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Filmregisseur Barry Levinson : Keiner kennt die Mächtigen Hollywoods

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In „Inside Hollywood“ gibt Regisseur Barry Levinson Einblick in den ganz normalen Wahnsinn der Traumfabrik. Ein Interview über zickige Stars, die Macht der Konzerne und das von den Studiobossen gehasste Ende seines Filmes „Rain Man“.

          In „Inside Hollywood“ gibt Regisseur Barry Levinson Einblick in den ganz normalen Wahnsinn der Traumfabrik. Ein Interview über zickige Stars, die Macht der Konzerne und das von den Studiobossen gehasste Ende seines Filmes „Rain Man“.

          In „Inside Hollywood“ geben Sie uns einen Einblick in den ganz normalen Wahnsinn des Filmemachens. Geht es in der Traumfabrik tatsächlich so zu wie in Ihrem Film?

          Ja, ich habe so gut wie nichts satirisch überspitzt und glaube, dass der Film der Realität sehr nahe kommt. Es war nie meine Absicht, eine Satire über Hollywood zu drehen. Ich denke, das ist auch kaum möglich, denn der dortige Alltag ist selbst schon viel zu bizarr. Jeder in der Filmbranche kann ein Lied davon singen.

          Was waren denn Ihre verrücktesten Erlebnisse?

          Am absurdesten waren eigentlich immer die Versuche der Studiobosse, mir die Pistole auf die Brust zu setzen, wenn sie mit einem meiner Filme nicht einverstanden waren. Sie haben beispielsweise den Schluss von „Rain Man“ gehasst: Da steigt Dustin Hoffman in den Zug, ohne Tom Cruise überhaupt wahrzunehmen, geschweige denn, ihm noch einen letzten Dankesblick zuzuwerfen. Die Chefs von MGM wollten ein erbaulicheres, kitschigeres, unglaubwürdigeres Ende. Das haben sie aber nie gesagt. Stattdessen sagten sie mir mehrmals: „Falls Sie je den Wunsch verspüren sollten, den Schluss des Films zu verändern, dann haben Sie unsere volle Unterstützung!“

          In „Inside Hollywood“ rastet Bruce Willis am Set völlig aus und weigert sich stur, seinen Zottelbart abzurasieren. Man mag kaum glauben, dass so etwas möglich ist.

          Ja, aber genau das ist bei den Dreharbeiten zu Lee Tamahoris Film „Auf Messers Schneide“ tatsächlich passiert. Es ist ein offenes Geheimnis in Hollywood, dass es Alec Baldwin war, der sich damals so aufgeführt hat. Erstaunlicherweise konnte ich Bruce Willis problemlos davon überzeugen, diese Rolle zu übernehmen: Ich gab ihm das Skript zu lesen, und er sagte sofort zu, obwohl ich ihn zuvor gewarnt hatte, dass wir ihm keine Gage zahlen konnten. Von ihm selbst kam sogar der Vorschlag, seine Figur nicht wie im Drehbuch neutral „Filmstar“ zu nennen, sondern „Bruce Willis“. Wie Sie sehen, hatte er überhaupt keine Angst, sich lächerlich zu machen.

          Hatten Sie selbst mit ähnlich zickigen Stars zu kämpfen wie der Produzent in Ihrem Film?

          Sicher. Ich verrate Ihnen natürlich nicht, mit wem. Aber ich erzähle Ihnen gern, dass ich einmal einen Schauspieler fast nicht erkannt hätte, als ich ihn kurz vor Drehbeginn in seinem Wohnwagen besuchte, denn er trug plötzlich ein Toupet. In einem Anfall von Eitelkeit weigerte er sich, das Ding wieder abzusetzen. Da sagte ich zu ihm: „Hör mal, dieses Toupet passt überhaupt nicht zu deiner Filmfigur. In einer Stunde fangen wir an zu drehen. Bis dahin kannst du dir überlegen, ob du dabei sein willst oder nicht. Der Mann, den ich engagiert habe, trägt jedenfalls kein Toupet. Basta.“ Eine Stunde später erschien er pünktlich am Set. Ohne Toupet.

          Eine Frage lässt Ihr Film unbeantwortet: Wer hat denn nun wirklich das Sagen in Hollywood? Regisseure? Produzenten? Studiochefs?

          Keiner von ihnen. Die Zeiten, in denen persönliche Beziehungen im Filmgeschäft eine Rolle spielten und zigarrerauchende Produzenten die Strippen zogen, sind seit den neunziger Jahren passé. Letztlich haben nicht einmal mehr die Studiobosse etwas zu melden: Heutzutage liegt die ganze Macht in den Händen gesichtsloser multinationaler Konzerne, die sich für nichts anderes interessieren als für maximalen Profit. Niemand in Hollywood weiß genau, wo die Vorstände dieser Konzerne zu finden sind oder wie sie aussehen. Darum sind alle Filmleute nervös und verängstigt. Jeder versucht nur noch krampfhaft, seinen Kopf über Wasser zu halten.

          Wie haben Sie es geschafft, in diesem Haifischbecken so lange zu überleben?

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