11.09.2009 · Nach Werner Herzog lässt auch Fatih Akin einen Filmhelden mit wehem Rücken durch seine Komödie „Soul Kitchen“ eiern. Und Romouald Karmakar lässt sich in seinem Dokumentarfilm von DJ Villalobos die beste Medizin empfehlen.
Von Michael AlthenDies ist das Festival der Bandscheibenvorfälle. Warum das Thema ausgerechnet die deutschen Regisseure so beschäftigt, wird filmhistorisch noch zu klären sein. Erst hat Werner Herzog seinen Bad Lieutenant in Dauerschieflage versetzt - nun lässt noch Fatih Akin seinen Helden mit Dauerschmerz durch „Soul Kitchen“ eiern. Dabei führt er auch den heimlichen Helden vom Lido ein: Kemal, den Knochenbrecher, einen Typen, dessen Heilmethode mit Seil und Brett definitiv nicht unter Physiotherapie läuft, den es aber, so Akin im Presseheft, wirklich gibt.
Akin wollte mit „Soul Kitchen“ etwas Leichteres machen - und tatsächlich ist das eigentlich eher die Art Film, die man außer Konkurrenz zeigt. Es geht um einen Typen (Adam Bousdoukos), dessen Restaurant nicht läuft, und diverse Verwicklungen, die ihm auch dann noch das Leben schwermachen, als es zum Erfolg wird. Als Komödie vertraut „Soul Kitchen“ eher Holzhammermethoden, ist aber vergnüglich turbulent und letztlich sympathisch.
Die beste Medizin
Nicht um Soul, sondern um Techno geht es bei Romuald Karmakars Dokumentation „Villalobos“, die in einer Nebenreihe lief. Darin sieht man den gleichnamigen DJ in Ibiza und im Berghain auflegen und dazwischen Auskunft geben. Die üblichen Strategien der Vermittlung sind Karmakars Sache nicht, eher das Insistieren darauf, dass sich dem Blick auch dann etwas offenbart, wenn man nur lange genug hinsieht. Und tatsächlich beginnt der Chilene aus Darmstadt in seinem Tonstudio irgendwann zu erklären, worauf es ankommt, worauf er hört und welche Kreativität sich hinter den stampfenden Beats verbirgt.
Nach Werner Herzog lässt auch Fatih Akin einen Filmhelden mit wehem Rücken durch seine Komödie „Soul Kitchen“ eiern. Und Romouald Karmakar lässt sich in seinem Dokumentarfilm von DJ Villalobos die beste Medizin empfehlen.
Dann legt er Karajan und die Berliner Philharmoniker auf und erklärt, warum diese Exzellenz der Tonaufnahme seit fünfzig Jahren unerreicht bleibt. Und für Momente glaubt man zu verstehen, was ihn und seine Musik eigentlich antreibt. Ansonsten gilt, was auch Akins Held empfohlen wird: Tanzen ist die beste Medizin.