11.09.2005 · Der chinesisch-amerikanische Regisseur Ang Lee hat am Samstag abend beim Filmfestival in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Er erhielt den Preis für „Brokeback Mountain“. Der Film handelt von einer homosexuellen Liebe zweier Cowboys.
Der in Taiwan geborene Oscar-Preisträger Ang Lee (50) hat für sein Melodrama „Brokeback Mountain“ über zwei schwule Cowboys beim Filmfestival in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Der als Favorit gehandelte Hollywood-Star George Clooney (44) erhielt für seinen Amerika-kritischen Politfilm „Good Night, and Good Luck“ am Samstag abend lediglich den „Trostpreis“ für das beste Drehbuch. Allerdings war Clooney bei der Abschlußgala der 62. Filmfestspiele am Lido der am meisten umjubelte Preisträger. Selten zuvor war die Konkurrenz um die insgesamt acht begehrten Preise so hart gewesen. Ein deutscher Beitrag lief in diesem Jahr nicht im Wettbewerb.
„Ich bin das erste Mal in Venedig und habe gleich den Löwen gewonnen“, freute sich der erfolgsverwöhnte Ang Lee, der bereits 2001 für seinen Film „Tiger & Dragon“ einen Oscar erhielt. Sein Beitrag „Brokeback Mountain“ erzählt auf einfühlsame Art die bizarre Liebesgeschichte zweier Cowboys in den 60er Jahren im abgelegenen Bundesstaat Wyoming. „Ich bin glücklich, daß die Leute den Streifen nicht als Schwulenfilm sehen, sondern als eine echte, große Liebesgeschichte“, sagte Ang Lee, der aus Taiwan stammt, aber seit fast 30 Jahren in den Vereinigten Staaten lebt. Seine Filme „Hochzeitsbankett“ und „Sinn und Sinnlichkeit“ wurden 1993 und 1996 in Berlin mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.
„Clooney ist der moralische Sieger“
Größter Italienische Kritiker meinten aber dennoch, den größten Triumph habe George Clooney gefeiert. Denn der Hauptdarsteller in seinem Film, der Amerikaner David Strathairn (56), wurde in Venedig zum besten Schauspieler gekrönt. Er spielt einen mutigen Journalisten, der gegen die Kommunistenjagd der McCarthy-Ära in den 50er Jahren protestiert. „Ich widme den Film allen Journalisten, die heute in Afghanistan, im Irak oder in New Orleans ihr Leben riskieren“, betonte Clooney. Der Streifen sei auch seinem Vater gewidmet, der selber Journalist war. „Clooney ist der moralische Sieger“, kommentierte die römische Zeitung „La Repubblica“ am Sonntag.
Als beste Schauspielerin wurde die Italienerin Giovanna Mezzogiorno (30) für ihre Rolle in „La bestia nel cuore“ ausgezeichnet. Der Spezialpreis der Jury ging an „Mary“ des amerikanischen Regisseurs Abel Ferrara. Den Spezialpreis für die beste Regie bekam Philippe Garrel für „Les Amants réguliers“.
Unter den 20 Wettbewerbsfilmen - 19 Streifen plus ein „Überraschungsfilm“ des Japaners Takeshi Kitano - war kein deutscher Beitrag. Werner Herzogs Science-Fiction-Film „The Wild Blue Yonder“ und Philip Grönings Beitrag „Die große Stille“ liefen lediglich in der Nebenreihe „orizzonti“. Deutsche Künstler haben seit langem Pech in Venedig: Den letzten „deutschen Löwen“ gab es 1982 für „Der Stand der Dinge“ von Wim Wenders. Das Filmfest am Lido von Venedig gilt neben Berlin und Cannes als das weltweit wichtigste Festival. In diesem Jahr stand es erneut unter der Leitung von Marco Müller.
Weitere Preise gingen am Samstag abend an die italienische Schauspielerin Stefania Sandrelli (59), die einen Goldenen Ehrenlöwen für ihr Karriere erhielt. Sie war eine der bevorzugten Schauspielerinnen von Bernardo Bertolucci, für ihn spielte sie in „Der große Irrtum“ und in “1900“. Bereits am Freitag bekam der japanische Zeichentrickfilmer Hayao Miyazaki („Prinzessin Mononoke“) einen Goldenen Ehrenlöwen für sein bisheriges Gesamtwerk. Einen weiteren Spezialpreis für ihren besonderen Beitrag zum Film erhielt die französische Schauspielerin Isabelle Huppert.