Home
http://www.faz.net/-gqz-ol0q
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Fernsehvorschau Die Olson-Bande

Heino Ferch als Mustermann im Firmenkrimi: "Das Konto" - ein flott geschnittener Action-Thriller am Freitag und Samstag, der mit seiner Abschußliste den Zuschauer nicht überzeugt, sondern überrumpelt.

© ARD/DEGETO/Boris Laewen Mustermanager mit Ehefrau: Heino Ferch, Julia Jäger

Selbst die Tütensuppe ist nicht mehr das, was sie früher einmal war. So verfolgt die Olson-AG, ein einschlägig führendes Unternehmen der Lebensmittelbranche, vielerlei Projekte. Markus Imbodens Zweiteiler "Das Konto" nach Uwe Schwartzers gleichnamigem Roman reißt die Strategien routiniert an.

Ob im Labor oder auf dem Markt, ob am Rande oder innerhalb der Wirtschaftskriminalität: Effizienz, das ist, was zählt. Auch der Topmanager Michael, der hier den Aufstieg in die Chefetage probt, ist effizient. Gerne landet er verblüffende Coups, nimmt mit der bei Fehlern ertappten Putzfrau einen Drink, strebt im Planungsstab plötzlich die Umwertung bisheriger Firmenwerte an oder kalkuliert knallhart auf eigene Faust die feindliche Übernahme der Schweizer Konkurrenz.

Mustermanager

Heino Ferch, der ohne weiteres solche typische Stoßkraft verkörpert, gibt seinem Mustermanager zudem noch besondere Nuancen, wenn er in Momenten des Triumphs leise und damit um so eindringlicher auftritt. Feindbild und Sympathieträger zugleich, läßt er trotz des im Laufe der Verwicklungen immer unglaubwürdigeren Plots den Zuschauer oft mitzittern. Denn bald geht es hier keineswegs mehr nur um Rivalitätsgerangel, sondern um Überlebenskämpfe. "Nein, was Onkel und Tanten sterben müssen, bloß damit alles gut ausgeht", verspottete einst Nestroy im Wiener Lustspiel "Einen Jux will er sich machen" die dramaturgischen Tricks seiner Sparte. Heute, da alles härter und hektischer wird, schlägt das auch auf die Genrezwänge durch. So gibt es also Leichen schon vom ersten Drittel dieses Films an. Wozu dies? Kaum zum guten Ende, jedenfalls aber zur Spannungssteigerung.

Auf weite Strecken ist "Das Konto" ein flott geschnittener Action-Thriller, der mit seiner Abschußliste den Zuschauer nicht überzeugt, sondern überrumpelt. Denn daß die Olson-Bande Michael samt Tochter und Frau (Julia Jäger) mit ständiger Überwachung und Bespitzelung in Fallen locken und zur Strecke bringen will, ist keineswegs plausibel. Wenn es der Geschäftsleitung hier darum geht, den eigenwilligen Planer zugunsten anderer Interessen und Intrigen auszuschalten, versprächen weniger blutrünstige Methoden genau genommen mehr Erfolg. Daß Michael, tückisch unter Mordverdacht gesetzt, in Verfolgungsjagden davonkommt, verdankt sich einerseits dem Joggingtraining, andererseits seinem Schutzengel, einem Autoschieber. Wenn mit diesem herzensguten Altkriminellen auch noch die bitterböse heutige polnische Mafia ins Spiel kommt, wird der Film noch effektvoller, aber nicht schlüssiger.

Allzu abgekartetes Arrangement

Auch attraktive Schauplätze in Hamburg, Warschau, Paris und Zürich ändern nichts daran: Je länger, desto deutlicher und mehr spult sich hier ein quasi ferngesteuertes, allzu abgekartetes Arrangement von Drahtziehern, Handlangern und Opfern ab. Neben Heino Ferch gelingt nur Julia Jäger das Kunststück, die Szene mit Individualität und Geheimnis zu beleben. Wie Hitchcock ist Imboden eine Zeitlang mit den Liebenden im Bunde, dann verwehrt das Drehbuch ihm auch dies. Das Ende schürt Zweifel am Rechtssystem, da es Michael trotz drastischem Belastungsmaterial gegen die Schufte nicht rehabilitiert. Vielleicht droht noch Ärgeres: eine Fortsetzung von "Das Konto" mit diesem Reststoff.

Der erste Teil läuft am Freitag um 22.40 Uhr, am Samstag um 22.10 Uhr kommt Teil zwei im Ersten

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2004, Nr. 1 / Seite 40

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kinocharts Straight Outta Compton übertrifft alle Erwartungen

Tom Cruise bleibt mit Mission Impossible an der Spitze der deutschen Kinocharts. Überraschend steigt der Musikfilm Straight Outta Compton über die Rapszene der Achtziger in Nordamerika auf Platz eins ein. Mehr

18.08.2015, 15:20 Uhr | Feuilleton
Kinotrailer Was heißt hier Ende?

Was heißt hier Ende?, 2015. Regie: Dominik Graf. Darsteller: u.a. Michael Althen, Adolf Althen, Arthur Althen. Verleih: Zorro. Kinostart: 18.06.2015. Mehr

17.06.2015, 19:12 Uhr | Feuilleton
Leichtathletik-WM Usain Bolt Weltmeister über 100 Meter

Usain Bolt ist und bleibt der schnellste Mann der Welt. Der Titelverteidiger aus Jamaika gewinnt das 100-Meter-Finale den Leichtathletik-WM vor seinem Rivalen Justin Gatlin. Eine Hunderstel Sekunde macht den Unterschied. Mehr

23.08.2015, 15:43 Uhr | Sport
Jagd Trophäen-Jäger sehen sich als Artenschützer

In Südafrikas privaten Tierparks und in anderen afrikanischen Ländern ist die Jagd auf wilde Tiere erlaubt, professionelle Jäger verhelfen wohlhabenden Touristen zu Trophäen. Die Jäger sehen sich als Artenschützer. Doch das millionenschwere Geschäft mit Trophäen stößt international auf Widerstand. Mehr

12.07.2015, 12:19 Uhr | Gesellschaft
NS-Massaker in Italien Geerbte Schuld

Sein Onkel hatte während des Zweiten Weltkriegs in dem toskanischen Bergdorf Sant’Anna ein schreckliches Massaker mitbefohlen. Nun ist der Neffe an den Ort des Verbrechens gereist – als erster Angehöriger einer Täterfamilie. Wir haben ihn begleitet. Mehr Von Julia Amberger, Sant’Anna

18.08.2015, 16:15 Uhr | Gesellschaft

Veröffentlicht: 01.01.2004, 20:47 Uhr

Glosse

Bad Wording

Von Lorenz Jäger

In Bad Dürrheim wurden fast die Hälfte der Regale in der Stadtbücherei leergeräumt. Aber nicht von gelangweilten Lesern auf der Suche nach Lektüre: Die Bücher wurden quasi aus Altersgründen entlassen. Mehr 5 5