Home
http://www.faz.net/-gs6-pyxa
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fernsehwoche, 29. Januar - 4. Februar Im Fahrstuhl mit Mutter Beimer

28.01.2005 ·  Neun Lehrer entscheiden im starbesetzten Drama „Die Konferenz“ über das Schicksal eines Jungen, der eine Mitschülerin vergewaltigt haben soll. Außerdem in der Fernsehwoche: die tausendste Folge der „Lindenstraße“.

Artikel Bilder (5) Lesermeinungen (0)

Neun Lehrer entscheiden im starbesetzten Drama „Die Konferenz“ über das Schicksal eines Jungen, der eine Mitschülerin vergewaltigt haben soll. Außerdem in der Fernsehwoche: die tausendste Folge der „Lindenstraße“.

Samstag, 29. Januar

3sat, Porträt, 20.15 Uhr: Einfach kompliziert

Vor sechseinhalb Jahren ist der Schauspieler Bernhard Minetti gestorben, vor hundert Jahren (am 26. Januar) wurde er geboren. Wofür Dramaturgen und Regisseure ganze Programmbücher benötigten, um eine zerrissene, sich selbst entfremdete Welt und Gesellschaft zu erklären und zu beklagen, das erledigte Minetti mit einem einzigen, gewaltigen Ausdruck, mit dem er alle Risse und Brüche auf sich nahm und sie existentiell expressiv grundierte. Es ging bei ihm immer um Sein oder Nichtsein. Und wenn er nur ein Wort sprach, wurde die krankste Szene wieder gesund. 3sat zeigt die Aufführung von Thomas Bernhards „Einfach kompliziert“ von 1986 am Berliner Schillertheater und anschließend ein Gespräch Günter Rühles mit dem Schauspieler.

Sonntag, 30. Januar

ARD, Serie, 18.40 Uhr: Lindenstraße

Seit 1985 ist die „Lindenstraße“ im Programm der ARD, am heutigen Abend läuft tatsächlich die eintausendste Folge. Zum Jubiläum bleiben Mutter und Vater Beimer zusammen im Fahrstuhl stecken. Klingt unbedingt sehenswert.

Montag, 31. Januar

ZDF, Komödie, 20.15 Uhr: Tausche Kind gegen Karriere

Der Film zur aktuellen Debatte (FAZ.NET-Spezial: Wie geht es der Familie?)? Alleinerziehende Mutter zweier Kinder (Esther Schweins) tauscht für drei Wochen mit tougher Karrierefrau (Katharina Böhm). Beide machen erwartungsgemäß überraschende Erfahrungen, die für den Zuschauer am Bildschirm durchaus unterhaltsam sein mögen. Mit den tatsächlichen Problemen vieler Frauen, die Kind und Job vereinbaren wollen, dürfte die ZDF-Komödie freilich wenig gemein haben.

Dienstag, 1. Februar

3sat, Tragikomödie, 22.25 Uhr: Das große Tier

Dem stillen Bankangestellten Sawicki, den der Regisseur Jerzy Stuhr in seinem 2000 nach einem Buch Krzystof Kieslowskis gedrehten Film selbst verkörpert, läuft eines Abends ein Kamel zu. Wenn Sawicki, den neuen zweihöckrigen Freund an der Leine führend, triumphal durch die polnische Kleinstadt spaziert, erinnert die märchenhafte Konstellation an Auftritte eines anderen legendären Zweigespanns der siebziger Jahre, an Pan Tau, wie er mit seiner Ziege traumwandlerisch durch Prag zieht. Doch während der tschechische Zauberer, ganz Wunschbild, der Schwerkraft der Verhältnisse trotzt, droht Sawicki alsbald ihr Opfer zu werden. In pointiert geschnittenen Alltagssituationen durchleuchtet die Parabel, wie der Druck der konformen Gesellschaft auf den Nonkonformisten zunimmt. Die grandiosen Sequenzen, in denen das Duo das Weite sucht, offenbaren den zentralen Beweggrund des Films: Es ist die Sehnsucht nach offenen Horizonten, die in den Siebzigern, als Kieslowskis Drehbuch entstand, unter totalitärem Terror wuchs.

Mittwoch, 2. Februar

BR, Tragikomödie, 23.30 Uhr: Okay

Nete (Paprika Steen) arbeitet auf dem Arbeitsamt; gleich am Anfang sieht man, wie sie einen Bewerber ordentlich zusammenstaucht. Auch zu Hause ist sie die starke Frau: Ihr Mann Kristian (Troels Lyby) bedient die Küche, Nete kommandiert am Eßtisch. Es geht um Verantwortung und die Folgen alltäglichen Handelns in „Okay“, um kleine Taten mit kleinen Folgen. Es ist schön, der Hauptdarstellerin Paprika Steen dabei zuzusehen, wie sie die verschiedenen Aspekte ihrer Rolle ausbalanciert - eine Könnerin, die es nicht nötig hat aufzutrumpfen. Doch der Titel von Jesper W. Nielsens Werk aus dem Jahr 2002 faßt tatsächlich alles zusammen, was man zu dem Film sagen kann. Er ist okay. Mehr nicht.

Donnerstag, 3. Februar

HR, Tragikomödie, 23.30 Uhr: Italienisch für Anfänger

Erst lernen die Einsamen im Sprachkurs, „ti amo“ zu sagen - dann suchen sie ein Gegenüber für den Satz. Lone Scherfigs nach den Regeln von „Dogma“ gedrehte Komödie aus dem Jahr 2001 führt eine Schar trauriger Dänen durch komische Herzensangelegenheiten und schließlich zur Belohnung nach Venedig. Was Schönheit ins Leben dieser Dänen - und von uns allen - bringt, ist naturgemäß Liebe, Freundschaft, Zärtlichkeit und Italien. In „Italienisch für Anfänger“ sorgt der Tod dafür, daß der Pastor und der Kantinenwirt Arbeit finden, daß sich zwei Schwestern wiederbegegnen, daß sich die Brötchenverkäuferin verliebt. Sogar die Gebete der schüchternen italienischen Küchenhilfe werden erhört. Was den Dänen, wie in „Mifune“, wie in „Festen“ und „Geister“, wieder einmal gelingt: ihr Publikum in einer gottverlassenen, häßlichen, kalten, brutalen Welt mit dem Leben zu versöhnen.

Freitag, 4. Februar

WDR, Dokumentation, 20.15 Uhr: Der beste Witz der Welt

„Wenn ist das Nunstruck git und Slotermeyer? Ja! .. Beiherhund das Oder die Flipperwaldt gersput!“ So lautet, in originalem Monty-Python-Deutsch, der tödlichste Witz der Welt, der bekanntlich den Zweiten Weltkrieg entschied. In dieser Sendung aber geht es nicht um Comedy, sondern um die streng seriös behandelte Frage, was wir Menschen komisch finden - und ob es hier Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Wir würden sagen: selbstverständlich.

Arte, Drama, 20.45 Uhr: Die Konferenz

Neun Lehrer beraten, ob ein Junge, der verdächtigt wird, eine Mitschülerin vergewaltigt zu haben, das aber bestreitet, die Schule verlassen muß. Als die Entscheidung fällt, ist das Lehrerkollegium nicht mehr, was es vorher war. Niki Stein hat ein Drehbuch des Schriftstellers Bodo Kirchhoff verfilmt und bietet ein beeindruckendes Ensemble deutscher Schauspielgrößen auf: Das Kollegium besteht aus Senta Berger, Peter Fitz, Günther Maria Halmer, Sophie von Kessel, Rudolf Kowalski, Jan-Gregor Kremp, Ulrike Kriener, Nina Petri und Wotan Wilke Möhring.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Ab in die eTonne

Von Ursula Scheer

Der „eTown-Index“ rechnet aus, in welcher Stadt Deutschlands es die meisten wirtschaftlichen Internetseiten gibt. Googles System dahinter ist ebenso durchschaubar wie verworren. Mehr