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Filme : Es gibt Nebensachen, die sind keine

Grausame Bilder: Die Filme von Manfred Karremann sind sehenswert, auch wenn man sie sich manchmal nicht ansehen kann.

          Die Filme von Manfred Karremann sind sehenswert, auch wenn man sie sich manchmal nicht ansehen kann. Da gibt es die berühmten Kühe am Seil, die zuerst durch ganz Europa, aufs engste zusammengepfercht, gefahren und dann per Schiff übers Mittelmeer gebracht werden. Unter unbeschreiblichen Bedingungen vegetieren sie die letzten Tage ihres Lebens dahin, in einer Weise, die nur tolerabel finden kann, wer sich sagt, die werden doch ohnehin geschlachtet. Doch sie sind bereits zuvor so geschwächt, daß sie nicht mehr gehen können. Also werden sie geprügelt, getreten und schließlich aufgehängt und am Pier abgeworfen. Da gibt es die Küken, die jeden Tag zu Zehntausenden, weil man sie nicht braucht, zu einem Brei zerquetscht und zu Tierfutter verarbeitet werden. Da gibt es Hunde und Katzen, die bei lebendigem Leib gehäutet werden. Ihr Fell gelangt unter Bezeichnungen wie "Asian Jackal" oder "Pommern Wolf" in den Handel. Da gibt es Haflingerfohlen, auf die niemand als der Metzger wartet.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Und da gibt es Kinder, auf die keiner so recht achtet außer ein paar Leuten - Manfred Karremann sagt, es seien rund sechzigtausend im ganzen Land -, die sich aus ganz bestimmten Gründen für Minderjährige, für Kleinst- und Kleinkinder interessieren. Es gebe sie - wohl organisiert - in so gut wie jeder größeren Stadt und kaum einen belebteren Spielplatz, auf dem nicht einer von ihnen unterwegs sei. Man brauche doch nur einmal darauf zu achten, wer ohne eigenes Kind an solchen Plätzen anzutreffen sei. Manfred Karremann hat darauf geachtet und hat daraus nach heimlichen Recherchen, die ein ganzes Jahr gedauert haben, eine Doppelreportage für das ZDF und das Magazin "Stern" gemacht. Beruhigende Nachrichten für Eltern, die nicht in Hysterie verfallen, sondern ihren Kindern soviel Freiheit wie möglich und verantwortbar geben wollen, sind das nicht. Für die Pädophilen aber, welche darauf hinarbeiten, daß die Kinderschändung den gesellschaftspolitischen Weg geht, den der Ladendiebstahl als Delikt genommen hat, ist es zum Lachen. Das Internet gibt davon Zeugnis.

          Der Schrei aus dem Schlachthof"

          Als Manfred Karremann, der heute zweiundvierzig Jahre alt ist, selbst noch ein Kind war, hat ihn das erste seiner beiden großen Themen im Alter von sieben Jahren gepackt. Da ging er im Dorf seiner Großmutter zum Metzger und schwatzte diesem ein Kalb ab, das er nicht geschlachtet sehen wollte. Eine Mark hat es ihn gekostet, der Fleischer wußte, daß ihm das Tier noch am selben Tag zurückgebracht würde. Mit vierzehn war Manfred Karremann, als er das Bild von Hühnern in einer Legebatterie sah, schon weniger ohnmächtig. Er gründete seine eigene Tierschutzgruppe, es gibt sie in anderer Form unter dem Namen "Animal Network" mit inzwischen zweihundert Mitgliedern noch heute. Der junge Mann gründet aber noch eine zweite Organisation, die "Arbeitsgruppe für Kinderhilfe e.V.", die später in der "Terre des Hommes-Gruppe Bodensee-Oberschwaben" aufgeht. Mit neunzehn, nach dem Abitur, geht Karremann nach Indien, dort dreht er seinen ersten - nicht veröffentlichten - Film über ein Kinderheim der Kindernothilfe Duisburg. Er studiert in Stuttgart Sozialpädogik und arbeitet danach beim Jugendamt. Er reist - noch privat oder nebenberuflich - abermals nach Indien, nach Vietnam und Thailand, um für Zeitungen über das Elend von Flüchtlingen zu berichten. 1988 läuft sein erster Beitrag im Radio des Hessischen Rundfunks, im Jahr darauf beim Bayerischen Fernsehen der Film, dessen Thema Karremann als eines von zweien lebenslang begleitet: "Der Schrei aus dem Schlachthof".

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