04.09.2010 · Wie Beziehungen gelingen oder scheitern, ist nicht das Thema von Sofia Coppola. Auch in „Somewhere“ steigt sie ein, wenn es bereits schief gegangen ist. Antony Cordier variiert in „Happy Few“ das unsterbliche Thema Partnertausch.
Von Michael Althen, VenedigNach den Maßstäben Hollywoods ist Sofia Coppola eine Prinzessin. Und weil sie pfiffig ist, erzählt sie genau davon: vom luxuriösen, leeren Leben der Prinzessinnen, die nicht wissen, was es bedeuten soll, dass sie so traurig sind. In „The Virgin Suicides“ endete es mit Selbstmord, in „Lost in Translation“ etwas glimpflicher, und das Schicksal von „Marie Antoinette“ ist bekannt. In „Somewhere“ ist ihr Hauptdarsteller nun ein Mann (Stephen Dorff), der als Filmstar natürlich auch nichts anderes als ein Prinz mit luxuriösem, leeren Leben ist. Weil auch er nicht weiß, was es bedeuten soll, dass er so traurig ist, trinkt er viel Bier, fällt dabei die Treppe runter, trägt fortan einen Gips, hat trotzdem viel bedeutungslosen Sex und starrt die restliche Zeit rauchend in seine wechselnden Hotelsuiten. Das ist oft amüsant, ziemlich cool und auch ein bisschen hohl, aber das ist schließlich das Thema von „Somewhere“.
In der ersten Einstellung sieht man einen schwarzen Ferrari in der Wüste seinen Runden drehen. Er fährt mit röhrendem Motor durchs Bild, taucht wieder auf, fährt wieder raus, immer im Kreis, ziemlich lang. Das will natürlich was bedeuten, aber es wiegt auch nicht so schwer, dass man sich ernsthaft Gedanken machen müsste. Man kann auch einfach nur dem Wagen zusehen und -hören und zu meist guter Musik abwarten, was kommt. So ist der ganze Film, und wenn man auf Sofia Coppolas Seite ist, kann man sagen, dass das bei Antonioni oft auch so war. Was die Coolness angeht, kann man die beiden durchaus miteinander vergleichen.
Tief empfunden: der traurige Alltag des Starkults
Natürlich ist es ein Trick, dass Sofia Coppola ausspart, wovon sie nicht erzählen kann. Wie Beziehungen gelingen oder auch nur schief gehen könnten, ist nicht ihr Thema. Sie steigt ein, wenn es bereits schief gegangen ist. So hat der Filmstar eine Tochter, um die er sich kümmern soll, ehe sie ins Ferienlager fährt. Fortan sitzen sie zu zweit in Hotelsuiten und starren in die Luft, gelegentlich taucht beim Frühstück eine Schöne auf, mit der sich der Vater nächtens vergnügt hat, und manchmal spielen sie gemeinsam an der Spielkonsole. Eine größere Nähe finden sie nicht.
Dazwischen sieht man die mit Geduld ertragene Routine eines Starlebens, Pressekonferenzen mit schwachsinnigen Fragen, Auftritte in italienischen Fernsehshows, Limousinen, ein Leben, bei dem man den Klimaanlagen beim Kühlen zuhören kann. Da kennt sich Sofia Coppola aus; genauer und tiefer empfunden ist der traurige Alltag des Starkults wohl kaum je beschrieben worden. Eine lange Zufahrt auf den vom Maskenbildner zugegipsten Kopf des Stars, eine lange Wegfahrt, als er mit seiner Tochter schweigend auf zwei Liegen am Pool des Chateau Marmont liegt. Da hat man viel Zeit, darüber nachzudenken, wie tief empfunden das wirklich ist.
Der Wurm in der Viererbeziehung
Und dann kann man es vergleichen mit einem Film wie „Happy Few“ von dem Franzosen Antony Cordier. Zwei Paare tauschen Partner, leben in einer glücklichen Viererbeziehung – bis der Wurm reinkommt. Da geht es um Beziehungen und was sie zusammenhält. Warum es manchmal schief geht und manchmal trotzdem klappt. So kann man auch von der Welt erzählen. Ist nicht ganz so cool. Kann aber auch sehr sexy sein.