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„Planet der Affen“ im Kino : Naturbelassen? Naturverlassen!

  • -Aktualisiert am

Revolutionär Caesar im Kampf gegen die menschliche Bedrohung. Bild: dpa

In diesem Waldwestern haben Revolverhelden nichts zu melden. Denn ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Tier ist auch im dritten Teil der Reihe „Planet der Affen“ undenkbar.

          Von allen Zielen der Geschichte ist der Naturzustand vielleicht das nächstliegende. Die Menschheit kann ihn schwerlich anstreben, denn sie hätte mit ihm ja nichts mehr zu tun. Aber er hat immerhin den Charme des Zyklischen, dass nämlich hinten wieder herauskommt, was am Anfang mühevoll überwunden wurde. In der Science-Fiction-Serie „Planet der Affen“, die nach fünf Filmen zwischen 1968 und 1973 nun ein zweites Mal eine Schneise durch die Evolution schlägt (und ihr dabei das Telos abbricht), geht es zwar genaugenommen nur um Zwischenziele in der Geschichte, aber die Reflexion entbehrt nicht des Grundsätzlichen und Endgültigen.

          Das wird besonders in dem dritten Teil „Planet der Affen: Survival“ deutlich, mit dem Matt Reeves an „Planet der Affen: Prevolution“ (2011) und „Planet der Affen: Revolution“ anschließt. Die Frage nach der wahren Humanität ist hier längst beantwortet; der Mensch hat sich vor seinem behaarten und noch nicht vollständig auf den aufrechten Gang umgestellten Vorgänger so blamiert, dass ein Zusammenleben auf dem Planeten eigentlich nicht mehr denkbar ist. Zwar macht der Leitaffe Caesar zu Beginn noch einen Vorschlag zur Güte: „Lasst uns die Wälder.“ Doch die Suche nach einem Gelobten Land hat längst begonnen, und es stellt sich dann nur noch die Frage, ob auf einer Erde, deren Bevölkerung durch ein Virus schon arg dezimiert ist, ausreichend Habitate oder Reservate vorhanden sind, damit Affen und Menschen einander nicht mehr in die Quere kommen müssen. Dann bliebe aber immer noch das Restrisiko, dass die Entwicklungsgeschichte neue Konfusion stiftet. Denn wenn schon einmal ein Affe den „logos“ hat, wie es bei Caesar der Fall ist, dann können wahrscheinlich bald alle anderen auch sprechen, und am Ende bauen die Affen vielleicht bald ein neues Athen (oder Jerusalem oder Rom), während die Menschen immer noch in den Ruinen ihrer letzten Desaster hausen.

          Wem gehört die Erde?

          In diesem dritten Teil geht es also um die Frage, wem die Erde gehört. Die Auseinandersetzung darum wird allerdings in einem Stellvertreterkrieg geführt, der wie eine merkwürdige Verschiebung vom Allgemeinen auf das Besondere wirkt. Denn der Gegner der Affen ist nicht wirklich ein satisfaktionsfähiger Vertreter der Menschheit. Eher schon einer, für den man sich nach heutigen Maßstäben (oder eben den künftigen der Affen) schämen muss. Er hat nicht einmal einen Namen, sondern wird nur als Colonel tituliert. In der Szene, in der er zum ersten Mal zu sehen ist, seilt er sich aus einem nachtschwarzen Himmel ab, nur um einmal grimmig in die Kamera zu starren. Er sieht aus wie einer der Irokesen, die im „Lederstrumpf“ für das Grausame an der Naturbelassenheit der indigenen Amerikaner standen.

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          Und damit ist auch schon eine der vielen Assoziationen in „Planet der Affen: Survival“ hergestellt. Matt Reeves versucht sich an einem Waldwestern in hochromantischer Landschaft, denkt dabei aber auch an Vietnam, also an den Dschungel, und der Colonel hat ein überdeutliches Vorbild in der Filmgeschichte. Woody Harrelson reicht mit seinem Weltverdruss zwar bei weitem nicht an Marlon Brando in „Apocalypse Now“ heran, er evoziert aber unweigerlich den abtrünnigen Amerikaner, der fernab der Zivilisation ein grausames Regime führt.

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