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Golden Globes Geballte Fäuste statt strahlender Gesichter

14.01.2008 ·  Unbehagliche Atmosphäre und peinliche Moderatoren, hinter den Kulissen gewetzte Messer und Klagedrohungen. Die Vergabe der diesjährigen Golden Globes war ein Trauerspiel.

Von Nina Rehfeld, Phoenix
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Auf der Bühne: unbehagliche Atmosphäre und peinliche Moderatoren. Hinter den Kulissen: gewetzte Messer und Klagedrohungen. Im Fernsehen: kaum eine Handvoll Stars, deren Interviews, mit reichlich Archivmaterial angefüttert, zu allzu gedehnten Zeitfüllern umfunktioniert wurden. Wenn die Golden Globes, wie Jahr für Jahr behauptet wird, das Fieberthermometer für die Oscars darstellen, dann darf man sich im Februar auf eine echte Unterhaltungs-Katastrophe gefasst machen.

Jetzt, da der Anfang November begonnene Drehbuchautorenstreik in Hollywood die Galasaison erreicht hat, offenbart sich nicht nur die Bedeutung dieser Berufsgruppe für den Entertainment-Betrieb, sondern auch die Fragilität der Beziehungen im scheinbar so sonnigen Hollywood-Zirkus. Statt strahlender Gesichter auf dem roten Teppich gab es diesmal geballte Fäuste hinter den Kulissen.

Die Verzweiflungstat von NBC

Nachdem man sich mit den Ausrichtern der Veranstaltung, der Hollywood Foreign Press Association und der Produktionsfirma Dick Clark Productions überworfen hatte, stellte NBC beleidigt seine eigene Show auf die Beine, die frech die offizielle Pressekonferenz zur Bekanntgabe der Gewinner überging und stattdessen selbst eine kommentierte Verkündung der Gewinner inszenierte - im Anschluss an eine zweistündige Aneinanderreihung von Promi-Porträts und eine ganze Stunde, nachdem die Gewinner der diesjährigen Golden Globes bekannt gegeben worden waren. Die Geste konnte deutlicher nicht sein: Ohne uns kommt der Glamour-Event beim Volk nicht an, auch wenn mit E! und dem TV Guide Channel zwei kleine Kabelsender, die sonst vom roten Teppich berichten, die Pressekonferenz aus dem Beverly Hilton Hotel live übertragen hatten.

Die Autorenvereinigung WGA immerhin kann mit der seltsamsten Golden Globes-Verleihung aller Zeiten einen echten Sieg verbuchen. Denn für den Sender, dem die Gala normalerweise Werbeeinahmen von 25 Millionen Dollar beschert, standen immerhin Rückzahlungen von 10 bis 15 Millionen Dollar an enttäuschte Werbekunden im Raum, die Quoten und damit Vertragsbedingungen nicht erfüllt sahen. Bereits im Vorfeld waren mehrere Unternehmen als Sponsoren der Veranstaltung abgesprungen.

Die Achillesferse der Unterhaltungskonzerne

Dies ist ein schmerzhafter Schlag für einen Unterhaltungskonzern, der bislang im Vergleich mit seinen seit mehr als zwei Monaten außer Lohn und Brot stehenden Autoren am längeren Hebel zu sitzen schien. Doch die Absage der Golden Globes offenbarte die Achillesferse der Unterhaltungskonzerne: ihre Beziehung zur Werbeindustrie. Wenn die unter Druck gerät, so konnte man in der vergangenen Woche verfolgen, tritt das womöglich eine ganze Kaskade von Katastrophen los.

Seit gut einer Woche hatten sich die Ereignisse um die erste große Galaveranstaltung der Saison so hysterisch aufgeschaukelt, dass es sich auch ein streikbrechender Autor kaum schöner hätte ausdenken können. Am Montag wurde die Golden-Globe-Gala abgesagt: Die WGA hatte gedroht, die Veranstaltung zu bestreiken, und mehrere hochkarätige Schauspieler hatten angekündigt, aus Solidarität fernzubleiben. Danach erklärte der ausstrahlende Sender NBC, er werde seine Nachrichtenredaktion mit der Berichterstattung über die stattdessen geplante Pressekonferenz betrauen. Umgehend wurden Vorwürfe laut, NBC setze damit die Glaubwürdigkeit seiner Nachrichtenredaktion aufs Spiel, zumal der Sender die Pressekonferenz exklusiv auszustrahlen plante.

Dann eben „Going For The Gold“

Doch der von Einnahmeneinbußen bedrohte Sender verfolgte offenbar eine gezielte wirtschaftliche Strategie: Für ein Nachrichtenereignis, argumentierte NBC, würden anders als für eine Unterhaltungsshow keinerlei Lizenzgebühren fällig. Dick Clark Productions, mit der Produktion der Golden-Globes-Übertragung betraut, wies dies mit dem Hinweis auf einen „als Pressekonferenz verkleidete Fernsehevent“ vehement zurück, verweigerte die Auslieferung vertraglich vereinbarten Bildmaterials und machte Lizenzgebühren für die Marke „Golden Globes“ von angeblich über einer Million Dollar geltend.

Prompt machten am Freitag Gerüchte von Vertragsbruch und Mega-Klage die Runde, und NBC entschloss sich in letzter Minute, ein komplett selbst produziertes Programm zu stemmen, das den albernen, aber nicht geschützten Titel „Going For The Gold“ trug. Was man dort zu sehen bekam, war eine zusammengeschusterte Parade von sieben Nominierten, darunter Denzel Washington als einzigem Filmpromi, die aus - zum Teil sichtlich älteren, ärgerlicherweise aber nicht datierten - Interviews, Filmausschnitten und Archivaufnahmen vom roten Teppich bestand. Als schließlich ein kleiner Countdown zu NBCs eigener Inszenierung der Gewinner-Verkündung in der Bildecke zu laufen begann, waren die Preisträger bereits seit mehr als einer halben Stunde bekannt.

Der Pressekonferenz, die nach NBCs Rückzieher erneut den Status einer öffentlichen Veranstaltung erlangt hatte, wirkte mindestens ebenso schräg wie das NBC-Programm: Vor einer Handvoll Presseleute, Publizisten und Produzenten verlasen ein paar adrette amerikanische Fernsehjournalistinnen im fast leeren Ballsaal die Gewinner, unpassender Weise mit einer Verve, als adressierten sie ein vieltausendköpfiges Galapublikum. Falls hier oder da doch ein paar Leute zugeguckt haben sollte, dürfte ihnen die Lust auf weitere bestreikte Galaveranstaltungen gründlich verdorben worden sein.

Die Preisträger im Überblick: Golden Globes: „Abbitte“ und „Sweeney Todd“ als große Sieger

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