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Oskar Roehler im Gespräch : Butterfly-Schwimmen im Landwehrkanal

Oskar Roehler bei den Dreharbeiten von „Tod den Hippies - Es lebe der Punk!“ Bild: © X Verleih AG

Oskar Roehler hat einen Roman über das wilde West-Berlin der achtziger Jahre geschrieben, der „Mein Leben als Affenarsch“ heißt. Und ihn gleich selber verfilmt: „Tod den Hippies - Es lebe der Punk!“

          In der Danksagung Ihres Romans heißt es: „West-Berlin, in dem Zustand, als es noch von einer Mauer umgeben war.“ Zugleich ist das Buch voller Hasstiraden des Ich-Erzählers gegen dieses Berlin? War das der besondere Kick für Sie?

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich mich an dieses düstere Jahrzehnt erinnern konnte. Ich hatte keine Lust, über das Scheitern meiner und anderer Biografien in den achtziger Jahren nachzudenken. Ich habe es dann doch fertig gebracht, mich noch mal in diese Figur hinein zu versetzen, mit allen Tricks und Kniffen, über die man mit dem Alter verfügt. Das Ich von damals hätte gar keine Aussagen treffen können. Hätte man ihn etwas gefragt, diesen Oskar Roehler oder wie auch immer man ihn nennen will, hätte man Schweigen als Antwort geerntet oder: „Willst du was in die Fresse?“. Er war ein sehr verstörter Spätpubertätskrüppel, der finster auf seine Füße starrte und ein schwarzes Loch war, das alles Negative in sich eingesogen hatte. Und zugleich ein hemmungsloser Clown, der sich daneben benommen hat, wenn er die Chance dazu hatte.

          Rückblickend gesehen war die Negativität von Berlin also doch eine Art von Inspiration?

          Eigentlich nicht. Die Negativität hat mich ja daran gehindert, mich künstlerisch zu betätigen, mir stand viel zu viel im Weg, Schwierigkeiten mit mir selber, mit den Umständen, dem Geld. Ich hab dann irgendwann mal behauptet, Schuld daran seien die Eltern, das postuliere ich mit einem gewissen Humor, glaube ich, in Buch und Film. Aber wenn jemand nicht erzogen wird, wenn man ihm keine Leitlinien gibt, wie er sich zum Leben verhalten soll, dann kommt er ins Schleudern. Ich hatte allerdings einen anderen Background als viele der Vollproleten, mit denen ich anfangs zu tun hatte. Ich hatte ja noch eine Option, es gab Bücher bei den Eltern, und ich habe immer schon wahnsinnig viel gelesen als Weltflucht. Das habe ich in Berlin beibehalten, an die Bücher konnte ich mich klammern. Als der Punkt erreicht war, dass ich nicht mal mehr lesen konnte, wusste ich, jetzt bin ich wirklich ganz tief in der Klemme.

          Sie springen jetzt zwischen erster und dritter Person. Wie autobiografisch darf man das Buch denn verstehen?

          Alexander Scheer als Blixa Bargeld  im „Risiko“, der Underground-Bar der achtziger Jahre Bilderstrecke
          Alexander Scheer als Blixa Bargeld im „Risiko“, der Underground-Bar der achtziger Jahre :

          Laut Verlagsjustitiar darf man es gar nicht so lesen. Viele die Figuren sind vorgegeben, ich habe einige getroffen und einiges mit ihnen erlebt. Aber dieser Roman funktioniert stärker als „Herkunft“ auf der Reflexionsebene, da ist einer, der die Welt erklären will, die Hassrhetorik ist ein klares Zeichen dieses Aussätzigen, der ja fast schon ein Penner ist. Nur seine Wohnung trennt ihn noch vom Obdachlosen. Und er definiert sich dann ja auch über eine Metapher. Nach Ansehen von David Lynchs „Eraserhead“ trifft er ein Mädchen, das ihm mit ihrem schlauen Gequatsche die Magie des Film ruiniert. Er springt dann in voller Montur inklusive Wehrmachtsmantel in den Landwehrkanal und schwimmt Butterfly, so wird der Schwimmer zur Metapher für den gesammelten Wahnsinn Berlins.

          Das haben Sie aber nicht selbst erlebt?

          (lacht) Nein, bestimmt nicht. Dann wäre ich noch mit dem Backenzahn von Rosa Luxemburg auf dem Kopf aufgewacht. Das Ganze lebt davon, dass ich von realen Personen und surrealen Situationen ausgegangen bin. Im Grunde erinnert man sich ja nicht so exakt. Man hat viele Begebenheiten vergessen, aber erinnert sich an Zustände, an die Drogenerlebnisse. Über die Jahre, mit dem nötigen Abstand kann ich zergliedern, was das für Empfindungen waren. Und die sind so skurril und absurd, dass ich sie aufschreiben musste.

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