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Fußballübertragung Bundesliga zum halben Preis

22.03.2006 ·  Arena hat nach dem Erwerb der Pay-TV-Rechte heimlich, still und leise Fakten geschaffen, um in Zukunft das Produkt Fußball-Bundesliga zur Kundschaft nach Hause transportieren zu können. Die Fans wird der Spaß wohl weniger kosten als bei Premiere.

Von Roland Zorn
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Der Name der Agentur könnte Programm werden. Wenn die Arena Sport Rechte und Marketing GmbH am kommenden Montag in München ihr Dreijahreskonzept vorstellt, wird der neue Sender, der vom ersten Spieltag der Saison 2006/07 an für zunächst drei Jahre über die Fußball-Bundesliga im Abonnentenfernsehen berichtet, möglicherweise auch Arena heißen.

Nach Informationen dieser Zeitung zeichnet sich dieser Name ab, nachdem die hundertprozentig hinter Arena stehende Kabelbetreibergesellschaft Unity Media mit den dazugehörigen Kabelunternehmen ish, iesy und TeleColumbus einem Münchner Lokalsender die Namensrechte abgekauft haben soll. So schlösse sich allmählich ein Pay-TV-Kreislauf, der am 7. August pünktlich zum Ligastart beim Konsumenten ankommen soll. Und das zu Preisen, die monatlich, so ist zu hören, bei 15 bis 16 Euro liegen könnten - billig im Vergleich zu Premiere, das die Bundesliga und anderen Sport zu 34,80 Euro im Angebotsbukett hat.

Fakten geschaffen

Immerhin hat Arena, ohne damit große Schlagzeilen produziert zu haben, nach dem Erwerb der Pay-TV-Rechte für drei Spielzeiten zu jeweils 250 Millionen Euro weitere Fakten geschaffen, um in Zukunft das Produkt Bundesliga sendefertig über das Kabel oder per Satellit zur Kundschaft zu transportieren. Der Nachfolger von Premiere erwarb eine Sendelizenz über zehn Jahre von der nordrhein-westfälischen Landesmedienanstalt, schloß mit dem bundesligaerfahrenen Dienstleister Plazamedia einen Deal über die produktionstechnische Abwicklung der Live-Übertragungen aller Spiele und unterzeichnete mit dem Satellitenbetreiber Astra einen Vertrag.

Das alles mit dem Segen des Bundeskartellamts. Nach Informationen von Insidern sollen auch die Aussichten auf gute Zusammenarbeit mit Kabel Deutschland gut stehen, so daß damit zu rechnen ist, daß Arena eine Grundbedingung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) beim Rechtekauf locker wird erfüllen können: Die vierzigprozentige Marktabdeckung für den Anfang der Liaison zwischen DFL und neuem Bezahlfernsehpartner scheint gewährleistet.

Kofler vehandelt noch

Während Arena schon Verträge mit bisherigen Premiere-Reportern abgeschlossen hat, Albrecht Schmitt-Fleckenstein Redaktionschef des neuen Bundesliga-Anbieters wird und der bisher für Sat.1 durch die Live-Übertragungen von der Champions League führende Oliver Welke wohl als Moderator auf dem Sprung zu Arena ist, fragen sich viele, ob und wann welche Rolle der bisherige Pay-TV-Platzhirsch Premiere künftig in puncto Bundesliga spielen wird. Dem Vernehmen nach führt der Vorstandsvorsitzende Georg Kofler noch Gespräche mit Arena, ob auch für ihn und die redaktionellen Mitarbeiter, die dem Sender treu bleiben, noch ein Stück vom Bundesliga-Kuchen über die Satellitenschiene übrigbleibe.

Die Chancen indes, mit Arena ins Geschäft zu kommen, stehen schlecht. Die Münchner Nachbarn des Unterföhringer Zampanos Kofler haben die anfangs eine Spur zu süffisanten Bemerkungen des Premiere-Vorstandsvorsitzenden über den "Nobody" Arena gar nicht so gern gehört.

Fragenzeichen hinter der Telekom

Bliebe noch eine Partnerschaft mit der Deutschen Telekom, die die Internetrechte an der Bundesliga für die kommenden drei Spielzeiten gekauft hat. Noch aber gibt es keine Abmachung zwischen dem Bonner Telekommunikationsriesen und dem Münchner Abosender, der dann als Sublizenznehmer der Telekom aufträte. Sublizenzen aber sind an eng gesteckte Bedingungen gebunden, die von der DFL bestimmt werden. Das hieße im Fall Telekom unter anderem, daß wohl nur T-Online-Kunden in den Genuß von Bundesliga-Übertragungen kämen, für die dann ein Decoder fällig würde. Da die Telekom noch nicht soweit ist, Bundesliga-Bilder über das Internetfernsehen flächendeckend zu einem erstklassigen Standard auszustrahlen und der Kunde dafür einige Umrüstungen in Kauf nehmen müßte, scheint eine Realisierung der Verbindung zwischen dem Sender, der qualitative Maßstäbe gesetzt hat, und dem Unternehmen, das seine vielleicht noch große Fernsehzukunft vor sich hat, im Augenblick mit vielen Fragezeichen behaftet.

Ob die Telekom am Ende für die Breitbandklientel mit normalen DSL-Anschlüssen im Verein mit ihrem potentiellen Zulieferer Premiere zunächst Ruckelbilder von der Liga anbieten möchte oder vorerst im stillen an der Perfektionierung ihrer fernsehtechnischen Möglichkeiten arbeiten will, wird sich schon bald zeigen. Mag sein, daß man deshalb in Bonn noch zögert, ehe richtungweisende Partnerschaften geschlossen oder Fernsehpläne verkündet werden. Dem Vernehmen nach war ursprünglich daran gedacht, den Deal zwischen der dezenten Telekom und Premiere (nicht ganz so dezent) bei der Cebit in Hannover zu verkünden. Die ist vorbei, und die Frage, wer wann mit wem und warum überhaupt, bleibt fürs erste unbeantwortet.

"Es wird keine zwei Pay-TV-Angebote geben", hat Christian Seifert, der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, vorhergesagt. Der Badener hat sich beim Aushandeln der neuen TV-Verträge bisher als weitsichtig und umsichtig erwiesen. Diejenigen, die Arena zunächst kaum zutrauten, die anspruchsvolle Aufgabe nach Premiere zu stemmen, könnten noch eines Besseren belehrt werden.

Quelle: F.A.Z. vom 23. März 2006
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