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Filmfestival von Cannes : Klavierkavaliere gegen Schwarzfußindianer

Michael Douglas (l.) als Liberace and Matt Damon als Scott Thorson in einer Szene aus „Behind the Candelabra“ Bild: AP

Schwule Pärchen, bitteres Familiendrama und Psychoanalyse. Cannes läuft auf die Zielgeraden zu. Die Männerversteher sind dabei unter sich: Filme von Steven Soderbergh, Arnaud Desplechin und Claire Denis sind Anwärter auf die Goldene Palme.

          Das Festival hat mehr als die Hälfte hinter sich, von zwanzig Wettbewerbsbeiträgen sind vierzehn gelaufen, das ist so die Zeit, in der über Favoriten nicht nur getuschelt wird. Jetzt ist ein neuer hinzugekommen: Steven Soderberghs „Behind the Candelabra“. Ein Fernsehfilm, gedreht für den amerikanischen Kabelsender HBO, der Wiege des Qualitätsfernsehens mit Serien von „The Sopranos“ bis „The Wire“. Von Hollywood, so Soderbergh, gebe es nur noch Geld für sehr teure Filme, die mit Hilfe riesiger Marketingbudgets einzuspielen versuchen, was sie gekostet haben. Ein Blick ins Kinoprogramm in Deutschland und fast überall sonst auf der Welt genügt, um zu bestätigen, was er sagt.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          “Behind the Candelabra“ ist aber kein Film für ein Hunderte Millionen umfassendes Publikum. Oder doch? Manchmal geschehen ja Wunder. Dass der Film in Amerika und Europa in die Kinos kommt, nachdem er in Cannes auf der riesigen Leinwand einen so guten Eindruck machte, ist eines der Wunder, das nicht erwartet werden kann. Der Film erzählt ein Stück aus dem Leben des amerikanischen Showstars Liberace, der in den fünfziger bis achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts so berühmt war wie Elvis Presley, später Elton John und heute Lady Gaga. Er war ein pianistischer Virtuose, der den Boogie-Woogie in doppelter Geschwindkeit spielen konnte, wenn es darauf ankam. Ein Mann, der in einem weißen Hermelinmantel mit meterlanger Schleppe in Las Vegas auf die Bühne einzog, manchmal auch in einem silbernen Rolls-Royce. Am Steuer sein Liebhaber Scott Thorson.

          Soderbergh-Film mit Verve 

          Es waren aber vor allem die Frauenherzen, die ihm zuflogen, seit er mit seiner Fernsehsendung „The Liberace Show“, die seit 1952 lief, berühmt geworden war. Und obwohl seine Shows schwuler kaum sein konnten, kam damals niemand auf die Idee, an der Geschichte von seiner verlorenen Liebe zu einer Frau zu zweifeln, die der Grund dafür sei, dass er allein und unverheiratet lebe. Erst als nach ihrer Trennung der Unterhaltsprozess zwischen Thorson und Liberace 1984 in die Presse kam, wurde den Menschen klar, dass ihr Idol Männer liebte - gerne sehr junge. Es störte sie nicht. Einige Jahre später starb Liberace an Aids.

          Soderberghs Film setzt 1977 ein, als Liberace, genannt Lee, und Scott sich kennenlernen, und endet mit Lees Beerdigung. Es ist ein intimer Film, ein Film über eine Liebe, die nicht hält. Und das spielen Michael Douglas als Liberace und Matt Damon in der Rolle von Scott mit solcher Lust und Verve, dass es eine Freude ist, ihnen zuzuschauen - ein schwules Paar, der reiche Partner alt, der arme jung, und das auch noch in Vegas in einem Palast voller nackter David-Statuen und Kronleuchter und Whirlpools und Pudel. Das hätte schrecklich werden können.

          Aber Soderbergh und seine Schauspieler sahen offenbar nur diese beiden Männer, die ein paar glückliche Jahre miteinander haben. Weil sie als Paar, das seine sexuelle Orientierung geheim hält, kein gesellschaftliches Leben führen können, sitzen sie abends vorm Fernseher, werden gemeinsam fett und fangen an, sich zu streiten wie in einer Seifenoper. Merken das und driften auseinander. Eine einfache Geschichte. Wären da nicht hunderte Millionen Dollar bei Liberace, eine Drogensucht bei Scott und schließlich der Überdruss aneinander.

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