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Veröffentlicht: 13.04.2017, 13:51 Uhr

Filmkritik „Fast & Furious 8“ Autos im doppelten Rittberger

Jetzt wird’s illuster: Zwei Oscar-Preisträgerinnen sind zum Ensemble von „Fast & Furious“ gestoßen. Doch das Drehbuch musste den Tod des Hauptdarstellers Paul Walker auffangen. Wie konnte das gelingen?

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© Universal Pictures/dpa So ein U-Boot als Verfolger im ewigen Eis macht ordentlich was daher.

Einen Oscar und einen Gloden Globe hat Charlize Theron bereits gewonnen. Das ist allerdings schon mehr als zehn Jahre her, da wird es mal wieder Zeit für eine Rolle, die zeigt, was für eine phantastische Schauspielerin die Südafrikanerin ist. In „Fast & Furious 8“ hat sie diese Rolle gefunden. Es ist zwar eher unwahrscheinlich, dass sie dafür ihren zweiten Oscar bekommt – aber dafür, wie sie die dämlichsten Sätze aus dem Drehbuch aufsagt, ohne die Augenbraue auch nur ganz leicht zu heben, hätte sie ihn verdient.

Julia Bähr Folgen:

Charlize Theron gibt nämlich die Superschurkin Cipher, die im achten Teil der Filmreihe Dominic Toretto (Vin Diesel) auf ihre Seite zieht. Dabei sah doch gerade alles so entspannt aus für ihn und sein Team: Er und seine Frau Letty (Michelle Rodriguez) kuscheln weichgezeichnet im Bett, Hobbs (Dwayne Johnson) trainiert die Fußballmannschaft seiner Tochter, und sein Erzfeind Deckard Shaw (Jason Statham) ist im Knast, wie es sich gehört. Aber so kann das natürlich nicht bleiben.

45851915 © Universal Pictures/AP Vergrößern Sie sind die Guten: Tyrese Gibson, Chris „Ludacris“ Bridges, Scott Eastwood, Nathalie Emmanuel, Dwayne Johnson und Michelle Rodriguez (v.l.n.r.)

Zwei große Veränderungen hatte die Produktion bei „Fast & Furious 8“ zu bewältigen: Erstens den Tod des Hauptdarstellers Paul Walker, der während der Dreharbeiten zu Teil 7 bei einem Autounfall ums Leben kam. Für seine Figur Brian und seine Filmehefrau Mia (Jordana Brewster), die nicht mehr für einen weiteren Film zur Verfügung stand, musste sich Drehbuchautor Chris Morgan etwas einfallen lassen. Er wählte eine klassische Option: Brian und Mia sind ausgestiegen, leben in Ruhe mit ihrer Familie und wollen bei den Aktionen des Teams nicht mehr mitmachen.

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Die zweite große Veränderung liegt im Aufbau: Die Vorgängerfilme handelten meist von einem großen Coup, der lange geplant und am Ende mit viel Getöse durchgezogen wurde. Eine Art prolliges „Ocean‘s Eleven“ mit Autos also. Bei „Fast & Furious 8“ dagegen liegt der Coup ganz am Anfang, der Rest soll ein Thriller sein, in dem das Team gegen Cipher kämpft und Dominic Toretto ein undurchsichtiges Spiel spielt. Das klappt bedingt – weil der Film einfach nicht spannend ist. Allerdings kann man das von den James-Bond-Filmen aus den Siebzigern auch nicht behaupten. Wo es an Spannung fehlte, kam schon damals Action ins Spiel.

45851912 © Universal Pictures/AP Vergrößern Es beginnt mit einem kaputten Auto in Havanna: Cipher (Charlize Theron) betört Dom (Vin Diesel), ehe ihre Falle zuschnappt.

Dieser Trick funktioniert immer noch ausgezeichnet. Die Verfolgungsjagden werden keine Sekunde langweilig, weil die Ideen, wie man Verfolger abschütteln könnte, offenbar immer noch nicht ausgegangen sind. Regisseur F. Gary Gray drehte zuletzt „Straight Outta Compton“ und kann damit als Experte für breitbeinige Attitüde gelten: Wenn Autos im doppelten Rittberger durch die Luft fliegen, denkt man, da war eine Bande präpotenter zehnjähriger Jungs am Werk.

Das gilt leider auch für die Dialoge. Lustig ist der Film, keine Frage, sehr sogar. Die Kabbeleien zwischen den Teamkameraden Ludacris und Tyrese Gibson sind ebenso amüsant wie ein paar phantastische Kurzauftritte von Helen Mirren. Aber die Komik ist eben nicht immer freiwillig; vor allem wenn zu viel Testosteron am Werk ist. Der einzige, der diese Pose hinkriegt, ohne eine Sekunde lang lächerlich zu wirken, ist Kurt Russell. Ein ganz wunderbarer Dialog lautet etwa:

„Aus dem Weg.“
„Sag das nochmal.“
„Wenn ich das nochmal sage, dann zu einem Toten!“

45851913 © Universal Pictures/AP Vergrößern Drei sehr unterschiedliche Männer: Kurt Russell mit Scott Eastwood und Dwayne Johnson (v.l.n.r.)

Für Subtilität bleibt da kein Platz. Für Realismus freilich auch nicht: Da fährt ein Panzer schon mal genau so schnell wie ein Lamborghini, und der russische Verteidigungsminister trägt Abschusscodes für atomare Waffen im Alu-Köfferchen durch New York. Aber das kann man einem Film, der auf Effektmaximierung ausgerichtet ist, kaum vorwerfen. Zumal die Effekte wirklich spektakulär ausfallen.

 
Filmkritik: Für „Fast & Furious 8“ müsste Charlize Theron ihren zweiten Oscar bekommen
 
Wenn Autos im doppelten Rittberger durch die Luft fliegen: „Fast & Furious 8“ im Kino

Trotz Testosteron-Überschuss: Ein reiner Männerfilm ist „Fast & Furious 8“ nicht. Es gibt immerhin mit Rodriguez, Theron, Mirren und Nathalie Emmanuel, die die Hackerin Ramsey spielt, vier starke, coole Frauenfiguren, die kaum sexualisiert werden – wenn man mal von Michelle Rodriguez‘ weit ausgeschnittenem Trägerleibchen in der russischen Arktis absieht.

© Universal Pictures Trailer: „Fast & Furious 8“

Zwei weitere Teile hat Hauptdarsteller Vin Diesel schon angekündigt, für 2019 und 2021. Wie es weitergehen wird, kann man sich etwa ausmalen – Superschurkin Cipher jedenfalls geht den Rächern am Schluss durch die Lappen. Und Dame Helen Mirren liebt nach eigenem Bekunden schnelle Autos und würde gerne mal selbst bei einer Verfolgungsjagd hinterm Steuer sitzen. Alleine für diese Szene könnte sich die Kinokarte lohnen.

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