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Gespräch über „Cloud Atlas“ Wer die Welt retten will, muss wiederkommen

David Mitchells Buch „Der Wolkenatlas“ galt als unverfilmbar. Tom Tykwer und die Geschwister Wachowski haben es dennoch gewagt: Ein Interview mit dem Autor und den drei Regisseuren.

© Courtesy Warner Bros. Entertainm Vergrößern Irgendwo, irgendwann in ferner Zukunft: „Cloud Atlas“ spielt in sechs verschiedenen Epochen

Ihre erste Begegnung mit Tom Hanks soll unter einem Poster von Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ stattgefunden haben, und Hanks erzählte, er habe gerade „Moby-Dick“ gelesen. War das der Bezugsrahmen Ihrer gemeinsamen Arbeit: ein großer Roman des neunzehnten Jahrhunderts, ein großer Film des zwanzigsten? Ging es um diese Riesenwelten, einen Totalitätsanspruch?

Lana Wachowski: Als wir entschieden hatten, dass wir zusammenarbeiten wollten, war klar, dass wir dazu kein nettes Stückchen Leben brauchten, sondern etwas, das groß genug wäre, uns allen Platz zu geben und einander zu finden.

Tom Tykwer: Etwas, das uns nährt und fordert.

L. Wachowski: Wir wollten, dass unsere drei Gehirne stimuliert werden. Die Anekdote meint ja nicht, diese drei wollten jetzt „Moby-Dick“ oder das „2001“ der Gegenwart machen, sondern eher, dass diese Begegnung unter einem guten Stern stand. Denn diese beiden Werke stehen für eine Originalität, die sich von dem Rest dessen, was seinerzeit jeweils üblich war, deutlich abhob. Erst Jahre nach seinem Erscheinen hat man „Moby-Dick“ zu schätzen gewusst, und „2001“ fügte sich auch nicht ins Zeitbild. Sie stehen formal, aber auch ihrem Geist nach für etwas, das die sie umgebenden Sachen noch nicht kannten. Wir wollten ein Kunstwerk machen, das zu sehen sich so ungewöhnlich anfühlt wie Davids Buch bei der Lektüre. Das Erstaunlichste am Buch ist ja, dass es diese ungeheure Liebe zum Geschichtenerzählen und zur Literatur ausstrahlt, ohne je nostalgisch zu sein. David nahm das Bekannte und machte eine neue Form daraus. Kein Pastiche. Und uns interessierte: Kann man das auch im Kino machen? Cinematische Genres, Sprachen umarmen - mit unseren sechs Armen! - und sie neu erfinden.

Das Buch erzählt sechs Geschichten in elf Abteilungen, die vom neunzehnten Jahrhundert bis in die ferne Zukunft reichen. Im Film ist man immer wieder, aber nur für ein paar Minuten, in einer der Geschichten, und sie sind gemischt wie ein Kartenspiel, das dann ausgeteilt wird - sehr flink, aber es fällt nicht auseinander. Und man denkt: Was ist die Rahmenhandlung wovon? Wie haben Sie das gemacht: eine Folge von Höhepunkten, aber drei Stunden lang? Und wie fühlt sich das für den Autor des Romans an?

David Mitchell: Das Buch ist wie eine Matrjoschka-Puppe: Im Innern ist immer noch mal was. Der Film ist eher ein Mosaik, er arbeitet fragmentarischer. Doch es fügt sich zusammen. Wie es sich anfühlt? Wie jeder einzelne Unterschied zwischen Roman und Film: Da hat ein Akt der Übersetzung stattgefunden. Wenn man ein Buch in andere Sprachen übersetzt, darf man das nicht wörtlich machen. Wenn man aus einem Buch einen Film macht, muss man auf andere Weise werktreu sein als buchstäblich. Ein Mosaik braucht mehr Bindemittel - das sind die Zwischenräume, das, was nicht in den Szenen ist, aber sie verbindet. Jemand stellt 1850 eine Frage, und dann wird diese Frage Jahrhunderte danach beantwortet. Das ist nur ein filmischer Augenblick später.

David Mitchell © Gyarmaty, Jens Vergrößern David Mitchell per Skype dabei: „Es wäre enttäuschend gewesen, wenn Andy, Lana und Tom bloß ein Hörbuch mit bewegten Bildern gemacht hätten.“

Alle Verbindungen sind rein filmisch, hergestellt über die Bilder, über den Sound.

Mitchell: Dieser Einfallsreichtum erzeugt einen zweiten Plot, einen Meta-Plot. Manchmal geschieht das mit Architektur, mit Musik. Einmal werden direkt zwei Zeitebenen ineinandergeblendet, und zwei Leute aus verschiedenen Jahrhunderten teilen sich beim Lesen und Suchen eines Textes einen Raum.

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