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Filmfestspiele Die Wettbewerbsfilme der Berlinale

17.02.2006 ·  Oscar-Favorit Philip Seymour Hoffman als „Capote“, Deutschlands Schauspielelite in „Elementarteilchen“, ein Abschlußfilm von Benigni: alle Wettbewerbsfilme der Berlinale mit den Urteilen der F.A.Z.-Kritiker.

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Oscar-Favorit Philip Seymour Hoffman als „Capote“, Deutschlands Schauspielelite in „Elementarteilchen“, ein Abschlußfilm von Benigni: alle Wettbewerbsfilme der Berlinale im Überblick - ergänzt um die Urteile der Filmkritiker von F.A.Z. und Sonntagszeitung.

„Snow Cake“ von Marc Evans (Großbritannien/Kanada) - außer Konkurrenz.

Der Eröffnungsfilm mit Alan Rickman als Alex (Foto) und Sigourney Weaver in der Rolle der autistischen Mutter Linda Freeman beginnt mit einem schrecklichen Unfall, dem weitere Unglücksfälle folgen. Alex ist ein Fremder im kanadischen Ontario, Linda Freeman lebt sowieso im Abseits. Dazu kommt eine Nachbarin, in die Alex sich verliebt, was dem Dorfpolizisten nicht gefällt, da er ebenfalls an Maggie Interesse hat. Dunkle Geheimnisse werden gelüftet, verschüttete Gefühle ausgegraben, unangenehme Wahrheiten erkannt.

Andreas Platthaus: „Unterkühlt ist hier nur das Wetter. Marc Evans hat einen Film gedreht, in dem alles zusammenprallt, was dazu geeignet ist: Autos, Körper, Lebensweisen, Ansichten.“

Verena Lueken: „Ein Film für Honoratioren: mit viel Herz aus einer Welt voller frischgewaschener Außenseiter, nett und nicht dumm.“

Michael Althen: „Als Schnulze ist der Film ein bißchen schamlos, aber er ist humorvoll genug, daß man mit den drei Stars gern seine Zeit in Ontario verbringt.“ (siehe auch: Der Eröffnungsfilm „Snow Cake“ von Marc Evans)

„En soap“ von Pernille Fischer Christensen (Dänemark/Schweden).

Nach allen Regeln der Vorabendfernsehserien verliebt sich Veronica, die ein Mann ist, in Kristin, die gerade vor einem Mann geflohen ist, und beide trauen sich nicht, zu ihrer Liebe zu stehen. Veronica lebt sowieso in der Welt der Seifenopern voller Gefühle und übler Machenschaften. Was ihn, der eine Sie sein will, nicht davon abhalten kann, einen Selbstmordversuch zu unternehmen.

Andreas Platthaus: „Ein dänisches Debüt der besonders dämlichen Sorte rund um einen Transsexuellen und eine Frau auf der Suche nach sich selbst. Wenn schon die fröhlich-frisch getrennte Charlotte gern alles zeigt, muß die Berlinale das ja nicht auch machen.“

Verena Lueken: „Ein viel zu langes Rührstück voller Wiederholungen, visuellen Ungereimtheiten und psychologischer Nichtigkeit, dafür ohne Dramaturgie und ohne jedes Gefühl für die Zeit, auch die Zeit des Zuschauers.“

„Syriana“ von Stephen Gaghan (Vereinigte Staaten) - außer Konkurrenz.

Mindestens fünf Handlungsfäden laufen hier nebeneinanderher, berühren und verwickeln sich, und am Ende ist keine Rettung nah. Es geht um die Folgen der Globalisierung, um Öl und Terror. George Clooney spielt einen früh gealterten Agenten mit Bauchansatz, außerdem sind Matt Damon, Jeff Wright und Chris Cooper in diesem Ensemblefilm für Erwachsene zu sehen.

Verena Lueken: „Bestes politisches Kino aus den Vereinigten Staaten, klug, schnell, ein bißchen zu kurz.“ (siehe auch: Berlinale: „Syriana“ und „En Soap“)

Andreas Platthaus: „Man erfährt nichts Neues über die fragwürdige Nahost-Politik der amerikanischen Geheimdienste, aber wie man das Altbekannte erfährt, das gehört zum optisch und narrativ Eindrucksvollsten, was das Kino derzeit zu bieten hat.“

„Slumming“ von Michael Glawogger (Österreich/Schweiz).

Zuletzt hat sich Glawogger in Dokumentationen wie „Megacities“ und „Workingman's Death“ mit der Globalisierung beschäftigt, diesmal macht er aus dem sozialen Gefälle eine böse Parabel.

Zwei reiche Schnösel (August Diehl und Michael Ostrowski) nehmen einem auf der Straße liegenden Betrunkenen die Papiere ab und setzen ihn in Tschechien aus. Ihr Opfer ist ein verwahrloster Dichter und wird von Paulus Manker gespielt.

Andreas Kilb: „Die Härte und Schnelligkeit seines Anfangs kann der Film nicht halten, aber weil es ihm gelingt, uns für seine Figuren zu interessieren, verzeiht man ihm viele seiner Schwächen.“ (siehe auch: Filme von Chen Kaige, Terrence Malick und Michael Glawogger im Berlinale-Wettbewerb)

Verena Lueken: „Nicht böse genug und zu viel Alkohol mit seinen Folgen.“

Andreas Platthaus: „Österreichisches Kino in Reinkultur: bitter, zynisch und dankenswerterweise im Wettbewerb englisch untertitelt. Die schauspielerische Leistung von Paulus Manker als ständig lauthals schimpfender Sandler ist eine Sensation.“

„The New World“ von Terrence Malick (Vereinigte Staaten) - außer Konkurrenz.

Eine Pocahontas-Geschichte der besonderen Art mit Colin Farell in der Rolle des Abenteurers Smith, der eine Eingeborene liebt, aber verläßt. Gedreht in Virginia, wo die Pilger im Morast versinken, die Sommer schwül, die Winter eisig sind und das Naturvolk, das hier lebt, nicht immer unterwürfig ist.

Andreas Kilb: „Auch wenn Malick es erzwingen will: Die beiden Welten vereinen sich nicht, der Brückenschlag zwischen den Kulturen, den die (zu den amerikanischen Gründungsmythen gehörende) Liebesgeschichte zwischen Captain Smith und Pocahontas behauptet, findet nicht statt.“ (siehe auch: Filme von Chen Kaige, Terrence Malick und Michael Glawogger im Berlinale-Wettbewerb)

Verena Lueken: „Wer diesen Film nicht liebt, wird ihn schrecklich finden.“

„Elementarteilchen“ von Oskar Roehler (Deutschland).

Für Roehlers Houellebecq-Verfilmung sind wieder eine Menge deutscher Schauspieler seinem Ruf gefolgt: nicht nur Moritz Bleibtreu und Martina Gedeck, die sich hier im Pool vergnügen, sondern auch Christian Ulmen, Franka Potente, Nina Hoss, Uwe Ochsenknecht, Corinna Harfouch, Herbert Knaup.

Verena Lueken: „Gute Schauspieler in einer Geschichte ohne innere Überzeugung.“

Michael Althen: „Den Schauspielern dieses Allstar-Teams merkt man eine große Lust an, sich Geschichten auszusetzen, die mit ihrer Verwandlungslust spielen und ihnen erlauben, am Käfig ihres Images zu rütteln. Und ihr Vergnügen vermittelt sich dem Zuschauer in jeder Szene. Wenn anderswo der Film der Star ist, dann sind hier die Stars der Film. (siehe auch: Oskar Roehlers „Elementarteilchen“ im Berlinale-Wettbewerb)

„The Science of Sleep“ von Michel Gondry (Frankreich).

Schon in seinem letzten Spielfilm „Vergißmeinnicht!“ hat der ehemalige Clip-Regisseur Gondry die wahren Abenteuer im Kopf gefunden - diesmal begleiten ihn auf seiner Traumreise die Schauspieler Gael García Bernal und Alain Chabat, Charlotte Gainsbourg und Miou-Miou.

Andreas Platthaus: „Lustig gemeinter, aber nicht witzig geglückter Film eines Regisseurs, dem man den Videokünstler zu sehr anmerkt. Und Meer aus Zelluphan und Fahrzeuge aus Pappe kann die Augsburger Puppenkiste bessser.“

Michael Althen: „Wie in tschechischen Animationsfilmen der sechziger Jahre: Gondrys verspielte Basteleien beweisen, daß das Staunen über die Möglichkeiten des Computertricks mittlerweile umgeschlagen ist und der wahre Zauber wieder dort am Werk ist, wo man noch sieht, wie Hand angelegt wurde. Ein Film wie ein selbstvergessen spielendes Kind, dem man gerne zusieht, weil es das Staunen noch nicht verlernt hat.“ (siehe auch: Oskar Roehlers „Elementarteilchen“ im Berlinale-Wettbewerb)

Verena Lueken: „Ein Märchenfilm wie selbstgebastelt, mit wunderbaren Einfällen, leider zu lang.“

„Grbavica“ von Jasmila Zbanic (Österreich/Bosnien).

Eine alleinerziehende Mutter und ihre Tochter (Luna Mijovic) im Nachkriegs-Sarajevo. Als für einen Schulausflug die Bescheinigung erbracht werden muß, daß der Vater ein Kriegsheld war, kommen einige unangenehme Wahrheiten ans Licht, die längst begraben schienen.

Andreas Kilb: „Wenn man an die Zukunft des Kinos glauben will, muß man an Filme wie 'Grbavica' glauben, nicht deshalb, weil sie Meilensteine der Kamerakunst sind, sondern weil sie erzählen, was sonst unerzählt bliebe und so nur auf der Leinwand zu erzählen ist.“ (siehe auch: Im Berlinale-Wettbewerb: „Grbavica“ von Jasmila Zbanic)

„A Prairie Home Companion“ von Robert Altman (Vereinigte Staaten).

Ein Blick hinter die Kulissen von Garrison Keillors legendärer Radio-Countryshow, die nach dreißig Jahren eingestellt werden soll. Mit dabei: Woody Harrelson und Kevin Kline.

Verena Lueken: „Altman hat natürlich schon bessere Filme gemacht, „Nashville“ zum Beispiel, aber auch schon deutlich uninteressantere. Vielleicht ist er ein bißchen melancholischer geworden, aber ansonsten offenbar noch nicht bereit für ein Alterswerk, wenn Alterswerk denn bedeutet: zu zehren von besseren Zeiten.“ (siehe auch: Im Wettbewerb: „Prairie Home Companion“)

Andreas Platthaus: „Ein Kinderspiel für den Altmeister, doch für alle anderen ein Ding der Unmöglichkeit: Wie Robert Altman sein riesiges Ensemble auf die Bühne und in die Garderoben eines alten Konzerthauses führt und es dabei noch dauernd von einer Kamera umkreisen läßt, die trotzdem in keinem der zahlreichen Spiegel zu sehen ist, das hat allemal den einen oder anderen Bären verdient.“

„Wuji“ von Chen Kaige (Hongkong/China/Vereinigte Staaten) - außer Konkurrenz.

Kostüm- und Martial-Arts-Spektakel für den internationalen Markt, voller schöner Männer und Frauen. Das Ganze hat mehr gekostet als je ein anderer chinesischer Film.

Andreas Kilb: „Der Film reiht eine digital aufgemotzte Actionszene an die andere, freilich in einer Discounter-Qualität, welche die amerikanische Filmindustrie schon seit zehn Jahren ihren Kunden nicht mehr anzubieten wagt. Einen künstlicheren, weltloseren, beliebigeren Film als den von Chen gibt es auf der diesjährigen Berlinale nicht.“ (siehe auch: Filme von Chen Kaige, Terrence Malick und Michael Glawogger im Berlinale-Wettbewerb)

Andreas Platthaus: „So etwas sollen die Chinesen für den letzten Schrei der Filmkunst halten? Trickaufnahmen von der Qualität eines mittelmäßigen Videospiels und eine Geschichte, die ohne das herrlich pathetische Ende reif wäre für den erstbesten Groschenroman, zeigen, daß Chen Kaige alles verlernt hat.“

„Der freie Wille“ von Matthias Glasner (Deutschland).

Ein Vergewaltiger (Jürgen Vogel) kommt nach neun Jahren Haft frei und verliebt sich in die Tochter seines Chefs (Sabine Timoteo), die nichts von seiner Vergangenheit weiß.

Verena Lueken: „Die Geschichte hätte auch in neunzig Minuten Platz gehabt. Hundertdreiundsechzig Minuten aber, die mit einer in ganzer Länge gezeigten Vergewaltigung beginnen, muß man dem Filmemacher schon übelnehmen.“ (siehe auch: Im Berlinale-Wettbewerb: „Der freie Wille“ von Matthias Glasner)

Andreas Platthaus: „Eine überragende Sabine Timoteo, ein durchschnittlicher Jürgen Vogel und eine ziemlich geschmacklose Geschichte um einen Vergewaltiger, der seiner zukünftigen Geliebten das „Ave Maria“ in einer Kirche vorsingen läßt und am Ende als männlicher Bestandteil eines Pietà-Bildes endet.“

„El custodio“ von Rodrigo Moreno (Argentinien/Deutschland).

Julio Chávez ist als Leibwächter der Schatten des argentinischen Planungsministers und droht über diesem Job langsam seine Identität zu verlieren.

Andreas Platthaus: „Das Leben eines Leibwächters ist ein langer ruhiger Fluß, doch genau das scheint bei Rubén Nervosität zu erzeugen. Der von allen übersehene Personenschützer zieht am Ende eine leider absehbare, aber immerhin eindrucksvoll lakonisch gefilmte Konsequenz.“

„Invisible Waves“ von Pen-ek Ratanaruang (Niederlande/Thailand).

Ein Killer ermordet seine Geliebte, die gleichzeitig die Ehefrau seines Chefs war - auf der Flucht mit einem Kreuzfahrtschiff nach Phuket scheint plötzlich alle Welt dem Mann auf den Fersen zu sein.

Hinter der Kamera stand Christopher Doyle, der unter anderem mit Wong Kar-Wei den Film „2046“ drehte.

Andreas Platthaus: „Die Geschichte eines Mörders, der von seinem Auftraggeber ermordet wird - nichts Neues im Kino. Gäbe es nicht atemberaubende Bildkompositionen von Kameramann Christopher Doyle, dann wäre der Manierismus der Inszenierung unverzeihlich.“

„The Road to Guantánamo“ von Michael Winterbottom (Großbritannien).

Der Engländer, der jedes Jahr zwei Filme völlig unterschiedlicher Art dreht und 2002 mit „In This World“ einen Goldenen Bären gewann, erzählt in dieser Docufiction von den Schicksalen dreier britischer Muslime, die in Guantánamo inhaftiert waren.

Andreas Platthaus: „Das Thema für diese Mischung aus Dokumentation und nachgestellten Szenen ist denkbar heikel: die jahrelange Inhaftierung dreier unschuldiger britischer Muslime im amerikanischen Gefangenenlager von Guantánamo Bay.

Michael Winterbottom wird diese Berlinale wieder gewinnen, mit dem gleichen Rezept wie 2003 bei „In This World“. Das aber ist für den fleißigsten und einfallsreichsten Regisseur des westlichen Kinos zu wenig - und bei diesem Thema zudem fahrlässig.“ (siehe auch: Michael Winterbottoms „The Road to Guantánamo“ im Wettbewerb)

„Zemestan“ von Rafi Pitts (Iran).

Ein Vater verläßt seine Familie in Teheran, um im Ausland Arbeit zu finden. Als Frau und Tochter monatelang nichts mehr von ihm hören, begegnen sie einem Mechaniker, der Arbeit sucht und Anschluß. Pitts erzählt in neorealistischem Stil vom Überlebenskampf einer Generation.

Andreas Platthaus: „Ein kühler Film betreffs Jahreszeit und Schilderung der Zustände in Iran. Pitts setzt einen Individualisten in den Mittelpunkt, der neben Arbeit auch Spaß haben will. In sehr klarer Bikdersprache entwickelt sich leider eine zu symbolisch aufgeladene Geschichte.“

Andreas Kilb: „„Zemestan“ ist eher eine Elegie als ein Spielfilm, ein neunzigminütiges Totengedicht aus einem armen, geschundenen und übervölkerten Land.“

„Sehnsucht“ von Valeska Grisebach (Deutschland).

Das Leben eines jungen Paares (Andreas Müller und Ilka Welz) in einem brandenburgischen Dorf, das sich seit Kinderzeiten liebt, gerät völlig aus dem Ruder, als der Mann eine Affäre hat. Valeska Grisebach hat schon mit ihrem DFFB-Abschlußfilm „Mein Stern“ für Aufsehen gesorgt.

Andreas Kilb: „Ein Film von entwaffnender Schlichtheit, ein Fremdling unter den Bilderkanonaden des Wettbewerbs.“ (siehe auch: Filme von Valeska Grisebach und Vanessa Jopp im Wettbewerb und im Panorama)

Andreas Platthaus: „Die letzten fünf Minuten sind grandios, weil hier über ein Kindergespräch und die Abspannmelodie zu Ende erzählt wird. Vorher sieht man deutsche Provinz, wie man sie aus tausend Filmen kennt und einen Feuerwehrmann, der zwischen zwei Frauen, aber eigentlich neben sich steht.“

„Romanzo Criminale“ von Michele Placido (Italien).

Der Schauspieler, der bei uns durch „Allein gegen die Mafia“ bekannt wurde, erzählt in seiner siebten Regiearbeit vom Aufstieg eines Trios Kleinkrimineller, die Drogenhandel in Rom kontrollierten. Die Vorlage stammt vom römischen Untersuchungsrichter Giancarlo De Cataldo.

Andreas Kilb: „Placidos Blick bleibt an der Hautoberfläche seiner Figuren kleben, so wie auch der Film an den Oberflächenreizen der Handlung klebt, ohne Gespür für die Menschen dahinter.“

„V for Vendetta“ von James McTeigue (Vereinigte Staaten/Deutschland) - außer Konkurrenz.

Das Drehbuch der Matrix-Brüder Wachowski basiert auf einem Comic des Briten Alan Moore, der eine faschistische Gesellschaft nach dem Ende des Atomkriegs ausmalte.

Natalie Portman spielt in McTeigues Verfilmung, die in Babelsberg entstanden ist, die Heldin Evey, die von einem Maskierten vor einer Vergewaltigung gerettet wird. Ihr Retter (Hugo Weaving) tritt nur unter dem Pseudonym V auf und will das Regime stürzen.

Andreas Platthaus: „Die Wachowski-Brüder („Matrix“) haben denjenigen Comic von Alan Morre, der sich am besten für eine Verfilmung eignet, mit einigen Freiheiten, aber konsequent zu einem Drehbuch umgearbeitet. Und da Natalie Portman ihre beste Rolle seit „Leon“ hat, kommt dabei ein großer Film heraus.“

„Candy“ von Neil Armfield (Vereinigte Staaten).

Eine begabte Malerin (Abbie Cornish), ein vielversprechender Gelegenheitsdichter (Heath Ledger), beide sind drogensüchtig. Und so verwandelt sich ihr paradiesisches Glück durchs Heroin nach und nach in die Hölle, aus welcher der Wahnsinn der einzige Ausweg zu sein scheint.

„Isabella“ von Pang Ho-cheung (Hongkong/China).

Ein Polizeibeamter wird am Vorabend der Übergabe Macaos an China vom Dienst suspendiert, sucht Trost bei einem jungen Mädchen, das ihm enthüllt, sie sei seine Tochter, von deren Existenz er bislang nichts wußte. Dadurch wird sein Leben auch nicht leichter.

Andreas Platthaus: „Alles, was chinesische oder Hongkong-Filme in den letzten Jahren populär gemacht hat, steckt hier drin, aber leider kein Jota an eigenen Einfällen. Dazu gibt es eine aufdringliche allegorische Beweihräucherung des tugendsamen China.“

„L'ivresse du pouvoir“ von Claude Chabrol (Frankreich/Deutschland).

Eine Untersuchungsrichterin ermittelt gegen den Geschäftsführer eines großen Konzerns und wird dabei zunehmend mit ihrer eigenen Macht konfrontiert. Chabrol stellt die Frage, wie mächtig man werden kann, ohne selbst korrumpiert zu werden. Dies ist die siebte Zusammenarbeit von Isabelle Huppert und Claude Chabrol, für den sie seit dem Beginn 1978 in „Violette Nozière“ ein paar ihrer bitterbösesten Rollen gespielt hat.

Michael Althen: „Während man in „L'ivresse du pouvoir“ sitzt, merkt man, wie man durch amerikanische Erzählweisen konditioniert ist, und wie pfiffig sich Chabrol denen immer wieder entzieht, indem er sich nie auf das einläßt, was das Genre von ihm erwartet.“ (siehe auch: Im Wettbewerb: Chabrols „L'ivresse du pouvoir“)

„Find Me Guilty“ von Sidney Lumet (Vereinigte Staaten).

Die Lucchese-Familie war eine der berüchtigsten Mafia-Familien Amerikas, und ebenso legendär wurde der Prozeß, der ihr schließlich gemacht wurde. Er dauerte einundzwanzig Monate, umfaßte zwanzig Angeklagte mit zwanzig Verteidigern und einer entsprechenden Anzahl von Staatsanwälten. Lumet greift sich einen Teil dieser Geschichte heraus, die besonders aufsehenerregend war - den Verrat eines Familienmitglieds, gespielt von Vin Diesel.

Andreas Platthaus: „Das Gegenstück zu den „Zwölf Geschworenen“: ein rundes Dutzend Angeklagter, mit denen man fiebert, ob sie freigesprochen werden - obwohl man weiß, daß sie schuldig sind. Das mag zynisch sein, ist aber brillant inszeniert. Und Vin Diesel spielt die erste Rolle, die mehr als Athletik erfordert (allerdings auch nicht viel mehr).“

Andreas Kilb: „Indem er uns über DiNorscios Kapriolen lachen läßt, klärt Lumet das Kino über sich selbst auf. Auch auf der Leinwand geht es nicht um Schuld oder Unschuld, sondern um Identifikation. Das wußten wir schon, aber selten haben wir es mit lässigerer Tücke vorgeführt bekommen als in „Find Me Guilty“.“ (siehe auch: Filme von Sidney Lumet und Jafar Panahi im Wettbewerb).

„Offside“ von Jafar Panahi (Iran).

Zu den vielen Dingen, die Frauen in Iran nicht dürfen, gehört es, Fußballspiele im Stadion zuzusehen. Sich als Mann zu verkleiden, wie es die weiblichen Fans in Panahis Film versuchen, führt zur Verhaftung und schließlich zur Übergabe an die Sittenpolizei. Es gibt keinen Schwerpunkt Fußball während der Berlinale, aber doch hier und da ein paar versprengte Filme zum Thema. Dies ist einer von ihnen.

Andreas Kilb: „Panahis Film ist so schwerelos und präzise wie die Meisterwerke von Kiarostami und Makhmalbaf. Wer behauptet, es sei eine mittelmäßige Berlinale gewesen, hat „Offside“ nicht gesehen.“ (siehe auch: Filme von Sidney Lumet und Jafar Panahi im Wettbewerb).

„Capote“ von Bennett Miller (Vereinigte Staaten) - außer Konkurrenz.

Philip Seymour Hoffman spielt die Rolle seines Lebens als Schriftsteller Truman Capote, der „In Cold Blood“ einer Geschichte hinterherjagt, die ihn nicht mehr loslassen wird.

„Requiem“ von Hans-Christian Schmid (Deutschland).

Inspiriert von einer wahren Geschichte, erzählt der Film von Michaela Klinger, die zwischen ihrem Glauben, ihrer Lebenslust, ihrem Elternhaus und einer schweren Krankheit zerbricht.

Verena Lueken: „Schmid wahrt die Würde seiner Figuren, und in gewisser Weise auch die ihres Glaubens. Und für all dies erlaubt der Regisseur seinen Darstellern, allen voran Sabine Hüller in der Rolle der Michaela, so glaubwürdige Charakterstudien, daß man sie retten möchte aus ihrer Zeit und den Orten, denen sie ausgeliefert ist.“ (siehe auch: Der beste deutsche Film im Wettbewerb: „Requiem“).

„La tigre e la neve“ von Roberto Benigni (Italien) - Berlinale Special.

Zum ersten Mal schenkt die Berlinale ihrem Publikum am Publikumstag noch einen besonderen Abschlußfilm, nämlich diese Komödie über einen Schriftsteller im Bombenhagel in Irak.

Premiere am 19. Februar.

Quelle: 08-02-2006, F.A.Z., Berlinale 2006 (Redaktionsbeilage), Seite B6
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