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Film Tony Curtis ist tot

30.09.2010 ·  Er beherrschte jenes Augenzwinkern, das Ehrgeiz und Erfolg erst erträglich macht, und verkörperte Hollywood wie kaum ein anderer Schauspieler: Tony Curtis, der mit „Some like it hot“ berühmt wurde, starb im Alter von 85 Jahren in Las Vegas.

Von Michael Althen
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Für einen jungen Mann mit Schmalztolle, gezupften Augenbrauen und aufgeworfenen Lippen hat er es als Schauspieler ganz schön weit gebracht. Die Leute liebten Tony Curtis, weil er wie kaum ein anderer Hollywood verkörperte, mit allem, was vor und hinter der Kamera dazu gehört. Denn er beherrschte jenes Augenzwinkern, das Ehrgeiz und Erfolg erst erträglich macht. Seinen Charme betrieb er als eine Kunstform, die um so größere Finesse erforderte, je offensichtlicher sie vorgetragen wurde. Sich selbst nicht ernster als nötig zu nehmen, war das Spiel, das er am geschicktesten beherrschte. Und das beruhte wie bei allen großen Komödianten vor allem auf Timing.

Tony Curtis hat sicher weniger bleibende Rollen gespielt, als ihm lieb war, und hat sich darüber hinweggetröstet mit mehr Alkohol, Drogen und gescheiterten Ehen, als gut für ihn waren. Dass ihm die ganz große Anerkennung als Schauspieler versagt geblieben sei, hat er auch selbst behauptet - und was die eine magere Oscar-Nominierung für „Flucht in Ketten“ angeht, stimmt das sicher auch. Aber wie groß die Anerkennung wirklich war, sieht man eben auch jetzt wieder, wo klar wird, wie sehr er mit etwas identifiziert wurde, was mehr war als die Summe seiner Rollen und auch seiner Skandale.

Natürlich reden jetzt alle von „Some Like It Hot“, wo er als Josephine die feminine Seite seines Sex-Appeals voll ausspielen und gleichzeitig als falscher Öl-Magnat auch noch den Cary Grant geben konnte, aber natürlich hängt der Ruhm des Films mehr noch an Daphne und Marilyn und der Pointe „Nobody's perfect“. Tony Curtis' späte Genugtuung bestand darin, dass er in der Musicalfassung 2003 die Rolle des Osgood Fielding III. übernahm und nun selbst den letzten Lacher hatte, den er übrigens auch auf seinem Grabstein lesen wollte.

Mit Cary Grant hatte er jedenfalls noch im selben Jahr einen Auftritt in „Operation Petticoat“, in dem sich die U-Boot-Besatzung erst vor Lachen kaum halten kann, als Tony Curtis in seiner weißen Prachtuniform zum Dienst erscheint, aber bald erkennen muss, dass seine Talente als Beschaffungsoffizier unschlagbar sind. Als Cary Grant ihn verulkt, er solle auf dem Markt auf seine Maniküre aufpassen, gibt er nur zurück, er solle sich mal nicht durch seine Maniküre täuschen lassen - denn da, wo er herkomme, wisse man sich zu wehren.

Tony Curtis kam aus der Bronx, hieß eigentlich Bernard Schwartz und war Sohn ungarischer Juden. Die Mutter war schizophren, der Vater wurde überfahren, und so musste er sich früh selbst durchschlagen. Er kam nach dem Krieg zu Universal, wurde Studiosklave wie Rock Hudson und spielte in Dutzenden von Abenteuerfilmen. Sein Durchbruch kam 1957 mit „Sweet Smell of Success“ als skrupelloser PR-Agent. Die dunkle Seite seines Ehrgeizes konnte er auch ausloten, aber er konnte ihn eben auch verdammt gut aussehen lassen.

Am Donnerstag ist Tony Curtis im Alter von 85 Jahren in Las Vegas gestorben. Und Fans von „Die Zwei“ werden wissen, was es bedeutet, dass Roger Moore nur mit Mühe seinen Tränen zurückhalten konnte.

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