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James Francos neuer Film : Das Schlechte schlechtmachen

  • -Aktualisiert am

Er sieht auch nicht besser aus, als der Film ist: James Franco in der Rolle des Katastrophenkünstlers Tommy Wiseau. Bild: dpa

Eine witzlose Satire über die Entstehung eines üblen Films, mit einem arroganten Star in der Hauptrolle, der seine reale Vorlage dumpf denunziert: „The Disaster Artist“ im Kino.

          Eine der Erfindungen des 20. Jahrhunderts sind Kunstwerke, die so schlecht sind, dass sie schon wieder gut sind. Man kann vermutlich fast jedes Werk einmal so um die schlingernde Achse der Kriterien winden, dass es als „irgendwie“ meisterhaft erscheint. So soll es auf jeden Fall auch bei dem Film „The Room“ (2003) von einem gewissen Tommy Wiseau gewesen sein, einem Beziehungsdrama um einen Banker in San Francisco, den seine Frau mit seinem besten Freund betrügt. Nach allem, was zu lesen steht, handelt es sich dabei um einen Film, der vor allem von dem Ehrgeiz erzählt, in Hollywood einen Film zu machen. Dafür gibt es eine Industrie, die vom Blockbuster bis zum Schundfilm alle Abstufungen an Qualität und Budget aufzuweisen hat, wie das in einer differenzierten Ökonomie halt so ist. Und „The Room“ hat es geschafft, mit alldem nichts zu tun zu haben, sondern wurde so richtig auf eigene (intellektuelle wie ästhetische wie finanzielle) Rechnung gemacht, und wäre dann wohl auch sang- und klanglos durchgefallen, wenn es nicht ebendiese Denkfigur gäbe, die an einer Umwertung aller Werte im kulturellen Betrieb etwas finden würde. „The Room“ ist jedenfalls irgendwie Kult geworden, und es gibt inzwischen auch ein Buch über die Herstellung, in dem Greg Sestero die ganze Geschichte zum Besten gibt.

          Dieses Buch trägt den Titel „The Disaster Artist“, und ist nicht zuletzt das Porträt eines sehr merkwürdigen Menschen: Tommy Wiseau, Regisseur und Hauptdarsteller in „The Room“. Eine mysteriöse Persönlichkeit, wie man so schön sagt, und nun eine Steilvorlage für einen der umtriebigsten Schauspieler seiner Generation: James Franco ist mehr als nur ein Star, er ist eine Art Verbindungsmann der Filmindustrie in Bereiche, die sogar noch mehr Prestige haben als Hollywood. Franco umgibt sich mit einer Aura des Bohemiens und Künstlers, vor allem aber kultiviert er sich als unberechenbarer Außenseiter. Und nachdem die Filmbiographie des „schlechtesten Regisseurs aller Zeiten“ schon vorliegt (Tim Burtons liebevoller „Ed Wood“), hat Franco sich nun eben die Geschichte von Tommy Wiseau vorgenommen.

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          Auf eine gewisse Weise kam schon „The Room“ hoffnungslos zu spät. Wiseau entschied sich nach vielen Demütigungen bei Versuchen, eine Karriere als Schauspieler zu starten, schließlich für Eigeninitiative. Allerdings war 2003 dieses Prinzip des „do it yourself“ bereits in die Industrie eingewandert. Ein Riesenhit wie „Blair Witch Project“ hatte allen die Richtung gewiesen. Wiseau aber hatte kaum eine Idee, oder wenn, dann allenfalls eine fixe: sich bemerkbar zu machen, koste es, was es wolle.

          James Franco hingegen geht es um eine Form von Popularität, die aus einem Spiel mit seinem Überdruss daran erwächst. Wenn er Tommy Wiseau spielt, spielt er nicht nur einen untalentierten Kollegen, er spielt einen, dem bisher alles leichtgefallen ist und der sich nun einen Spaß daraus macht, im Fettnäpfchen zu baden. Francos Wiseau ist so außerirdisch peinlich, dass es eigentlich egal ist, was er tut. Den Unterschied benennt Judd Apatow, einer der einflussreichsten Komödienregisseure im heutigen Hollywood, bei einem Kurzauftritt in einem Restaurant: „not in million years“ hat Wiseau eine Chance im Metier.

          Es gab immer zwei Möglichkeiten, diesen Film zu machen: als Schlüsselerzählung über die Filmindustrie, die an ihren Rändern auf die Albträume des amerikanischen Selbstverwirklichungsethos stößt, oder einfach als einen großen Spaß. James Franco hat sich für den sinnlosen Spaß entschieden, das beginnt schon mit seiner Maske und seinen sprachlichen Marotten, die alle in der Vorlage eine Begründung haben, die aber hier vor allem eine lächerliche Arroganz erkennen lassen, denn eines tut Franco ja gerade nicht: Er macht sich nicht über sich selbst lustig, sondern gefällt sich in einer Karikatur, die ihn selbst als den ultimativ Eingeweihten erscheinen lassen soll. Dass Hollywood längst anderen Gesetzen gehorcht als den ästhetischen des späten 20. Jahrhunderts, das kommt Franco nicht in den Sinn.

          Als Film scheitert „The Disaster Artist“ daran, dass weder die Satire auf die Unbedarftheit der Amateurproduktion von „The Room“ lustig ist noch der Umschlag von Peinlichkeit in Kult nachvollziehbar. Franco hat einfach, mit den Mitteln eines Stars, dem viele Türen offen und viele Freunde wie Seth Rogen für Nebenrollen oder Kollegen wie Zac Efron für Kurzauftritte zur Verfügung stehen, einen schlechten Film gemacht, der so tut, als wäre er ein Film über einen schlechten Film. Man kann das drehen, wie man will: etwas, das schon wieder gut ist, wird daraus nicht.

          Kinotrailer : „The Disaster Artist“

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