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Fernsehwoche, 17. bis 23. Dezember Wenn die Alraunenwurzeln schreien

16.12.2005 ·  Die Weihnachtszeit soll besinnlich sein, und auch die Fernsehsender bringen ihr Publikum nicht mit großen Premieren aus der Ruhe. Ausnahme: „Harry Potter 2“ im ZDF. Die Fernsehwoche.

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Die Weihnachtszeit soll besinnlich sein, und auch die Fernsehsender bringen ihr Publikum nicht mit großen Premieren aus der Ruhe. Ausnahme: „Harry Potter 2“ im ZDF. Die Fernsehwoche.

Samstag, 17. Dezember

RBB, Liebeskomödie, 23.35 Uhr: Weihnachtsmann gesucht

Der Regisseur Uwe Janson hat ein zauberhaftes Werk über nichts als die Sehnsucht vorgelegt, und das genügt, weil sich der Film auf leise Töne versteht ohne Kitsch-Akkorde. Janson ist ein rührend witziges Märchen gelungen über einen Mann in Liebesnöten und eine Frau, die ihren Gefühlen mißtraut. Tagsüber führt Johannes (Christoph Waltz) eine Tierhandlung, aber seine Gedanken sind stets bei Marion (Barbara Auer), eine Etage höher. Widerwillig streift er schließlich einen grauen Bart über, um seinen verletzten Gehilfen als Weihnachtsmann zu vertreten und trifft bei seinem Rundgang auf Sascha, der das zerrüttete Eheleben seiner Eltern beklagt. Erst durch Sascha, der Johannes nicht mehr aus den Augen läßt, im Glauben, der mürrische Tierverkäufer sei der einzig wahre Weihnachtsmann, vermag er seine Angebetete wieder zu erweichen. „Weihnachtsmann gesucht“ ist ein unaufgeregter Film, der dem Schweigen nachhorcht und den Lärm des Alltags leiser dreht.

Sonntag, 18. Dezember

SWR, Tragikomödie, 23.05 Uhr: Halbe Treppe

Mit einem Dia-Abend, auf dem Urlaubsbilder gezeigt werden, stellt der Film seine Protagonisten vor: den Imbißbesitzer Uwe (Axel Prahl), die Parfümerieangestellte Ellen (Steffi Kühnert), den Radiomoderator Christian (Thorsten Merten) und Katrin (Gabriela Maria Schmeide), die auf einem Lkw-Parkplatz arbeitet. „Halbe Treppe“ heißt Uwes Imbißzelt in einem Einkaufskomplex, aber der Titel ist auch auf andere Weise emblematisch: Er bezeichnet die Halbheiten, mit denen die Personen sich abgefunden haben, und die Hälfte ihres Lebens, die gerade vorbei ist. „Halbe Treppe“ spielt in Frankfurt/Oder, aber man tut dem Film unrecht, wenn man ihn als Panorama ostdeutscher Befindlichkeiten liest. In Oldenburg oder Offenbach ist der Alltag nicht anders, nur der Dialekt, und die Dialektik zwischen der Realität und ihrer Konstruktion im Kino hat Regisseur Andreas Dresen, der nicht zufällig einen Radiomann vorschickt, wahrscheinlich besser begriffen als seine westdeutschen Kritiker.

Montag, 19. Dezember

ZDF, Dokumentarfilm, 0.10 Uhr: Der irrationale Rest

DDR 1987: Suses Freund Matthias versucht, aus dem Land zu fliehen - gemeinsam mit ihrer besten Freundin Susanne. Doch die beiden Republikflüchtlinge werden verhaftet. Sechzehn Jahre später hat Thorsten Trimpop die Drei für seinen Film erstmals wieder zusammengeführt.

Dienstag, 20. Dezember

3sat, Drama, 20.15 Uhr: Die Liebenden vom Alexanderplatz

Inge Meysel spielt Ruth Levenstein, die mit ihrer Tochter Liz und Schwiegersohn Aaron in New York lebt. In ihrer Heimatstadt Berlin ist sie nicht mehr gewesen, seit sie 1942 vor dem Nazi-Regime aus Deutschland geflohen ist. Doch jetzt will sie unbedingt dorthin zurückkehren. Für Ruth wird der Berlin-Besuch zur Reise in die Vergangenheit. Erinnerungen an ihre große Liebe Max werden wach. Mit ihm wollte sie seinerzeit aus Deutschland fliehen, Max kam jedoch nicht zum verabredeten Treffpunkt. Jetzt in Berlin erfährt die alte Dame, daß Max noch lebt. Sie will ihn wiedersehen - und sie will endlich Liz erzählen, daß Max ihr leiblicher Vater ist. Die Geschichte bewegt sich in einer gefährlichen Grauzone: zwischen luftig-leichter Familiensaga und Melodram, sentimentaler Liebesgeschichte und Komödie, Geschichtsunterricht und lockerer Unterhaltung. Monika Schmid (Drehbuch) und Detlef Rönfeld (Regie) halten die unterschiedlichen Stimmungen aber aus, gönnen Schauspielern und Zuschauern eine unaufgeregte, gelegentlich gemächliche Handlung - ein Beispiel für gediegenes Handwerk, das immerhin die innere Spannung der Figuren deutlich werden läßt.

Mittwoch, 21. Dezember

SWR, Historiendrama, 20.15 Uhr: Luther

Der kanadische Regisseur Eric Till weiß um die Schwierigkeiten, die Gewissensnöte des Dr. Martin Luther ins Filmbild zu setzen. Ein von Folianten umgebener Gelehrter, der im Studierzimmer über biblischen Texten brüte, tauge nicht zum Filmhelden. So folgen Tills Drehbuchautoren Camille Thomasson und Bart Gavigan dem Psycho-Luther, den Erik H. Erikson in seiner Studie „Young Man Luther“ 1958 gezeichnet hat. Ihr Luther ist ein hochsensibler Jüngling, der unter einem autoritär fordernden Vater leidet. Joseph Fiennes, bekannt aus „Shakespeare in Love“, spielt Martin Luther. Dieser young man Luther hat einige glänzende Szenen. Aber nie kann er die Tatsache vergessen machen, daß ihm Höllenqualen und Ichverlustängste eines spätmittelalterlichen Mönches fremd sind. Luthers geistlicher Vater Johann von Staupitz wird eindrucksvoll von Bruno Ganz gespielt. Als Friedrich der Weise zeigt Peter Ustinov durch grandioses Mienenspiel und feine, unscheinbar wirkende Handbewegungen, daß Lebensweisheit viel Skepsis und ironische Selbstdistanz fordert. Nur in Ustinovs brillant gespielter Zerrissenheit wird etwas von jenem protestantischen Menschen sichtbar, der alle innerweltlichen Sicherungen preisgegeben hat: himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, und das im selben Moment.

Donnerstag, 22. Dezember

3sat, Psychothriller, 22.25 Uhr: Nächtliche Irrfahrt

Cédric Kahns Simenon-Verfilmung hat von den ersten Einstellungen an ein Flair des Unwirklichen: die Blicke aus der Vogelperspektive auf die Bürostadtwelt von La Défense, die wie ein Arrangement überdimensionaler geometrischer Formen aussieht, die Bilder der Nacht, in denen die Farben so wunderbar wie auf einem Aquarell ineinanderfließen, das unwirkliche Weiß des Krankenhauses, vor dem das blaue Hemd des Mannes geradezu explodiert wie die Verzweiflung, mit der er seine Frau sucht, die nicht am Bestimmungsort des Zuges angekommen ist. Beiden ist etwas Schreckliches geschehen, und wie ein Taschenspielertrick des Schicksals wirkt es, daß diese beiden Schreckenserlebnisse zusammenhängen. Cédric Kahn treibt sein Szenario ins Extrem, doch aus dem, was er da angerichtet hat, kommt er nicht halb so elegant wieder raus, wie er hineingekommen ist - es sei denn, man nähme all das, was dem Paar zustößt, als einen Traum.

Freitag, 23. Dezember

ZDF, Fantasy, 20.15 Uhr: Harry Potter und die Kammer des Schreckens

Nachdem die Nervosität des ersten Mals vom Regisseur Chris Columbus abgefallen ist, scheint der Regisseur in der „Kammer des Schreckens“ mehr bei der Sache zu sein, sich manchmal geradezu lustvoll seiner filmischen Möglichkeiten zu bedienen. Es werden genügend Phobien mobilisiert, die nicht nur kleine Kinder das Fürchten lehren können. Wer sich vor Nacktschnecken ekelt, wird besondere Freude an den Szenen haben, in denen Harrys verzauberter Freund Ron ein schleimiges Exemplar nach dem anderen erbricht. Und wer unter Arachnophobie leidet, wird in jenen Sequenzen seinen Meister finden, in denen die drei Kinder von Abertausenden riesiger Spinnen bedrängt und dann gejagt werden. Immerhin ist der Spuk diesmal ansehnlich animiert worden: der sich selbst geißelnde Elf, das Quidditch-Spiel auf den fliegenden Besen oder das Umtopfen der Alraunenwurzeln, die sich als erstaunlich lebendige Schreihälse erweisen. Dazu gesellen sich jenseits der Tricks wie gehabt Maggie Smith, Alan Rickman, Robbie Coltrane, John Cleese, Fiona Shaw, Julie Walters, Richard Harris sowie Kenneth Branagh als eitler Zauberer. Da kann natürlich nicht viel schiefgehen.

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