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Filmfestspiele Venedig Japan lächelt, Palästina blamiert sich

03.09.2010 ·  Während es Tran Anh Hung mit „Norwegian Wood“ gelingt, für seine Geschichte einen eigenen Ton zu finden, liefert Julian Schnabel mit seinem neuen Film „Miral“ eine unerträglich propagandahafte Eintönigkeit.

Von Michael Althen, Venedig
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Tran Anh Hung kommt aus Vietnam, ist in Frankreich aufgewachsen, war mit seinem ersten Film „Der Duft der grünen Papaya“ 1993 für den Auslands-Oscar nominiert und hat zwei Jahre später mit „Cyclo“ in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. In den folgenden fünfzehn Jahren hat er nur zwei Filme gedreht, von denen man nicht so viel gehört hat, und nun taucht er im Wettbewerb mit der Haruki-Murakami-Verfilmung „Norwegian Wood“ wieder auf. Vielleicht ist er ein skrupulöser Arbeiter, wahrscheinlicher ist, dass das Weltkino eine Fiktion von Podiumsbeschwörungen ist, aber kein Heimat. Er ist eher so eine Reise nach Jerusalem, bei der man nie weiß, ob man im rechten Moment noch einen Platz erwischt.

„Norwegian Wood“ ist auch nicht wirklich gelungen, aber Murakamis eigentümlich mäandernde Erzählweise hat Tran gut getroffen. Der Film spielt 1967 in Tokio zur Zeit der Studentenproteste, die den Helden aber herzlich wenig angehen. Er liest lieber Bücher und knüpft eher zaghafte Bande zum anderen Geschlecht. Wie früher besticht Tran durch ungewöhnliche Farbgebung, bei der die sechziger Jahre liebevoll ungelenk nachgestellt werden.

Tran besticht durch ungewöhnliche Farbgebung

Aber „Norwegian Wood“ braucht lang, ehe er in dem Pendeln des Helden zwischen zwei Frauen so etwas wie Halt findet. Die eine ist die Freundin seines besten Freundes, der sich früh umgebracht hat, ein verschrecktes Wesen, das über dem Umstand, dass sie keine Lust empfinden kann, fast irre wird; die andere eine naseweise Bekanntschaft, die bedingungslose Liebe fordert, aber lieber bei ihrem Freund bleibt, während sie den Helden dauernd anmacht.

Der Mann ist also gefangen zwischen zwei sehr komplizierten Liebschaften, die vor wogendem Gras, pittoreskem Schnee oder hübsch arrangiertem Ambiente nur sehr unvollständig ausgelebt werden. Weswegen der Film aber unbedingt sehens- oder besser hörenswert bleibt, ist nicht nur der titelgebende Beatles-Song, sondern die Musik von Jonny Greenwood, dem Radiohead-Mann, der schon für „There Will Be Blood“ einen aufregenden Soundtrack komponiert hat. Er findet einen eigenen Ton für eine Geschichte, die über weite Strecken nur nachgestellt wirkt.

Kein Satz, der den Zuschauern das Denken überließe

Von Julian Schnabels neuem Film „Miral“ kann man getrost sagen, dass er überhaupt nur einen einzigen Ton findet, um die Geschichte von vier Palästinenserinnen von der Gründung des Staates Israel 1948 bis zum Osloer Abkommen 1994 zu erzählen. Das ist allen besten Absichten zum Trotz fatal. Er sei kein politischer Experte, sagt Schnabel im Presseheft. Er habe als Kind erlebt, wie seine Eltern sich im Kino stolz erhoben und mitgesungen haben, als sie „Exodus“ sahen – und jetzt erzähle er eben diese Geschichte über „Erziehung, Liebe, Leute und Hoffnung“. Herausgekommen ist dabei ein Film von unerträglich propagandahafter Eintönigkeit, bei dem die Einstellungen des sonst so brillanten Kameramanns Eric Gautier zu geradezu lachhaften Genreszenen gerinnen, bei denen die Israelis immer nur die Schufte und die Frauen immer die Opfer sind.

Hiam Abbas spielt die Frau, die 1948 ein Waisenhaus für palästinensische Flüchtlingskinder gründete, Freida Pinto ihre Lieblingsschülerin Miral, die sich gegen die Warnungen ihrer Lehrerin vereinnahmen lässt von der Sache der PLO, aber auch ihnen wird immer nur ein Ausdruck abverlangt. Es gibt buchstäblich keine Szene, die ambivalent wäre, keinen Satz, der den Zuschauern das Denken überließe – nur wohlfeile Parolen einer irgendwie diffusen Menschlichkeit. Man mag zur israelischen Politik oder zur Sache der Palästinenser stehen, wie man will, mit diesem Film ist niemandem gedient. Im Jahr 2000 hat Julian Schnabel für seinen zweiten Film „Before Night Falls“ mit Javier Bardem einen Goldenen Löwen gewonnen – das wird sich mit „Miral“ sicher nicht wiederholen.

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