Selbst die Tütensuppe ist nicht mehr das, was sie früher einmal war. So verfolgt die Olson-AG, ein einschlägig führendes Unternehmen der Lebensmittelbranche, vielerlei Projekte. Markus Imbodens Zweiteiler "Das Konto" nach Uwe Schwartzers gleichnamigem Roman reißt die Strategien routiniert an.
Ob im Labor oder auf dem Markt, ob am Rande oder innerhalb der Wirtschaftskriminalität: Effizienz, das ist, was zählt. Auch der Topmanager Michael, der hier den Aufstieg in die Chefetage probt, ist effizient. Gerne landet er verblüffende Coups, nimmt mit der bei Fehlern ertappten Putzfrau einen Drink, strebt im Planungsstab plötzlich die Umwertung bisheriger Firmenwerte an oder kalkuliert knallhart auf eigene Faust die feindliche Übernahme der Schweizer Konkurrenz.
Mustermanager
Heino Ferch, der ohne weiteres solche typische Stoßkraft verkörpert, gibt seinem Mustermanager zudem noch besondere Nuancen, wenn er in Momenten des Triumphs leise und damit um so eindringlicher auftritt. Feindbild und Sympathieträger zugleich, läßt er trotz des im Laufe der Verwicklungen immer unglaubwürdigeren Plots den Zuschauer oft mitzittern. Denn bald geht es hier keineswegs mehr nur um Rivalitätsgerangel, sondern um Überlebenskämpfe. "Nein, was Onkel und Tanten sterben müssen, bloß damit alles gut ausgeht", verspottete einst Nestroy im Wiener Lustspiel "Einen Jux will er sich machen" die dramaturgischen Tricks seiner Sparte. Heute, da alles härter und hektischer wird, schlägt das auch auf die Genrezwänge durch. So gibt es also Leichen schon vom ersten Drittel dieses Films an. Wozu dies? Kaum zum guten Ende, jedenfalls aber zur Spannungssteigerung.
Auf weite Strecken ist "Das Konto" ein flott geschnittener Action-Thriller, der mit seiner Abschußliste den Zuschauer nicht überzeugt, sondern überrumpelt. Denn daß die Olson-Bande Michael samt Tochter und Frau (Julia Jäger) mit ständiger Überwachung und Bespitzelung in Fallen locken und zur Strecke bringen will, ist keineswegs plausibel. Wenn es der Geschäftsleitung hier darum geht, den eigenwilligen Planer zugunsten anderer Interessen und Intrigen auszuschalten, versprächen weniger blutrünstige Methoden genau genommen mehr Erfolg. Daß Michael, tückisch unter Mordverdacht gesetzt, in Verfolgungsjagden davonkommt, verdankt sich einerseits dem Joggingtraining, andererseits seinem Schutzengel, einem Autoschieber. Wenn mit diesem herzensguten Altkriminellen auch noch die bitterböse heutige polnische Mafia ins Spiel kommt, wird der Film noch effektvoller, aber nicht schlüssiger.
Allzu abgekartetes Arrangement
Auch attraktive Schauplätze in Hamburg, Warschau, Paris und Zürich ändern nichts daran: Je länger, desto deutlicher und mehr spult sich hier ein quasi ferngesteuertes, allzu abgekartetes Arrangement von Drahtziehern, Handlangern und Opfern ab. Neben Heino Ferch gelingt nur Julia Jäger das Kunststück, die Szene mit Individualität und Geheimnis zu beleben. Wie Hitchcock ist Imboden eine Zeitlang mit den Liebenden im Bunde, dann verwehrt das Drehbuch ihm auch dies. Das Ende schürt Zweifel am Rechtssystem, da es Michael trotz drastischem Belastungsmaterial gegen die Schufte nicht rehabilitiert. Vielleicht droht noch Ärgeres: eine Fortsetzung von "Das Konto" mit diesem Reststoff.