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Gespräch mit Steven Spielberg Wir spürten den Atem der Fans im Nacken

„Das Geheimnis der ,Einhorn’“ ist Steven Spielbergs Version der Welt von „Tim und Struppi“. Ein Gespräch über Männer, Fahrten und Abenteuer.

© dapd Im Fokus: Jamie Bell als Tim und Struppi als Struppi. Die Schauspieler wurden erst gefilmt und dann digitalisiert, über ihre Gesichter legen sich die der Figuren, wie man sie aus Hergés Comics kennt

Misstrauisch geht man ins Kino, setzt sich hin und die 3-D-Brille auf, aber schon beim eleganten Vorspann zum „Geheimnis der ,Einhorn’“ ist man erleichtert, dass Steven Spielberg als Regisseur und Peter Jackson als Produzent es geschafft haben, „Tim und Struppi“ endlich mal so zu verfilmen, dass es Spaß macht. Dass auf dem Weg aus dem Comic auf die Leinwand den Figuren des belgischen Zeichners Hergé nicht das Leben ausgegangen ist und der Witz. Und dass vor allem die klare Schönheit des Stils nicht ganz verschwindet, und die Spannung.

Der Film verwandelt ziemlich clever drei Bände von Hergé in eine Geschichte. Es geht um einen Schatz, Schiffsmodelle und ein Schloss, aber auch darum, wie Tim, der schon einen besten Freund hat, seinen Hund Struppi, einen neuen dazugewinnt: Käpt’n Haddock. Am Ende höchster Gefahren, heißester Wüsten und tiefster Meere triumphieren die drei dann über ihre bösen Widersacher. Steven Spielberg, 64, dreht schon am nächsten Film, hat aber für ein paar Fragen Zeit.

231011DOK404 © dapd Vergrößern Steven Spielberg las Tim und Struppi zuerst auf Französisch. Die Texte verstand er nicht - den Humor schon

Abenteuer, Piraten, fremde Kulturen, Außerirdische, Tiere, Professoren, das All - wenn man die Comics von „Tim und Struppi“ gegen Ihre Filme hält, könnte man glauben: Sie und Hergé teilen sich die gleiche DNA. Wie war das, als Sie zum ersten Mal der Welt von Hergé begegnet sind?

Ich weiß nicht, ob ich da wirklich sofort an mich selbst gedacht habe. Aber mir wurde schlagartig klar, dass Hergé schon seit Jahrzehnten eine Welt illustrierte, in der ich mein ganzes Leben lang zu Hause sein wollte. Sowohl als Zuschauer und auch als Geschichtenerzähler. Ich würde mir nie anmaßen, mit Hergé eine DNA teilen zu können, seine ist einzigartig. Aber ein Teil seiner Welt zu sein, das habe ich mir schon gewünscht.

Haben Sie Hergé noch persönlich kennengelernt?

Nein, unglücklicherweise nie. Aber es war eine große Ehre, dass ich mit ihm telefonieren durfte.

Wie war er?

Energetisch und lebhaft, er hat mir sehr viele Komplimente gemacht, und er hat mich nach Belgien in sein Atelier eingeladen. Und genauso enthusiastisch hat er darüber geredet, dass ich einen Film aus seinen Bänden machen könnte.

Hergé ist 1983 gestorben, Sie haben die Filmrechte seither gehalten - aber warum hat es so lange gedauert bis zu dem Film jetzt?

Einerseits, weil ich etwas eingeschüchtert war, ich bin einfach sofort ein Fan seiner Geschichten geworden, wollte mich aber dagegen behaupten. Um überhaupt Hergés Vision auf der Leinwand umsetzen zu können, musste ich in der Lage sein, eine der Geschichten so zu adaptieren, dass er stolz darauf gewesen wäre. Also habe ich die Messlatte selbst weit über meine Möglichkeiten gehoben, ich habe zwei, drei Drehbücher entwickelt, mit denen ich nicht glücklich war. Keins fühlte sich an, als würde es Hergé gerecht werden, also ließ ich die Rechte ruhen und habe mich anderen Filmen gewidmet.

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Also lag es nicht daran, dass die Technik noch nicht so weit war?

Nein. Die Drehbücher waren es einfach nicht wert, um daraus einen Hergé-Film zu machen. Um Visuelles ging es gar nicht.

Man könnte das aber glauben, wenn man sich klarmacht, wie viel Sie anstellen mussten, um so etwas Schlichtes wie Hergés „ligne claire“ auf die Leinwand zu bringen. Sie haben Ihre Schauspieler auf einer sogenannten Performance Capture Stage gefilmt, um sie danach am Computer Tim und Haddock und Schulze und Schultze anzuverwandeln. Sie haben eine spezielle Kamera konstruiert. Zwei Jahre Vorbereitung, tonnenweise Technik und eine riesige Crew für etwas, was Hergé immer nur mit ein paar Strichen und klaren Farben erreicht hat. War das nicht frustrierend?

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