16.06.2005 · Katie Holmes, niedliche neue Freundin von Tom Cruise und ebenfalls Schauspielerin, ist in Toledo geboren, lebt in New York und war Star einer Serie, die in Wilmington spielte. Jeder Ort hätte sie gern nur für sich.
Die gerade mal sechsundzwanzig Jahre alte Katie Holmes hat weder das Rad noch den Nouveau roman erfunden, verhindert keinen Völkermord, kann kein Land regieren und operiert auch niemanden am offenen Herzen.
Sie spielt bloß in Filmen und Fernsehserien Präsidententöchter, Künstlerinnen, Punkrock-Gören, psychopathische Elitestudentinnen und Batmans Freundin - das aber so gekonnt und niedlich, daß man sie überall, wo sie auftaucht, festnageln, fressen und behalten will: Die Einwohner von Toledo im amerikanischen Bundesstaat Ohio, wo Holmes geboren ist, sehen sich noch heute gern als Nachbarn der Schönen, während - für hiesige Verhältnisse eine Welt weit weg von Toledo - im Städtchen Wilmington in North Carolina, wo Holmes während der langjährigen Dreharbeiten zur Fernsehserie „Dawson's Creek“ ein Häuschen besessen hat, zahlreiche Fischrestaurants, Club-Cafes und Tante-Emma-Läden mit von ihr signierten Fotos und der Behauptung werben, Holmes sei „praktisch jeden Tag“ dagewesen, was wiederum die mit prominenten Mitbürgern im Grunde bekanntlich längst hinreichend gesegneten New Yorker dazu gereizt hat, diese fleißige junge Frau sofort nach ihrem kürzlich dorthin erfolgten Umzug als typische New Yorkerin zu reklamieren.
An der Seite von Tom Cruise
Eine tollkühne Behauptung, die der Frauen- und Trendzeitschrift „InStyle“ sofort eine von Holmes veranstaltete mehrseitige Stadtführung wert war, während man die Umtriebige gleichzeitig in Italien und Los Angeles, wo sie vermutlich demnächst eingemeindet wird, an der Seite von Tom Cruise direkt und fotogen mitten ins Blitzlicht fallen sah. Den Vogel aber haben endlich die Engländer abgeschossen, die sich ohne den Hauch einer Begründung dazu verstiegen, Holmes auf der Titelseite des „Daily Telegraph“ vom 13. Juni aus Anlaß der Premiere ihres neuen Batman-Films stolz als „the British actress Katie Holmes“ zu beanspruchen - ein Akt des bizarrstmöglichen Chauvinismus, den die amerikanischen bloody colonials bei Gelegenheit wohl via Entführung und Zwangseinbürgerung von Camilla, Kate Beckinsale und Mr. Bean rächen werden.
Und Katie Holmes? Wo gehört sie jetzt eigentlich hin? Wie wird sie mit diesem ganzen lokalpatriotischen Wahnsinn fertig? In Anbetracht der Tatsache, daß der ja schließlich in einer deutschen Zeitung erschienene Text, den Sie gerade lesen, in einem von all den genannten gierigen Holmes-Gastgebern auch nicht annähernd erreichten Ausmaß Verständnis für die verwuschelte Situation demonstriert, in der sich Holmes befindet, sollte sie sich ernsthaft überlegen, wie schön es am Main sein kann.
Alles, was ihre neuen Landsleute dafür gegebenenfalls verlangen würden, wäre vielleicht eine kleine Namensänderung, dann kann es, der Stabilität von Karriere und Seelenzustand zuträglich wie nur was, in der enttäuschten Weltpresse auf Jahrzehnte hinaus heißen: Käthchen bleibt deutsch!