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Gespräch mit Michael Caine : Achtzig Jahre King of Cool

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Michael Caine mit der französischen Schauspielerin Clemence Poesy Ende Juni bei der Premiere ihres Film „Mr. Morgan’s Last Love“ in München Bild: dpa

Man muss immer die Kontrolle behalten: Der englische Schauspieler Sir Michael Caine über seine Herkunft, eine Begegnung mit Marlene Dietrich und das Ärgernis von Nacktszenen im Film.

          Der englische Schauspieler Michael Caine wurde 1933 in London geboren und hat in so vielen Filmen gespielt, dass nicht einmal er weiß, wie viele es waren (er schätzt 150, darunter etwa 90, in denen er die Hauptrolle spielte). Sechsmal war er für einen Oscar nominiert - für „Hannah und ihre Schwestern“ (1987) und „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ (2000) gewann er ihn. Jüngeren Menschen ist er vermutlich vor allem als Butler aus den „Dark Knight“-Batman-Filmen bekannt. Er ist mit einer ehemaligen Schönheitskönigin verheiratet, hat zwei Töchter, drei Enkelkinder, lebt in England und dreht nach wie vor viel. Unlängst erhielt er beim Münchner Filmfest einen Preis für sein Lebenswerk.

          Als Sie ein junger Schauspieler waren, haben Sie sich selbst ein Image verpasst, um berühmt zu werden. Es bestand darin, eine Brille zu tragen, zu rauchen und sich an Plätzen sehen zu lassen, die gerade angesagt waren. Was wollten Sie damit ausdrücken?

          Meine Absicht war es, der Vorstellung entgegenzuwirken, die Menschen üblicherweise von meiner Herkunft hatten.

          Sie sind das, was man in England einen Cockney nennt. Jemand, der aus der Londoner Arbeiterklasse stammt.

          Richtig. Und in den sechziger Jahren wurden Typen wie ich in Filmen für gewöhnlich als ignorante, brutale, grobschlächtige Haudegen gezeigt. Dumme Gangster, die nicht mal richtiges Cockney sprachen. Wir haben uns im Kino immer totgelacht, ich und meine Gang, wenn wir die auf der Leinwand sahen. Und dann kam ich: der Cockney-Typ mit Brille, der vermutlich genauso schlau ist wie du - also vertue dich mal nicht! Deshalb bin ich Schauspieler geworden: um Cockney-Typen mit dem korrekten Akzent zu spielen - und der korrekten Geisteshaltung.

          Sie trugen damals dicke Hornbrillen, wie sie heute wieder modern sind. Erinnern Sie sich noch, wie Sie Ihr erstes Paar bekommen haben?

          Ich wusste lange nicht, dass ich kurzsichtig bin. In dem Milieu, aus dem ich herkomme, wird nicht allzu viel Wert auf medizinische Untersuchungen gelegt. Erst mit 18 Jahren, bei meiner Musterung für den Militärdienst, habe ich erfahren, dass ich eine Brille brauchte. Mein erstes Paar bekam ich von der Armee, ein billiges Metallteil. Die Hornbrille habe ich mir dann später selbst ausgesucht. Und sie wurde berühmt, weil ich einen Film damit drehte, der in England ein großer Erfolg war. Ein Spionagethriller, „The Ipcress File“. Ich war die erste männliche Hauptrolle seit dem amerikanischen Komiker Harold Lloyd, der Brille trug.

          War Stil etwas, das Ihnen wichtig war?

          Es war mir selbst nicht so bewusst, was ich machte, aber ich galt schnell als „King of Cool“. Ich war immer schon eher cool, was Mode angeht. Ich trug nie etwas, bei dem jemand hätte denken können, oh, schau dir an, was er anhat, das ist ja sensationell. Exzess im Benehmen oder in der Erscheinung fand ich schon immer armselig.

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          Ihr Vater hat auf einem Fischmarkt gearbeitet. Sehen Sie ihm ähnlich?

          Nein. Das heißt, eigentlich sehe ich ihm sogar sehr ähnlich, aber wir haben ganz andere Farben. Ich war blond, als ich jung war, und ich habe die blauen Augen von meiner Mutter. Ich habe das Gesicht meines Vaters, aber in Hell.

          Ihr Vater war zur Hälfte Zigeuner.

          Ja. Er hatte eine leicht gekrümmte Nase und war sehr dunkel. Ich weiß nicht, warum ich so groß geworden bin. Ich bin 1 Meter 88, mein Vater war 1 Meter 74. Meine Mutter nur 1 Meter 53, sie war eine kleine, dicke Frau.

          Haben Ihre Eltern viel gelesen oder Wert darauf gelegt, dass Sie eine gute Ausbildung bekamen?

          Ich werde Ihnen erzählen, was mir passiert ist. Ich wurde während des Kriegs evakuiert, ich kam auf eine kleine Dorfschule. Und die Schulleiterin nahm mich unter ihre Fittiche. Offensichtlich war ich ein intelligenter kleiner Junge, sie gab mir Privatstunden, und aus mir wurde der erste Schüler dieser Schule, der jemals ein Stipendium für eine weiterführende Schule bekommen hat. Sie hat mir auch beigebracht, Poker zu spielen. Da war ich sieben.

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