Für das 65. Filmfestival, das am kommenden Mittwoch am Lido beginnt, hofft Direktor Marco Müller die richtige, weil anspruchsvolle und zugleich unterhaltsame Mischung gefunden zu haben. Die Eröffnungsgala führt den angestrebten Mix schon einmal vor: arriviertes, aber knackiges Hollywood-Kino in Symbiose mit gut gelagertem europäischem Klassiker.
Dem außer Konkurrenz laufenden Werk „Burn After Reading“, einem Agentenfilm der Brüder Coen mit dem sehnlich am Strand erwarteten Dreigestirn Malcovich, Clooney, Pitt, wird ein siebenminütiges Drama des bald hundertjährigen Portugiesen Manoel de Oliveira vorangestellt. Dem Titel der Komödie, „Vom Sichtbaren zum Unsichtbaren“, wohnt nicht nur der Hauch des Lebensabschieds inne, er taugt obendrein auch zum Motto eines ganzen Festivals, das sich vorgenommen hat, neben 49 Weltpremieren und 21 Wettbewerbfilmen auch den oft unsichtbaren italienischen Neorealismo der Nachkriegsjahre wieder sichtbar zu machen.