war nicht als Favorit gehandelt worden - die Auszeichnung kam überraschend. Die mitwirkenden Schüler feierten die Auszeichnung am Sonntag ausgelassen auf der Bühne des Festivalpalais von Cannes.
Ein Klassenlehrer kämpft sich durch
Im Zentrum des dokumentarisch wirkenden Siegerfilms - der erst am letzten Tag des Wettbewerbs in Cannes gezeigt wurde - steht ein junger Lehrer. Er unterrichtet in einem sozialen Brennpunkt-Bezirk von Paris. Die meisten seiner Schüler stammen aus Einwandererfamilien, ihre Leistungen sind miserabel, die Arbeitsmoral ebenso.
Der Klassenlehrer muss immer wieder gegen aufmüpfige 14- bis 15-jährige Schüler ankämpfen. Während Kollegen von ihm bereits frustriert aufgeben, macht François unermüdlich weiter auch als sich die Jugendlichen offen gegen ihn stellen. Cantet hat viele Szenen und Dialoge mit seinen Laiendarstellern geduldig in Workshops erarbeitet, seine Bilder wirken völlig authentisch.
Großer Preis der Jury für italienischen Film „Gomorra“
Italien ist mit politischen Themen der zweite große Sieger des Wettbewerbs. Der Große Preis der Jury ging an den italienischen Anti-Mafia-Film „Gomorra“ von Matteo Garrone. Der Italiener Paolo Sorrentino nahm für seine kunstvolle Satire „Il Divo“ über die Regierungszeit des italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti den Preis der Jury entgegen (siehe auch: Filme von Kaufman, Egoyan und Sorrentino in Cannes). Jury-Vorsitzender war der amerikanische Regisseur Sean Penn. Zu den Juroren gehörte auch die deutsche Schauspielerin Alexandra Maria Lara.
Der Regiepreis ging an den türkischen Regisseur Nuri Bilge Ceylan für „Üc Maymun“ („Die drei Affen“ - siehe auch: Filmfestival von Cannes: Es ist die reine Freude). Für die belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne, die schon zweimal die Goldene Palme gewonnen haben, gab es in diesem Jahr den Drehbuchpreis für den eindringlichen Film „La silence de Lorna“ (siehe auch: Clint Eastwoods „Changeling“ und „La silence de Lorna“ der Brüder Dardenne in Cannes).
Catherine Deneuve und Clint Eastwood erhalten Preise für ihr Lebenswerk
Bester Hauptdarsteller wurde erwartungsgemäß Benicio Del Toro für seine Darstellung des Revolutionsführers Ernesto Che Guevara in Steven Soderberghs Film „Che“ (siehe auch: „Che“ in Cannes: Kluge Sprüche bis zum letzten Gefecht).
Als beste Schauspielerin wurde die Brasilianerin Sandra Corveloni ausgezeichnet, die die Jury mit ihrer Rolle einer schwangeren, alleinerziehenden Mutter in dem Film „Linha de Passe“ ihrer Landsleute Walter Salles und Daniela Thomas überzeugen konnte. Die Auszeichnung Corvelonis war eine Überraschung. Als Favoritin für die Auszeichnung hatte Angelina Jolie gegolten, die in Clint Eastwoods Drama „The Exchange“ über eine Kindesentführung die Hauptrolle spielt (siehe auch: Clint Eastwoods „Changeling“ und „La silence de Lorna“ der Brüder Dardenne in Cannes).
Gleich zweimal vergab die Jury am Sonntag Preise für das Lebenswerk: Sie gingen an die französische Filmdiva Catherine Deneuve und an den amerikanischen Schauspieler und Regisseur Clint Eastwood.
Der deutsche Regisseur Wim Wenders ging leer aus. Er war mit „Palermo Shooting“ schon zum neunten Mal in Cannes angetreten.