28.02.2009 · Gleich zwei Damen entführten die Césars nach Belgien, Vincent Cassel bekam eine Trophäe für daheim, während seine Ehefrau Monica Bellucci eine andere in den Nahen Osten abgab, und „Sch'tis“-Star Dany Boon kam in greller Jogginghose: In Paris wurden die französischen Filmpreise verliehen.
Vincent Cassel, einer der Stars in „Ocean's 12“ und „Ocean's 13“, ist am Freitag bei der Verleihung der französischen Filmpreise in Paris zum besten männlichen Hauptdarsteller gekürt worden. Er erhielt die begehrte Trophäe César für seine Rolle als berüchtigter französischer Verbrecher Jacques René Mesrine in dem französischen Film „Public Enemy No.1“. Der Thriller selbst, der in zehn Kategorien nominiert worden war, erhielt nur noch eine weitere Auszeichnung für die beste Regie.
Eindeutiger Sieger des Abends wurde der Film „Séraphine“ von Martin Provost: Die Geschichte des Dienstmädchens Séraphine Louis, das mit Hilfe eines deutschen Kunstsammlers für kurze Zeit als naive Malerin Furore macht und völlig verarmt in der Psychiatrie stirbt, erhielt insgesamt sieben Césars, darunter als bester französischer Film, für die beste Schauspielerin (Yolande Moreau), die beste Musik und das beste Originaldrehbuch.
„Den werden Sie eh nie bekommen, den César“
Den César als bester ausländischer Film gewann der erste animierte Dokumentarfilm „Waltz with Bashir“ des israelischen Regisseurs Ari Folman (siehe auch: Video-Filmkritik: „Waltz with Bashir“). Die Dokumentation über die Gräuel des ersten Libanon-Kriegs von 1982 war im Januar bereits mit dem Golden Globe (siehe auch: Zwei Golden Globes für Kate Winslet, vier für „Slumdog Millionaire“) für den besten ausländischen Film ausgezeichnet worden. „Die Klasse“ von Laurent Cantet (siehe auch: Kino: Laurent Cantets „Die Klasse“) erhielt den begehrten Preis als beste Roman-Adaption. Dustin Hoffman bekam einen Ehren-César für sein Lebenswerk.
Für Lacher sorgte der Produzent der französischen Komödie „Willkommen bei den Sch'tis“, Dany Boon (siehe auch: 18 Millionen Zuschauer können nicht irren: Der Kinofilm „Bienvenue chez les Ch'tis“). Demonstrativ stieg er mit gelber Hose auf die Bühne und versicherte dem erstaunten Publikum, dies sei sein „Smoking“ für die César-Verleihung: Die Verkäufer hätten sich geweigert, ihm einen echten zu verkaufen mit dem Argument „Den werden Sie eh nie bekommen, den César“. Der Schauspieler hatte zuvor sichtlich verschnupft darauf reagiert, dass sein Publikumsrenner nur einmal - für die beste Regie - nominiert worden war. Ursprünglich wollte er erst gar nicht zur Gala kommen - überlegte es sich dann aber doch noch anders.
Die wichtigsten Auszeichnungen im Überblick:
Bester französischer Film: „Séraphine“ von Martin Provost
Beste Regie: Jean-François Richet für „L'Ennemi Public N° 1“
Bester Hauptdarsteller: Vincent Cassel in „L'Ennemi Public N°1“
Beste Hauptdarstellerin: Yolande Moreau in „Séraphine“
Bester Nebendarsteller: Jean-Paul Roussillon in „Un conte de Noël“
Beste Nebendarstellerin: Elsa Zylberstein in „Il y a longtemps que je t'aime“
Bester Nachwuchsdarsteller: Marc-André Grondin in „Le premier jour du reste de ta vie“
Beste Nachwuchsdarstellerin: Déborah François in „Le premier jour du reste de ta vie“
Bestes Regiedebüt: „Il y a longtemps que je t'aime“ von Philippe Claudel
Bester ausländischer Film: „Waltz with Bashir“ von Ari Folman
Ehrenpreis für das Lebenswerk: Dustin Hoffman