17.01.2005 · Im Grunde sind die Dankesreden bei den Golden Globes nur eine Art Vorsprechen für die Rolle des Oscar-Gewinners. Jamie Foxx hat seine Favoritenrolle bestätigt, Leonardo di Caprio wird wohl leer ausgehen.
Von Michael AlthenBei aller Freude der Sieger über ihre Golden Globes ist es im Grunde doch so, daß ihre Dankesreden nur eine Art Vorsprechen für die Rolle des Oscar-Gewinners sind. Sonntag nacht wurden die Globes im Beverly Hilton Hotel in Los Angeles vergeben, und nun haben die 5.808 Academy-Mitglieder noch eine Woche Zeit, ihre Stimmen für die Oscar-Wahl abzugeben.
Und auch wenn die beiden Preise eigentlich nichts miteinander zu tun haben, ist ein Sieg und eine gute Performance bei der Entgegennahme eines Globes doch die beste Werbung in Sachen Oscar-Chancen. Wenn es also danach geht, dann hat Jamie Foxx bei den 62. Golden Globe Awards seine Favoritenrolle als bester Schauspieler eindrucksvoll bestätigt. Der Titelheld aus "Ray" verbeugte sich noch einmal vor dem im vergangenen Jahr verstorbenen Sänger und brachte wie einst Ray Charles den Saal dazu, mit ihm zusammen in Gesang auszubrechen.
Annette Bening im zweiten Anlauf
Die Golden Globes werden von der Hollywood Foreign Press Association vergeben, die nur aus etwa neunzig Korrespondenten aus aller Welt besteht. Deren Legitimation wurde immer wieder in Zweifel gezogen. Aber im Lauf des vergangenen Jahrzehnts haben die Globes eine solche Eigendynamik als Werbeplattform für Oscarkandidaten entwickelt, daß ganz einerlei ist, wer eigentlich dahintersteht. Was die Popularität des Preises außerdem befördert, ist die Tatsache, daß auch Fernseharbeiten ausgezeichnet werden - und daß zwischen Drama einerseits und Komödie und Musical andererseits getrennt wird.
Golden Globes: Üben für den Oscar
Dem Sieg von Foxx stand also der von Leonardo DiCaprio für seine Rolle als Howard Hughes in "The Aviator" entgegen; aber auch wenn dramatische Rollen bei den Oscars generell bevorzugt werden, dürfte das DiCaprios Chancen nur unwesentlich erhöhen. Bei den Damen gewannen Hilary Swank für "Million Dollar Baby" in der Kategorie Drama und Annette Bening für "Being Julia". Die beiden werden wie 1999 bei den Oscars wieder aufeinandertreffen - damals hat Swank mit "Boys Don't Cry" gegen die schwangere Bening in "American Beauty" gewonnen.
Clint Eastwood überflügelt Martin Scorsese
Wer gehofft hatte, die Globes würden einen Film favorisieren, der dann bei den Oscars seinen Siegeszug fortsetzen kann, wurde enttäuscht. Denn "The Aviator" wurde zwar als bestes Drama (und für die beste Musik) ausgezeichnet, dessen Regisseur Martin Scorsese verlor jedoch gegen seinen Kollegen Clint Eastwood, der für die Regie von "Million Dollar Baby" gewann. Als weiterer Oscar-Konkurrent muß ohnehin "Sideways" von Alexander Payne gelten, der schon im Vorfeld alle Kritikerpreise abgeräumt hatte und nun zwei Globes für die beste Komödie und das beste Drehbuch gewann.
Diese drei Filme werden es wohl unter sich ausmachen bei der Oscar-Verleihung, die am 27. Februar stattfindet. Einen Durchmarsch wie im vergangenen Jahr mit dem Abschluß des "Herrn der Ringe" wird es diesmal nicht geben. Ebenfalls ihre Chancen erhöht haben Clive Owen und Natalie Portman, die als beste Nebendarsteller in "Hautnah" geehrt wurden, und Mike Jagger und Dave Stewart, deren Song "Old Habits Die Hard" einen Globe gewann.
Das letzte Wort hatte Robin Williams, der für seinen Lebenswerk geehrt wurde und der zur Trennung von Brad Pitt und Jennifer Aniston sagte: "Kein Wunder, wer Achilles spielt, wird verletzlich."