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Francis Ford Coppola zum 70. : Der wahre Buddha der Traumfabrik

Hollywood war gestern, sein Kino ist von morgen: Der Regisseur Francis Ford Coppola verewigte sich mit Filmen wie „Der Pate“ und „Apocalypse Now“ in der Filmgeschichte. Heute wird er siebzig Jahre alt.

          Heute wird Francis Ford Coppola siebzig Jahre alt. Schon? Erst? Seine besten Filme, die „Paten“-Trilogie, gedreht 1972, 1974 und 1990, und „Apocalypse Now“ aus dem Jahr 1979 mit einer „Redux“-Fassung von 2001, sind zeitlose Meisterwerke, Jahrhundertfilme, deren Schöpfer man jenseits des banalen Umstands wähnt, dass wir alle älter werden. Andererseits liegt ihre Entstehung ja schon eine Weile zurück. Dass wir uns Francis Coppola einerseits nicht alternd vorstellen können, andererseits natürlich auch nicht das Bild eines Jünglings vor Augen haben, wenn wir an ihn denken, hat vielleicht damit zu tun, dass er selbst immer in einer anderen Zeit zu Hause war als der, auf die ihn das Publikum und die Studios festnageln wollten.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Mit den Studios, deren Geld er mit vollen Händen dafür ausgab, dass seine Filme so aussahen, wie er wollte, focht er sein Arbeitsleben lang. Er bot Hollywood die Stirn - und wollte das Kino Ende der Siebziger mit dem Geld des „Paten“ und der Gründung seines eigenen American Zoetrope Studios revolutionieren, scheiterte aber schnell.

          Drang zur Bewegung

          Coppola selbst sagt in seinem bewegenden Audiokommentar auf der DVD des dritten „Paten“-Films, die Vergangenheit liege mit der Zukunft ständig im Krieg. Diesen Kampf um die Zukunft, darum, weiterzugehen, im künstlerischen wie im persönlichen Leben voranzukommen, spürt man, wenn man Coppola begegnet. Man spürt ihn, wenn man die „Pate“-Trilogie hintereinander weg sieht in der Entwicklung der Figuren, ihrer Geschäfte, ihrer Familien und des Landes.

          Und auch wenn seine ungefähr zwanzig weiteren Filme auf den Jahrhundert-Bestenlisten der Kritiker und Filminstitute nicht vorkommen - obwohl zu ihnen doch immerhin „The Conversation“, entstanden im selben Jahr wie der „Pate II“, oder „The Outsiders“ und „Rumble Fish“ von 1983 oder selbst „Bram Stoker's Dracula“ von 1992 gehören -, kann man auch in ihnen diesen Kampf sehen: dass die Vergangenheit in Gestalt seiner besten Filme ihn immer wieder zurückzieht an Orte, die er eigentlich hinter sich gelassen hat, dorthin, wo der Erfolg war, nicht nur der kommerzielle, auch der künstlerische.

          Alterslosigkeit eines Buddhas

          Coppola ist davon überzeugt, dass sich Künstler mehr für die Zukunft zu interessieren haben als irgendjemand sonst. Weil die ganze Welt ihn daran zu hindern schien, diesem Interesse nachzugehen, verstummte er künstlerisch für ein ganzes Jahrzehnt. Er entkam dem Dilemma zwischen den Zeiten, indem er Wein anbaute, ein Magazin für Kurzgeschichten gründete, ein Vermögen anhäufte, seine Kinder förderte und erst wieder mit einem Film auftauchte, als er genau wusste, dass ihm niemand mehr den Weg in die Zukunft verstellen konnte. Dieser Film war „Jugend ohne Jugend“. Er feierte im Oktober 2007 in Rom Premiere, und wer Coppola dort erlebte, konnte einen Mann sehen, dem nicht einmal die Kritik, sein lange erwarteter Film sei seifig und ein Thriller ohne Thrill, etwas anhaben konnte. Coppola sah aus wie einer, der nicht mehr auf seine Wiedergeburt warten muss, weil er bereits zu Lebzeiten die Gelassenheit, Gestalt und Alterslosigkeit eines Buddhas erreicht hatte.

          Jetzt hat er wieder einen Film gedreht. „Tetro“ entstand in Argentinien, die Konflikte zwischen Vater und Söhnen und unter den Brüdern, um die es in der Geschichte geht, sind, wie Coppola auf Youtube erklärt, von „mystischen Proportionen“, und es ist der erste Film nach einem Originaldrehbuch, das er seit „The Conversation“ geschrieben hat. Dreißig Jahre ist das her, und wenn man sieht, wie er vor der Kamera herumalbert, während er davon erzählt, scheint er vollkommen mit sich im Reinen zu sein. Es braucht wahrscheinlich nicht nur Geduld, sondern auch ein Stück Unsterblichkeit, so lange auszuharren, bis eine Vergangenheit wie die, in der es den „Paten“ gab, Oscars, Marlon Brando und die Paramount, der Zukunft Platz macht.

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